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Wenn ein Besenstiel zur Waffe wird

Ein 59-Jähriger hat in der JVA Waldheim Vollzugsbedienstete bedroht und angegriffen. Dadurch holt ihn die Vergangenheit ein.

In der JVA Waldheim attackierte ein Gefangener einen Vollzugsbediensteten.
In der JVA Waldheim attackierte ein Gefangener einen Vollzugsbediensteten. © Dietmar Thomas

Waldheim/Döbeln. Er will sein Leben einfach nur wieder in den Griff bekommen. Das beteuerte ein 59-jähriger Neustädter, der wegen gefährlicher und versuchter gefährlicher Körperverletzung am Amtsgericht Döbeln angeklagt war, gegenüber Richterin Ines Opitz. Zudem entschuldigte er sich mehrfach bei den Geschädigten. Dennoch holte den aus Ostsachsen stammenden Mann die Vergangenheit ein, nachdem er erst im Dezember aus der JVA Waldheim entlassen worden war.

Dort saß der Diplomingenieur für Maschinenbau und frühere leitende Angestellte eines Prüfdienstes nach zwei Verurteilungen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit Diebstahl für zwei Jahre und zwei Monate ein. Die Scheidung hat ihn aus der Bahn geworfen, danach nahm alles seinen Lauf, sagte der Angeklagte. 

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Auch, dass er es im Knast nicht leicht hatte, da er weder „mit der rechtsradikalen noch der Drogenszene etwas am Hut hat“, führt er an. Und so gab es schon auf seiner vorherigen Gefangenenstation zwischenmenschliche Probleme, nach einer Verlegung in einen anderen Zellentrakt ähnliche. Entsprechend machte er mehrfach mit dem sogenannten „Vandalenhaftraum“ Bekanntschaft.

Auch am 30. August gab es aus disziplinarischen Gründen Einschränkungen, nachdem es wenige Tage vorher Probleme mit einem geplanten Ausgang gegeben hatte. Der Angeklagte, der nach seinem Geburtstag Post von seinen Kindern erwartete, sah sich durch einen Vollzugsbediensteten provoziert. 

Als dieser die Kostklappe in der Zellentür schließen wollte, habe der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft mit einem angespitzten Besenstiel nach dem Beamten gestoßen. Später habe er sich zudem der Einsatzgruppe körperlich wiedersetzt. Das sei zum Teil mit dem abgebrochenen Besenstiel geschehen.

Keine Bewährung möglich

In der Beweisaufnahme bestätigte der Beamte diese Version und erklärte, dass er dem Besen nur durch eine reflexartige Reaktion ausweichen und diesen packen konnte. Dabei sei der Stiel zerbrochen. Gegen den nachfolgenden Zugriff mit mehreren Beamten habe sich der Angeklagte intensiv gewehrt. „Ihr müsst mich schon rausholen“, drohte er mit der abgebrochenen Hälfte des Stiels in der Hand, mit dem er den zweiten Zeugen traf. 

Dieser zeigte sich „weniger belastungsfreudig“ gegenüber dem Angeklagten, wie es die Staatsanwaltschaft ausdrückte. Wohl auch, weil er in der JVA zu diesem kein schlechtes Verhältnis hatte, und er sich bereits nach dem Vorfall nach seinem Befinden erkundigt und entschuldigt hatte. 

Der dritte Beamte, der geladen war, war sich dann sicher, dass er bei seiner Ankunft auf der Station eine Besenhälfte in der Hand des Angeklagten und die andere außerhalb der Zelle gesehen hat. Dabei habe er nur einen runden, nicht angespitzten Stiel wahrgenommen.

In seinem Schlusswort beteuerte der Neustädter nochmals, dass er niemanden verletzen oder beleidigen wollte. Die Staatsanwaltschaft sah die Vorwürfe der gefährlichen Körperverletzung und versuchten gefährlichen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand – ob der Besenstiel nun angespitzt war oder nicht – im wesentlichen bestätigt.

Der Forderung nach einem Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung kam Richtering Ines Opitz dann nicht nach. Sie verhängte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten und die Übernahme der Verfahrenskosten. „Es war keine Bewährung möglich, um dem Angeklagten, der gegen jede Gepflogenheit verstoßen hat, aufzuzeigen, dass er sich auch bei der Verbüßung einer Freiheitsstrafe nicht im rechtsfreien Raum befindet“, begründete die Vorsitzende. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig.

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