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Wenn Fremde Kinder anlocken

Kinder erkennen gefährliche Situationen oft nicht. Ein Radebeuler will sie darauf vorbereiten.

Stephan Hohlfeld übt mit den Kindern im Lößnitzer Kinderland, wie sie einen Fremden abwehren sollen.
Stephan Hohlfeld übt mit den Kindern im Lößnitzer Kinderland, wie sie einen Fremden abwehren sollen. © Arvid Müller

Radebeul. Ein Unbekannter, der keine guten Absichten hat, spricht ein Kind an. Lockt es mit Süßigkeiten, Bildern von Tieren und anderen Versprechen in sein Auto oder seine Wohnung. Das Kind geht arglos und neugierig mit. Die Angst vor diesem Horrorszenario treibt wohl alle Eltern um. Auch wenn nicht jeder Fremde etwas Böses will, ist es wichtig, Kinder auf solche Situationen vorzubereiten, damit sie mögliche Gefahren erkennen und wissen, wo sie Hilfe bekommen. Genau darauf hat sich der Radebeuler Stephan Hohlfeld spezialisiert.

„Loslassen, stopp“, rufen die Knirpse im Lößnitzer Kinderland aus ganzer Kehle. Der Präventionstrainer hat ihnen gerade erklärt, dass sie Mut haben müssen, laut zu sein. So laut, dass andere Leute auf sie aufmerksam werden, wenn sie in eine unangenehme Situation geraten sind. Eine Woche lang trainierte Hohlfeld mit den Vorschulkindern in der Kita der Volkssolidarität auf der Nizzastraße. Sie sollen lernen, wachsam zu sein und Nein zu sagen.

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Schon Süßigkeiten reichen als Lockmittel

Dass das für Kinder, die meist nichts Böses ahnen, gar nicht so leicht ist, zeigt sich bei den Übungen schnell. Bereitwillig möchte ein Mädchen mit ihm mitgehen, um einen kleinen Hund zu sehen. Obwohl ihre Eltern ihr bestimmt schon oft erklärt haben, dass sie das auf keinen Fall tun darf. „Beim Training merke ich, dass oft schon ein paar Süßigkeiten reichen, um ein Kind zu locken“, sagt er.

Die Radebeuler Kinder finden es auch nicht seltsam, wenn ein Fremder in einem Auto ausgerechnet sie nach dem Weg fragt. Ist es aber, erklärt ihnen Stephan Hohlfeld. „Weil ein Erwachsener das doch viel besser weiß.“ Nicken in der Runde.

Kinder lernen, wo sie im Notfall Hilfe bekommen

Der studierte Informatiker hat sich mit seinem Präventionsangebot selbstständig gemacht, gibt Kurse in Kitas und Schulen. Im Lößnitzer Kinderland spricht er mit den Kindern auch über „Rettungsinseln“, Orte, an denen sie Hilfe bekommen. „Wenn ihr in Not geratet, rennt dort hin, wo viele Menschen sind“, erklärt er. Bäcker, Fleischer, Supermarkt, oder auch alle Klingeln an einem Wohnhaus drücken. Nur nicht in den Wald oder auf ein Feld laufen.

Immer wieder sagt er es den Kindern, immer wieder müssen sie es wiederholen: Nicht mit Fremden mitgehen, niemals in ein fremdes Auto einsteigen. Auch dann nicht, wenn der Fahrer ganz freundlich ist, sagt, dass die Mama im Krankenhaus liegt oder dass der Weg gesperrt ist.

Wichtig ist dem Radebeuler, der selbst eine vierjährige Tochter hat, den Kindern beizubringen, sich zu behaupten. „Sie sollen Signalwörter wie Hilfe oder Feuer rufen und den Mut haben, laut zu sein.“ Oder sich zur Not auch körperlich zu wehren. Im Kurs üben die Kinder, sich loszureißen und einem Erwachsenen vors Schienbein zu treten. „Das tut auch von einem Kind richtig weh, erregt Aufmerksamkeit und bringt womöglich Zeit, um wegzurennen“, sagt der Präventionstrainer, der auch Judo- und Selbstverteidigungskurse gibt.

Sprechen über sexualisierte Gewalt

Er spricht mit den Kindern auch über „gute und schlechte Geheimnisse“ – es geht um sexualisierte Gewalt und darum, zu erklären, dass es Situationen gibt, die nicht normal sind. Dafür greift Hohlfeld zu einer kindgerechten Geschichte über einen kleinen Bären und einen großen Wolf. Erst machen die beiden nur Spaß zusammen, doch dann tut der Wolf Dinge, die dem Bär nicht gefallen: Er legt sich auf ihn und zwingt ihn, seine Schnauze zu berühren. Obwohl der Wolf sagt, dass er das niemandem erzählen darf, spricht der kleine Bär mit den anderen Bären darüber und alles wird gut.

„Die Kinder müssen den Mut haben, sich Hilfe zu suchen“, sagt Hohlfeld. „Und wissen, dass sie ganz allein entscheiden, wer sie berühren darf. Auch die Eltern entscheiden das nicht.“ Das beginnt schon beim feuchten Kuss der Tante, den sich kein Kind gefallen lassen muss.

Nicht zum Opfer werden

Finanziert hat den Kurs im Lößnitzer Kinderland der Riesaer Falk Klinnert, der seit Ende der 90er-Jahre in der Securitybranche tätig ist als Türsteher, bei Sport- und Großveranstaltungen. Er hat Konfliktsituationen in allen Ausmaßen erlebt und weiß, dass selbstbewusstes Auftreten helfen kann. „Die Kinder sollen deshalb keine arroganten Rüpel werden, aber wissen, wozu sie selbst in der Lage sind“, beschreibt er seine Motivation, die Kurse finanziell zu unterstützen. „Man kann Kinder nur darauf vorbereiten, nicht zum Opfer zu werden.“

Kontakt Stephan Hohlfeld: 0157 73108644, [email protected]

www.ju-jutsu-sachsen.de/gewaltpraevention

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