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Dippoldiswalde

Wenn es im Dorf stinkt

Seit 2018 verbreitet sich in Sadisdorf Gestank, mehr als auf dem Land üblich. Jetzt soll noch ein Güllelager ausgebaut werden. Das führt zu einer Riesendebatte.

Ein landwirtschaftliches Gespann ist oberhalb von Sadisdorf unterwegs. Die Jungviehanlage im Hintergrund ist wegen ihrer Geruchsbelästigung in die Diskussion geraten.
Ein landwirtschaftliches Gespann ist oberhalb von Sadisdorf unterwegs. Die Jungviehanlage im Hintergrund ist wegen ihrer Geruchsbelästigung in die Diskussion geraten. © Karl-Ludwig Oberthür

„Zeitweise kommt fast täglich jemand zu mir und beschwert sich über die Geruchsbelastung“, berichtet Mirko Geißler (Freie Wähler). In den letzten zwei Jahren sei das schlimmer geworden. Um das zu dokumentieren, führen Anwohner inzwischen ein Geruchstagebuch. Geißler ist Ortsvorsteher in dem Ortsteil von Dippoldiswalde. Der Gestank kommt von den Jungviehställen der Sadisdorfer Agrar Aktiengesellschaft am westlichen Ortsrand. Die genaue Ursache ist bisher nicht so richtig bekannt. Nun hat die Agrargesellschaft einen Bauantrag gestellt, um ein Gülle-Erdbecken, das bisher 4.263 Kubikmeter fassen kann, so zu erweitern, dass es Platz für 9.728 Kubikmeter fasst, also mehr als das Doppelte.

Für das Güllebecken benötigt der Betrieb aber eine Genehmigung. Dazu muss auch die Stadt ihr Einvernehmen geben. Deswegen kommt es jetzt zum ersten Mal seit Langem zu einer öffentlichen Diskussion über die Entwicklung auf der Jungviehanlage in Sadisdorf. Der Technische Ausschuss des Stadtrats befasste sich am Mittwoch zwei Stunden mit dem Thema. Die Ortsvorsteher von Sadisdorf und Reichstädt, welche die Interessen der Anwohner vertraten, nahmen daran teil ebenso wie Nikolaus Flämig, Vorstandsvorsitzender der Sadisdorfer Agrargesellschaft. Peter Antoniewski, der Beigeordnete, der die Sitzung leitete, bat Flämig neben sich ins Präsidium.

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Reichstädt macht sich Sorgen um den Bach

Die jetzige Situation bietet Stadträten und Anwohnern die Möglichkeit, sich über die Entwicklung auf der Jungviehanlage zu informieren und ihre Meinung dazu zu äußern. Die Agrargesellschaft hat in den letzten Jahren einige Umbauten auf dem Stallgelände in Sadisdorf vorgenommen. Dafür war keine Baugenehmigung notwendig, wie der Vorstandsvorsitzende Nikolaus Flämig betont. Daher gab es auch keine öffentliche Diskussion oder Information für die Nachbarn. „Die Kommunikation mit der Agrargesellschaft war nahe null“, sagt Michael Becker, ein Nachbar der Anlage, der mit auf der Sitzung war.

Vor allem die Stadträte der Freien Wähler haben jetzt die Bedenken der Anwohner aufgenommen. Anwohner haben nun Angst, dass die häufige Geruchsbelästigung durch das größere Güllebecken noch einmal verstärkt wird. Aber nicht nur  in Sadisdorf sind die Menschen besorgt wegen der Pläne. Auch in Reichstädt gibt es Bedenken gegenüber einem doppelt so großen Güllebecken. Denn das Gefälle verläuft so, dass Wasser von dort in den Reichstädter Bach und letztlich bis in die Talsperre Malter fließt. Sollte es also zu einem Zwischenfall kommen, wäre Reichstädt betroffen.

Der Bauantrag der Agrargesellschaft sieht vor, dass das Güllelager wie bisher durch Erddämme gebildet wird. Die werden bei der Erweiterung um zwei Meter erhöht und mit einer Dichtfolie ausgekleidet. „Das ist unterste Schiene, was den Stand der Technik angeht, und unterste Schiene, was die Kosten angeht“, sagte Hennig. Er forderte auch, dass der Agrarbetrieb sich um die Pflege der Erddämme kümmern müsse und verhindern, dass dort wild Bäume wachsen. Allerdings hätte der Betrieb diese Pflege schon am jetzigen Becken vernachlässigt, wie die dortigen Bäume zeigen.

Abstimmung verschoben

Flämig erklärte, warum sein Betrieb den Ausbau will. Er hat einen Stall umgebaut und dabei Güllekanäle verfüllt. Dieser Lagerraum fehlt jetzt. Weiter ist es nicht mehr zulässig, wie früher Regenwasser vom Hof einfach abfließen zu lassen, weil es verunreinigt ist. Also muss es aufgefangen werden. Und dabei stellt sich der Betrieb auf größere Regenmengen ein als früher angenommen wurden. Damit dafür genug Platz vorhanden ist, soll die Erweiterung kommen. Er betonte wiederholt, dass ihm niemand, keine Behörde diesen Bau vorgeschrieben hätte. Der wird vom Betrieb aus eigener Entscheidung in Angriff genommen, um den Hochwasserschutz zu verbessern.

Anders als geplant, ließ Antoniewski über die Erweiterung des Güllebeckens nicht abstimmen. Nach der Diskussion hätte es wahrscheinlich eine Niederlage für das Vorhaben gegeben. Er appellierte aber an die Stadträte, dass ein Konsens gefunden werden muss, mit dem beide Seiten leben könnten. Hans-Jürgen Czwink, Fraktionschef der Freien Wähler, forderte, die Zeit jetzt zu nutzen und in einen Erfahrungsaustausch zu treten, wie andere Agrarbetriebe solche Aufgaben lösen.  

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