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Bautzen

Wenn es keinen Termin beim Facharzt gibt

Kriegen Patienten mit dringlicher Überweisung vom Hausarzt keinen Termin, kann eine neue Stelle in Sachsen helfen.

Eine offene Sprechzimmertür findet so schnell nicht jeder Patient im Landkreis Bautzen, wenn er zum Facharzt muss. Wer bei der Suche nach einer Praxis Hilfe braucht, kann sich an die Terminservicestelle in Sachsen wenden.
Eine offene Sprechzimmertür findet so schnell nicht jeder Patient im Landkreis Bautzen, wenn er zum Facharzt muss. Wer bei der Suche nach einer Praxis Hilfe braucht, kann sich an die Terminservicestelle in Sachsen wenden. © dpa

Bautzen. Es war nur ein harmloser Skiunfall. Gabriele Schmidt (Name geändert) hatte sich im Winter beim Langlaufen im Osterzgebirge an der Schulter verletzt. Gebrochen schien nichts, nur irgendwie gezerrt, erinnert sich die 38-Jährige aus Bautzen. „Nicht so schlimm, wird wieder, habe ich gedacht“, erzählt sie. Und ging erst einmal nicht zum Arzt und schon gar nicht in die Notaufnahme. Aber die Schmerzen wurden schlimmer, der rechte Arm ließ sich schlecht bewegen. Nach über einer Woche suchte sie dann doch den Hausarzt auf.

Der konnte zwar ein bisschen Entwarnung geben – nichts gebrochen, nichts ausgekugelt. Aber eine Zerrung oder ein Riss in einem der Bänder sei schon möglich. Um das zu klären, müsse eine Magnetresonanztomografie (MRT) gemacht werden. Termin dafür nach telefonischer Anfrage – vier Wochen später. Inzwischen geht es der Schulter wieder ganz gut.

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Doch Frau Schmidt fragt sich, ob sie für eine schnellere Terminvergabe nicht die neue Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen hätte in Anspruch nehmen können. Die soll Patienten helfen, die dringend zu einem Facharzt müssen, aber keinen finden. Im Fall von Gabriele Schmidt hätte das nichts genützt, denn die Überweisung war nicht dringlich. Wann man die Stelle in Anspruch nehmen kann und was zu beachten ist, fasst die SZ zusammen und hat dafür bei der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, beim Bundesgesundheitsministerium und bei einigen Krankenkassen nachgehakt.

Für welche Ärzte vermittelt die Terminservicestelle Termine?

Die Servicestelle vermittelt Patienten zu allen Fachärzten, ausgenommen sind aber Zahnärzte und Kieferorthopäden. Außerdem können Betroffene auch bei der Suche nach einem Haus-, Kinder- oder Jugendarzt unterstützt werden. In dem Fall ist keine Überweisung nötig. Überdies können Termine für Psychotherapeutische Akutbehandlung gesucht werden. Für alle diese Fälle gelten aber Voraussetzungen.

Welche Voraussetzungen sind das?

rt sein und in Sachsen wohnen. Wer zum Facharzt muss, braucht eine Überweisung dorthin, zum Beispiel vom Hausarzt. Die muss einen Dringlichkeitsvermerk haben. Wer eine Psychotherapeutische Akutbehandlung in Anspruch nehmen möchte, muss vorher eine Psychotherapeutische Sprechstunde besuchen. Für diese vermittelt die Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) Termine und dafür ist keine Überweisung nötig. Patienten können einfach per Telefon um einen Termin in so einer Sprechstunde bitten. Wer direkt aus dem Krankenhaus oder der Reha kommt, muss nicht erst in die Sprechstunde, um zur Akutbehandlung vermittelt zu werden.

Muss man für die Vermittlung bezahlen?

Nein, die Vermittlung ist kostenfrei, es fallen keine Gebühren an. Der Anruf selbst kann je nach Telefonanbieter aber etwas kosten.

Bei wie vielen Ärzten muss ein Patient selbst vergeblich angefragt haben, ehe er die Terminservicestelle in Anspruch nehmen kann?

Der Patient muss nicht selbst vorher aktiv werden. Trotzdem rät die KVS, sich zunächst zu bemühen. Damit sei die Chance auf einen Wunscharzt oder Wunschtermin größer und man muss gegebenenfalls keine weiten Wege in Kauf nehmen. Der Patient muss den eigenen Aufwand der Terminsuche nicht dokumentieren. Allerdings muss der Betroffene die Überweisung nachweisen und den Dringlichkeitsvermerk. Laut der gesetzlichen Vereinbarung über die Servicestellen, braucht ein Patient für den Termin beim Frauen- oder Augenarzt keine Überweisung.

Gibt es Grenzen der Zumutbarkeit bei der Entfernung zwischen Patient und dem vermittelten Arzt oder kommt prinzipiell jede Praxis im Freistaat infrage?

Es gibt Grenzen. Sogenannte Allgemeinfachärzte wie Augen-, Frauen-, Hautärzte oder Chirurgen sollten innerhalb von 30 Minuten mit Bus, Bahn oder Straßenbahn, also mit öffentlichen Verkehrsmitteln, erreichbar sein. Für den Weg zum Spezialisten, dazu zählen Radiologen und Anästhesisten, sollte man nicht länger als 60 Minuten brauchen. „In Absprache mit den Patienten ist eine Abweichung im Einzelfall möglich“, teilt eine Sprecherin der sächsischen Kassenärztlichen Vereinigung mit.

Werden auch Termine bei Ärzten außerhalb Sachsens vermittelt, zum Beispiel wenn der Patient an der Landesgrenze zu Brandenburg wohnt und einen kürzeren Fahrweg zu einem Facharzt in Brandenburg hat?

Nein. Die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen vermittelt nur Termine innerhalb des Freistaates Sachsen. Patienten haben jedoch jederzeit die Möglichkeit, durch eigene Bemühungen einen Termin außerhalb von Sachsen zu vereinbaren, oder sie können sich an die dort zuständige Kassenärztlichen Vereinigung wenden.

Werden Fahrtkosten zum Arzt übernommen?

Auch bei vermittelten Terminen können Fahrtkosten mitunter übernommen werden, zum Beispiel, wenn ein Patient zur Chemotherapie oder zur Dialyse muss. Ansprechpartner dafür ist die jeweilige gesetzliche Krankenversicherung. Mit der sollten die Patienten vorher Kontakt aufnehmen.

Wie schnell erhält ein Patient einen Termin?

Normalerweise gibt es binnen einer Woche einen Termin. Der Patient muss den Termin dann innerhalb von zwei Tagen bei der genannten Praxis und bei der Terminservicestelle bestätigen oder gegebenenfalls ablehnen. Wunschtermine gibt es nicht.

Und wie lange muss der Patient dann warten, bis er zum Arzt kann?

Für Facharzttermine beträgt die maximale Wartefrist vier Wochen. Bei Routineuntersuchungen und Bagatellerkrankungen kann es länger dauern.

Tipps zur Terminvergabe

Erster Ansprechpartner für die meisten medizinischen Probleme ist der Hausarzt. Der kann eine Überweisung zu einem Facharzt ausstellen.

Zunächst sollten Patienten mit einer dringlichen Überweisung versuchen, selbst einen Facharzt zu finden. Gelingt das nicht, kann er die Terminservicestelle in Anspruch nehmen.

Erreichbar ist die Terminservicestelle (auch für Terminabsage) außer an Feiertagen und dem 24. und 31. Dezember ausschließlich telefonisch unter Telefon: 0341 23493733. Ab 2020 soll die Stelle auch unter Telefon:  116117 erreichbar sein.

web www.kvs-sachsen.de

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