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Wenn es im Kino regnet

Seit über einem Jahr werkeln Bauleute im Bautzener Kino. Nun wird ein neuer Saal eröffnet – mit besonderer Technik. 

Die Rückenlehnen der Sitze im neuen Kinosaal fünf können nach hinten verstellt werden. Zu den Sitzen gehören Hocker, damit die Zuschauer ihre Füße hochlegen können.
Die Rückenlehnen der Sitze im neuen Kinosaal fünf können nach hinten verstellt werden. Zu den Sitzen gehören Hocker, damit die Zuschauer ihre Füße hochlegen können. © Steffen Unger

Bautzen. Der Staub knirscht unter den Schuhsohlen von Maik Honscha, als er das Kino-Foyer verlässt. Nicht nur der Regionalleiter der Kieft & Kieft Filmtheater in Sachsen – auch die Zuschauer müssen wohl ein bisschen gelenkig sein, wenn sie den Weg in Richtung des neuen Saals im Bautzener Kino einschlagen: Um in den neuen Film-Vorführraum zu gelangen, müssen sie über Kabel und vielleicht auch das ein oder andere Werkzeug steigen. Denn der Weg führt vorerst über die Baustelle – an diesem Donnerstag wird er jedoch eröffnet, der neue Saal fünf.

Zwei Tage zuvor herrscht Hochbetrieb in dem Saal. Kartons stapeln sich an den Seitenwänden, noch nicht alle Lautsprecher sind montiert, und Leuchtbuchstaben warten darauf, an die Wand gehängt zu werden. Auch zwei Subwoofer müssen noch montiert werden. Der Geruch von Baustaub und Farbe vermischt sich mit dem Duft von Popcorn.

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Neues Tonsystem lässt es regnen

Maik Honscha steht in diesem Trubel und dreht sich von rechts nach links und andersherum. Er blickt sich um. Dann zeigt er auf die Lautsprecher an den Wänden: „Wenn es im Film regnet, ziehen Sie automatisch den Kopf ein“, sagt er und macht die Geste vor. Dolby Atmos nennt sich das Soundsystem, das hier im neuen Kino fünf eingesetzt werden kann. Insgesamt 37 Lautsprecher verteilen sich in dem Saal, sie alle können einzeln angesteuert werden. Sie hängen an der Decke, an den Saalseiten und stehen hinter der Leinwand.

Während bei dem in vielen Kinos üblichen Soundsystem Dolby 7.1 Lautsprechergruppen immer dieselben Töne erzeugen, kann das neue System einen dreidimensionalen Ton erzeugen. Vögel können quasi um die Köpfe der Zuschauer fliegen, Helikopter über dem Publikum knattern, der Wind kann von oben, von der Seite, von vorne durch den Wald rauschen. „Das neue System lohnt sich nicht nur bei Actionfilmen“, weiß der Kino-Regionalleiter. Dennoch geht es am Donnerstag mit einem eher schaurigen Film los: Zum ersten Mal führt das Kino das neue Tonsystem mit dem Film „Friedhof der Kuscheltiere“ vor.

Maik Honscha ist als Regionalleiter für etwa zehn Kinos zuständig. Über ein modernes Tonsystem wie das im Bautzener Kino, sagt er, verfügen die wenigsten. „Hier beginnt die Zukunft“, meint er mit einem Augenzwinkern.
Maik Honscha ist als Regionalleiter für etwa zehn Kinos zuständig. Über ein modernes Tonsystem wie das im Bautzener Kino, sagt er, verfügen die wenigsten. „Hier beginnt die Zukunft“, meint er mit einem Augenzwinkern. © Steffen Unger

113 Zuschauer können es sich in den Sesseln im neuen Kinosaal gemütlich machen; zwei Plätze für Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, gibt es auch. Die neuen Sitze sind aus Kunstleder, die Rückenlehnen lassen sich nach hinten legen. Die Becherhalter werden mit kleinen Lämpchen beleuchtet, und die Sitze sind mit kabellosen Handyladestationen ausgestattet. „Die Zuschauer sollen sich hier wie zu Hause fühlen“, sagt Maik Honscha und greift zu einem Kunstlederblock. Er stellt ihn vor den Sitz und erklärt: „Für die Füße, die Schuhe können Sie anlassen.“

Maik Honscha verlässt den Raum, tritt durch eine Seitentür ins Freie. Bauleute rufen sich etwas zu, immer wieder prasseln Steine vom Dach in Metallcontainer. Seit mehr als einem Jahr werkeln die Bauleute im Bautzener Kino, 3,5 Millionen Euro soll die Erweiterung des Filmpalastes kosten. Eine erste Etappe der Bauarbeiten ist mit dem neuen Saal fünf nun geschafft. In wenigen Wochen soll mit Saal vier ein nächster eröffnet werden.

Parallel wird in den oberen Etagen des Gebäudes weitergearbeitet. In einigen Räumen zieren noch immer buntgemusterte Tapeten die Wände; nach und nach verschwinden nicht nur diese Wanddekorationen, sondern gleich die ganzen Wände. Aus den kleinen Zimmern sollen große, kinotaugliche Säle werden. Böden werden deshalb verschwinden, damit die Räume hoch genug für die Leinwand sind. Auch im Eingangsbereich des Kinos wird sich noch etwas tun. Die Bauarbeiten laufen parallel zum Betrieb, deshalb müssen Kinobesucher von etwa Mai bis November einen Nebeneingang in der Lotzestraße nutzen.

Opern, Konzerte und Spartenfilme

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