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Riesa

„Wenn Dynamo ruft, würde ich sofort kommen“

Turgay Gemicibasi lernte beim SC Riesa Fußball spielen. Jetzt kickt er in der zweiten österreichischen Liga.

Turgay Gemicibasi, der mit vollem Namen Philipp Turgay Gemicibasi heißt und die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, bei seinem Besuch in seiner Heimatstadt Riesa. Der Fußballer spielt derzeit in der zweiten österreichischen Bundesliga.
Turgay Gemicibasi, der mit vollem Namen Philipp Turgay Gemicibasi heißt und die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, bei seinem Besuch in seiner Heimatstadt Riesa. Der Fußballer spielt derzeit in der zweiten österreichischen Bundesliga. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Einen Cappuccino im Café genießen – so verbringt Turgay Gemicibasi seine Freizeit am liebsten. In seiner Heimatstadt Riesa hatte der 23-Jährige dafür in den vergangenen Wochen aber nur wenig Zeit. Die Sommerpause war kurz. Die dritte Liga in Österreich hat relativ lang gespielt, und für die zweite Liga hat jetzt bereits die Vorbereitung begonnen, erklärt der Profi-Fußballer, der in der kommenden Saison für den FC Blau-Weiß Linz kicken wird. 

Erst vor wenigen Wochen wurde der Transfer vom FC Mauerwerk Wien unter Dach und Fach gebracht. Es folgten ein kurzer Urlaub bei der Familie in der Türkei, Stippvisite bei der Mama in Riesa, der Umzug von Wien nach Linz – trotzdem wirkt Turgay Gemicibasi beim SZ-Interview sehr entspannt und zufrieden. „Fußball ist meine große Liebe“, sagt der defensive Mittelfeldspieler.

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Als Kindergartenkind zieht er beim SC Riesa das erste mal Stollenschuhe an, kickt auf dem Vereinsplatz in der Delle oder mit dem großen Bruder auf dem Hartplatz an der Rolle. „Mein Trainer Egon Siedeberg hat mich sehr geprägt“, sagt er heute. Er habe sein Talent früh erkannt und ihn zur Disziplin erzogen, ohne die man es trotz Talent als Profi nicht weit bringe.

 Die Schule dagegen läuft für „Gemi“, wie er früher genannt wird, alles andere als gut. Es gibt viel Stress, die Mutter wird häufiger zu Elterngesprächen einbestellt. Einige Lehrer an der Oberschule Am Sportzentrum würden sich sicher noch heute die Haare raufen bei der Erinnerung an den jungen Gemicibasi. Denn der will immer nur kicken. Dafür nimmt er nicht nur schlechte Noten in Kauf, sondern auch die wenige Freizeit. Als Kind schlägt sein Herz für Borussia Dortmund, später für Dynamo Dresden.

Aue, Cottbus oder Sachsen Leipzig werfen schon früh ein Auge auf das Nachwuchstalent. Der entscheidet sich mit 13 für Dresden. Im Internat wohnt er zusammen mit Noch-Dynamo-Torwart Markus Schubert, der ebenfalls in seiner Jugend für den SC Riesa spielte, und Niklas Hauptmann, der aktuell beim 1. FC Köln kickt. 

Und dort muss er schnell lernen, ohne die Unterstützung der Familie auszukommen und sich durchzusetzen. „Die Schule musste stimmen, sonst hat dich der Trainer vom Training gesperrt“, erinnert sich Turgay Gemicibasi. Und der Konkurrenzkampf sei schon im Nachwuchsbereich brutal.

Von Dynamo wechselt er an den Rhein, spielt für die U-17-Mannschaft des 1. FC Köln sowie die U-18-Nationalmannschaft der Türkei – und „baut viel Scheiß“. Eine Prügelei mit 17 versetzt seiner Karriere einen gehörigen Knick. Über die Nachwuchsmannschaften von RB Leipzig, Kaiserslautern und Viktoria Köln kämpft er sich wieder nach oben, wechselt jede Saison den Verein. 

Nach weiteren Stationen bei den Sportfreunden Siegen und dem FC Gütersloh wechselt Turgay Gemicibasi schließlich in die österreichische Regionalliga zum FC Karabakh Wien, der später FC Mauerwerk heißt. Dort wird er von den Fans zum „Spieler der Hinrunde“ gewählt und geht nun zum FC Blau-Weiß Linz in die zweite Bundesliga. 

„Wenn man das Stadion und die Fans sieht – die müssen in die erste Bundesliga“, sagt Turgay Gemicibasi über seinen neuen Klub, „ich hoffe, wir schaffen das. Ich will jetzt richtig Gas geben“, sagt der 23-Jährige.

Noch vor den Leistungs- und Gesundheitschecks am vergangenen Wochenende in Linz bringt er sich deshalb in Form. Trainiert viel, verzichtet auf Zucker und Döner. Nicht umsonst wird er auf dem Platz mittlerweile „Maschine“ genannt. 

„Ich will schon fit in die Vorbereitung starten“, erklärt der Sportler. „Mein Ziel ist es, hier ein, zwei Jahre zu spielen und dann wieder nach Dresden zu wechseln. Wenn Dynamo anruft, würde ich sofort kommen.“ Und das würde sicher auch die Familie freuen.

„Meine Mutter hat mich immer unterstützt“, sagt der 23-Jährige. „Sie war früher bei jedem Spiel dabei. Und auch wenn es manchmal peinlich war, wenn sie was reingerufen hat, habe ich sie danach trotzdem wieder gefragt, ob sie mitkommt. Ich bin froh, dass ich ihr jetzt als Profi was zurückgeben kann.“ 

Der Vater lebt indes in Weinböhla, betreibt dort ein Dönerhaus. Und das ist auch Plan B für Turgay Gemicibasi. Eine Lehre hat er nie gemacht und will er auch nicht mehr machen. Er hofft darauf, noch bis Mitte 30 aktiv Fußball spielen und dann ein türkisches Restaurant eröffnen zu können.

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