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Wenn Flüchtlingskinder in die Klasse kommen

In die Kittlitzer Grundschule gehen Kinder von Asylbewerbern. Das klappt seit Jahren. Trotzdem haben Eltern Sorgen.

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Von Constanze Junghanß

Fadi, Alaa und Rojat schließen gemeinsam mit den anderen Kindern ihre Hefte. Die Hofpause beginnt. Von einer Betreuerin werden die Knirpse raus an die frische Luft gebracht. Geboren sind die Kinder in Syrien, Serbien, Albanien, der Türkei, Tschetschenien und anderen Ländern dieser Welt. Die Schule besuchen sie in Deutschland. Flüchtlingskinder sowie Migranten- und Spätaussiedlerkinder lernen in Kittlitz. Ihr Unterricht nennt sich „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ). Zwölf der Mädchen und Jungen mit den teils fremdländisch klingenden Namen sind Flüchtlingskinder. Noch einmal so viele Spätaussiedler- und Migrantenkinder gibt es derzeit an der Grundschule. Die Zahlen schwanken. Das hängt mit dem Zu- und Wegzug ausländischer Familien in der Löbauer Region zusammen. 171 Schüler der 1. bis 4. Klasse besuchen die Einrichtung insgesamt.

Kommen vielleicht deutsche Schulkinder beim Lernen durch die Kinder anderer Länder zu kurz? Diese Sorge haben Ebersdorfer Eltern im Löbauer Stadtrat geäußert. Denn der Unterricht ausländischer Kinder soll an die Grundschule Löbau-Ost wechseln. Dorthin sollen mit den neuen Schulbezirken auch die Ebersdorfer Eltern ihre Kinder schicken, und die zeigten sich jüngst besorgt, ob für die einheimischen Kinder dann noch genug Zeit für Lernhilfe bleibe. Jedoch: Beschwerden oder Bedenken diesbezüglich wären ihr noch nicht zugetragen worden, sagt die Kittlitzer Schulleiterin Katja Marquart. Sie erklärt, warum das nicht so sei. „Für die DaZ-Kinder gibt es eine eigene Klasse“, sagt sie.

In der Schule erkennen die dafür ausgebildeten DaZ-Lehrer genau, wo sie ansetzen müssen. Drei solcher Lehrer gibt es hier. Nicht nur die deutsche Sprache wird dabei gelehrt. Auch das Vermitteln von Regeln gehöre dazu. Das sei wichtig. Denn manche Kinder haben mit ihren Familien eine lange Flucht hinter sich. Andere konnten in ihren Heimatländern nie eine Schule besuchen. Lernen zu dürfen, die Schulsachen in Ordnung halten ist Neuland für manche Jungen und Mädchen, die im Kindesalter bereits viel erlebt haben. Nicht immer sind das gute Erlebnisse gewesen.

Viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Liebe zum Beruf müssen die Lehrer mitbringen, um diesen Kindern einen positiven Neustart ins Leben zu vermitteln. Regina Brandes kümmert sich seit Jahren im DaZ-Unterricht um ihre Zöglinge. „Diesen Unterricht gibt es bereits schon lange in Kittlitz für die Spätaussiedler- und Migrantenkinder“, sagt sie. Anfang der 90er Jahre wurden schon einmal eine Zeit lang Flüchtlingskinder unterrichtet. Seit zwei Jahren gibt es in Löbau wieder ein Asylbewerberheim, mittlerweile wohnen Familien auch dezentral in Wohnungen in der Stadt. Deren schulpflichtiger Nachwuchs kommt bislang noch nach Kittlitz in die Bildungseinrichtung, denn in Sachsen besteht Schulpflicht. „Das ist unabhängig vom Status der Asylsuchenden“, sagt die Schulleiterin. Die Klassengröße aller Klassen bleibt trotzdem überschaubar. „Kommen die DaZ-Kinder aus dem Alphabetisierungskurs in eine reguläre Schulklasse, haben wir im Schnitt statt 20 bis 22 Kindern dann 23 bis 24 Kinder pro Klasse“, erklärt Katja Marquart. Zum Vergleich: Die Obergrenze an Schülern, die das Kultusministerium in diesem Schuljahr vorgibt, liegt bei 28 Kindern pro Klasse.

Bevor die DaZ-Kinder in den regulären Unterricht wechseln, müssen sie deutsch sprechen, lesen und schreiben. Die Eingliederung in die normalen Schulklassen erfolgt später in zwei Schritten. Beim Aufbaukurs nehmen ausländische Kinder zuerst an den Fächern teil, in denen sie beobachten und problemlos mitmachen können. Sport, Kunst und Werken zum Beispiel. Noten gibt es zunächst noch nicht. Die kommen später, wenn die Kinder am regulären Deutsch- und Matheunterricht teilnehmen können. „Individuell betreut werden auch alle anderen Kinder an unserer Schule“, so die Pädagogin. So findet beispielsweise für leistungsstarke ebenso wie für leistungsschwache Kinder Förderunterricht statt.

Die Kommunikation mit den Eltern ausländischer Kinder muss Regina Brandes etwas anders gestalten als sonst üblich. Ein gemeinsamer Elternabend wäre aufgrund der verschiedenen Sprachen schwer durchführbar. Die Lehrerin besucht die Familien also zu Hause oder lädt sie einzeln zum Elterngespräch ein. „Ich spreche als zweite Sprache Russisch“, sagt sie. Bei arabisch sprechenden Familien hilft das aber nicht weiter. Mit Mimik, Gestik und Bildern klappe die Verständigung aber. Über das Rote Kreuz in Löbau wurde ein Dolmetscher für arabische Sprache vermittelt.

Kooperationspartner der Kittlitzer Grundschule sind unter anderem das Medienpädagogische Zentrum, der Hort und auch die Pestalozzi-Oberschule in Löbau. Dorthin wechseln die Kinder, die nicht aufs Gymnasium gehen. „Diese Übergänge werden von uns mitgestaltet“, sagt die Kittlitzer Schulleiterin Marquart. Und auch bei der Oberschule gibt es den DaZ-Unterricht für die Kinder, die ihn benötigen.