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Wenn es Menschen vom Himmel regnet

In Niederau findet das traditionelle Fallschirmspringen statt. Doch es gibt eine große Unbekannte.

Am Freitag landeten die ersten Tandemspringer auf einer Wiese in Niederau.
Am Freitag landeten die ersten Tandemspringer auf einer Wiese in Niederau. © Claudia Hübschmann

Niederau. Frank Otto ist ein vielbeschäftigter Mann. Er kommt nicht zur Ruhe, pausenlos klingelt das Telefon. Ein Anrufer aus Altenburg ist dran. "Wie ist das Wetter bei  euch? Ist das Tiefdruckgebiet schon da?" Die Antwort scheint ihn zumindest vorerst zu beruhigen. "Ist gut", sagt er und legt auf.

 Das Wetter könnte ihm und seinen Mitstreitern  von der Kameradschaft der Fallschirmjäger Dresden, Standort Niederau, einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Seit Freitag und bis Sonnabend findet hier auf einem Feld in Niederau in Richtung Gröbern das traditionelle Fallschirmspringen der Kameradschaft statt.  Oder eben auch nicht. So wie im vergangenen Jahr. "Erst war schönes Wetter wie heute, doch dann kamen nach den ersten Springern Windböen auf. Das war es dann", erinnert er sich.  

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Der 62-Jährige ist der Chef der Kameradschaft,  die 40 Mitglieder zählt und sich aus ehemaligen NVA-Soldaten, aber auch aus vielen jungen Leuten rekrutiert. Die kommen auch aus Dresden, Bayern, Berlin. "Wir sind eine bunt gemischte Truppe. In den letzten fünf Monaten hatten wir sieben Neuzugänge. Das liegt daran, dass wir viel Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen machen", sagt Otto. So hat die Kameradschaft erst kürzlich einen "Marsch der Generationen"  im Waldbad Oberau veranstaltet. Und auch bei der Schlossweihnacht am Wasserschloss Oberau ist sie jedes Jahr mit einem Grillstand vertreten. 

Eine sowjetische Antonow, Baujahr 1956, bringt die Fallschirmspringer auf eine Höhe von rund 3.000 Metern.
Eine sowjetische Antonow, Baujahr 1956, bringt die Fallschirmspringer auf eine Höhe von rund 3.000 Metern. © Foto: Claudia Hübschmann

Das Fallschirmspringen in Niederau hat schon Tradition. Nicht nur die Profis lassen sich aus einer sowjetischen Antonow 2, Baujahr 1956, vom Himmel fallen, es werden auch Tandemsprünge angeboten. 31 Gästespringer sind in diesem Jahr angemeldet. Und auch Rundflüge mit den AN-2 wird es von Riesa aus geben.

 Dort landet der größte sich im Einsatz befindende einmotorige Doppeldecker der Welt, nachdem von seinem Standort Cottbus-Neuhausen die ersten Springer eingesammelt wurden. Aus rund 4.000 Metern Höhe geht es dann mit  180 Kilometern pro Stunde in Richtung Erde.  In Riesa werden die nächsten Springer "eingesammelt", welche der Flieger dann mit 1.000 PS Motorleistung und mit einer Spannweite von knapp 19 Metern zwischen Himmel und Erde befördert.  

Vor fünf Jahren sprang Frank Otto das letzte Mal selbst, aber nicht allein. Im "Gepäck" hatte er seine Frau, die er damals gerade geehelicht hatte.  Heute springt er nicht mehr. Aus "technischen Gründen".

 Er zeigt auf seinen Bauch. "Mehr als 90 Kilogramm sollte man als Fallschirmspringer nicht wiegen. Da bin ich ein bisschen drüber", sagt er und lacht. Es lacht auch immer noch die Sonne. Frank Otto ist dennoch besorgt. Stimmen die Wettervorhersagen, verheißt das nichts Gutes für die Veranstaltung. 

Doch es gibt noch eine Hoffnung. Können am Sonnabend keine Flüge durchgeführt werden, bleibt noch der Sonntag als Reserve. Auch da würden die ersten Menschen so gegen 9 Uhr vom Himmel regnen.  

Die Veranstaltung war lange vakant wegen Corona. Dank eines Hygienekonzeptes kann sie nun doch durchgeführt werden.

Die Springen beginnen am Sonnabend um 9 Uhr, wenn es das Wetter zulässt. Ausweichtermin ist der Sonntag, ebenfalls 9 Uhr. Eintritt wird nicht erhoben.

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