merken
PLUS Döbeln

Wenn Gärten zum Klotz am Bein werden

In der Gartensparte Schillerhöhe in Döbeln werden jetzt im großen Stil Gärten zurückgebaut. Das ist auch an anderen Stellen nötig.

Große Lücken gibt es in der Gartenanlage Schillerhöhe. Ein Teil der Gärten sind nicht verpachtet. Jetzt geht der Gartenverein daran, alte Lauben abzureißen und die Flächen zu beräumen.
Große Lücken gibt es in der Gartenanlage Schillerhöhe. Ein Teil der Gärten sind nicht verpachtet. Jetzt geht der Gartenverein daran, alte Lauben abzureißen und die Flächen zu beräumen. © Dietmar Thomas

Döbeln. Kleingartenidylle stellt man sich anders vor. Am Rand der Gartensparte Schillerhöhe sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld. Mauertrümmer liegen auf einem Haufen und Stapel alter Bretter. Eine alte Toilettenschüssel liegt im Gelände. Dazwischen steht noch ein antikes Gewächshaus. So sieht es aus, wenn sich eine Gartensparte verkleinert. 

In den nächsten Jahren wird ein ganzer Streifen der Kleingartenanlage niedergelegt. Von den rund 150 Gärten der Anlage sind derzeit etwa 40 nicht verpachtet. Rund 20 sollen zurückgebaut werden, sagte Christian Werner, der Vorsitzende des Kleingartenverbandes Döbeln.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Auf der Schillerhöhe grenzen viele Gärten an den Wald. Sie sind deshalb schwer an den Mann zu bringen. Auf den beräumten Flächen wird Rasen eingesät. Sie werden sich selbst überlassen, sagte Werner. Mit der Stadt als Eigentümer der Flächen sei abgesprochen, dass die Pachtzahlung ausgesetzt wird.

Eigentlich dürfte dieses Gewächshaus hier nicht mehr stehen, nachdem der Pächter den Garten aufgegeben hat. Aber wie die Lauben wurden sie oft nicht abgerissen.
Eigentlich dürfte dieses Gewächshaus hier nicht mehr stehen, nachdem der Pächter den Garten aufgegeben hat. Aber wie die Lauben wurden sie oft nicht abgerissen. © Dietmar Thomas

Das Vorhaben ist über mehrere Jahre angelegt. Zum Teil übernehmen die Mitglieder der Kleingartensparte die Abrissarbeiten und das Beräumen. „Jedes Mitglied muss neun Arbeitsstunden im Jahr leisten“, sagte der Vorsitzende Dirk Langer. 

„Im vorigen Jahr hatten wir vom Kolpingwerk eine Handvoll Leute, die in einer sogenannten Eingliederungsmaßnahme waren“, so der Vorsitzende. Auch für dieses Jahr hofft er auf ähnliche Unterstützung.

Eigentlich dürfte es unverpachtete Kleingärten, in denen noch Lauben, Gewächshäuser und Obstbäume stehen, gar nicht geben. Jeder Pächter müsste das selbst abreißen.

Aber diese Regel war in den vergangenen Jahren in vielen Vereinen zu lasch gehandhabt worden. Pächter hatten sich aus dem Staub gemacht, andere sind aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht in der Lage, sich darum zu kümmern. 

„Eines unserer Mitglieder hat Geld dagelassen, weil es den Garten nicht beräumen konnte. Das ist eine gute Lösung“, sagte Langer. Die zum Abriss vorgesehenen Holzlauben sind schon gefallen. Bei den massiv gebauten Lauben geht es nicht ohne Technik. In diesem Falle beauftragt der Gartenverein eine Firma mit dem Abriss.

Der Rückbau der Kleingärten ist teuer. Christian Werner schätzt die Kosten auf bis zu 4.000 Euro pro Garten. Die Lauben seien, trotz des Materialmangels in der DDR, oft sehr massiv gebaut. Zu den Abrisskosten durch eine Firma kommen die oft erheblichen Kosten für die Entsorgung unter anderem von asbestbelastetem Eternit und Teerpappe. 

Der Kleingartenverband hatte auch schon den Rechtsweg beschritten, um ehemalige Mitglieder haftbar zu machen. Der Erfolg ist gering. „Teilweise sind diese Leute nicht zahlungsfähig, sind in Privatinsolvenz oder beziehen Hartz IV“, sagte Christian Werner. Der Kreisverband habe allen Vereinen geraten, bei Neuverpachtung von Gärten Kautionen zu erheben, um eventuelle Kosten darüber abdecken zu können. „Das machen viele Vereine mittlerweile auch.“

Die Kleingartensparten selbst können die erheblichen Rückbaukosten nicht selbst stemmen. Seit 2016 stellt der Kreisverband seinen Mitgliedsvereinen jedes Jahr insgesamt 10.000 Euro Zuschuss zur Verfügung. „Wir haben im vorigen Jahr 1.300 Euro für Containerkosten bekommen. 

Das hilft uns sehr“, sagte Dirk Langer. Eine Grundlage, Zuschüsse zu bekommen, sei aber ein tragfähiges Konzept für den Rückbau, betonte Christian Werner. Dabei müsse auch die Infrastruktur wie Wasser- und Stromanlagen beachtet werden. Beim Verein Schillerhöhe gebe es ein Konzept seit zwei Jahren.

In den 72 Gartenvereinen, die zum Kreisverband Döbeln gehören, sind derzeit rund 3.660 Gärten bewirtschaftet. Dem gegenüber stehen aber auch 210 Gärten, die nicht verpachtet sind und beräumt werden müssen. Bei geschätzten Kosten von rund 4.000 Euro pro Garten würde rund eine halbe Million Euro benötigt, rechnet Werner vor. Fördermittel gibt der Freistaat für den Rückbau von Gärten bisher nicht. Dabei würden die gebraucht, um den Bedarf abzudecken.

Die Lauben hatten einen gewissen Ausstattungsgrad erreicht. Hier gab es das bequeme Trockenklo im Garten.
Die Lauben hatten einen gewissen Ausstattungsgrad erreicht. Hier gab es das bequeme Trockenklo im Garten. © Dietmar Thomas

In Keuern und Masten konnte der Kleingartenverband vor einigen Jahren auf einen Schlag mehr als 20 Kleingärten loswerden. Aber auch das nur, weil die Bahn die Flächen für den Bau einer Straße benötigte. Rückbaubedarf wird es nach Einschätzung von Werner auch an der Gartengruppe Grüner Stiefel am Geyersberg geben, wo nur noch wenige Gärten belegt sind. 

Auch die Kleingartenanlage Sörmitz hat große Probleme mit Leerstand. Ähnliche Problemfälle seien auch die Gartengruppe Weltfrieden in Leisnig und die Gartengruppe Mortelhang in Waldheim, in der es nur noch drei Pächter gibt.

Eine Reihe von Gartengruppen hat weniger Probleme, wieder Pächter zu finden. Insgesamt sei die Nachfrage im ländlichen Bereich aber deutlich geringer als in den Großstädten, sagte Christian Werner. Der Kreisverband ist Pächter sämtlicher Flächen seiner Mitgliedsvereine. 

Weiterführende Artikel

Warum jetzt der Garten beliebter denn je ist

Warum jetzt der Garten beliebter denn je ist

Ostern haben viele Familien in der Region Döbeln in der eigenen Parzelle verbracht. In den Sparten könnte sich die Corona-Pandemie weiter auswirken.

Die Pachtpreise und Mitgliedsbeiträge seien im Vergleich zu manchen Großstädten noch sehr moderat, betonte er. Werner leitet den Verband seit 30 Jahren. 1990 war dieser gegründet worden. Im September soll der Jahrestag mit einer Festveranstaltung im WelWel begangen werden.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln