merken
PLUS

Döbeln

Wenn Gefangene an Selbstmord denken

Mörder, Sexualstraftäter und Brandstifter gehören zu den Hochrisikogruppen für Suizide im Strafvollzug. Diese sollen verhindert werden.

Mit Mythen zum Thema Suizid wird in der Ausstellung aufgeräumt. Das zeigen Stefan Zerm und Jörg Gross von der Landesarbeitsgruppe Suizidprävention.
Mit Mythen zum Thema Suizid wird in der Ausstellung aufgeräumt. Das zeigen Stefan Zerm und Jörg Gross von der Landesarbeitsgruppe Suizidprävention. © Lars Halbauer

Waldheim. In einem Glaskasten hängen aus Bettwäsche geflochtene Seile, Reißzwecken, Rasierklingen, Spritzen, Stromkabel, Tablettenverpackungen, Metalllöffel – alles Gegenstände, mit denen sich Menschen in Gefängnissen umgebracht haben. „Die Strangulation ist die im Strafvollzug mit Abstand am häufigsten angewandte Methode der Selbsttötung“, sagt Psychologe Stefan Zerm von der Landesarbeitsgruppe für Suizidprävention im Justizvollzug. 

Die hatte anlässlich des Welttages der Suizidprävention am Dienstag ihre Ausstellung „(Aus-)Wege?!“ im Gebäude gegenüber dem Haupteingang der Waldheimer JVA erstmals für die Öffentlichkeit geöffnet. Künftig soll sie den Besuchern des Museums der Justizvollzugsanstalt (JVA) gezeigt werden, wenn sie es wünschen. Aber sie dient auch der Fortbildung der Mitarbeiter des Justizvollzuges.

Anzeige
IT-Administrator (m/w/d) gesucht
IT-Administrator (m/w/d) gesucht

Sie sind Netzwerkspezialist und lieben die Arbeit in Windows-Umgebungen? Der IT-Dienstleister INFOTECH sucht erfahrene IT-Administratoren (m/w/d).

Videos geben einen Einblick in eine Gefangenenzelle, zeigen einen Gefangenen, der mithilfe einer Kunsttherapie versucht, seine Selbstmordgedanken auszublenden. Über Kopfhörer erzählen Ärzte oder Vollzugsbedienstete von ihren Gesprächen mit suizidgefährdeten Gefangenen. 

Ausschnitte aus Abschiedsbriefen sind zu sehen. An einer anderen Wand befinden sich Bilder bekannter Persönlichkeiten, die außerhalb der Gefängnismauern Selbstmord begingen. Sänger Rex Gildo ist dabei, der Fußballer Robert Enke oder Ernest Hemingway, der sich mit einem Gewehr erschoss.

Insgesamt 482 Gefangene haben sich im Zeitraum von 2005 bis 2011 in deutschen Justizvollzugsanstalten umgebracht. „Auch in Waldheim“, sagt Vollzugsbediensteter Lauber, ohne genaue Zahlen für die Waldheimer Einrichtung zu nennen.

Etwa 80 Prozent der Selbstmörder kündigen die Absicht, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen, an. „Diese Signale gilt es, zu erkennen, weiterzugeben und so den Suizid zu verhindern“, erklärt Sozialpädagogin Gabriela Klyk. Indikatoren seien beispielsweise bereits vorangegangene Psychiatrie-Aufenthalte oder Suizidversuche, keine oder ungenügende soziale Kontakte, Drogen- oder Alkoholabhängigkeit. 

„Solche Gefangene kommen in das sogenannte Monitoring und werden engmaschiger betreut“, so Jörg Gross, Beamter im Allgemeinenen Vollzug in Chemnitz. Trotz allem gelinge es nicht immer, den Suizid zu verhindern. Zumeist deshalb, weil einige potenzielle Selbstmörder es sehr gut verstünden, ihre Absicht zu verschleiern. Besonders hoch sei die Rate der Selbstmorde in den ersten Wochen nach der Inhaftierung, so Gabriela Glyk.

Die Landesarbeitsgruppe kümmert sich aber nicht nur um die Suizidprävention bei den Gefangenen. Wir betreuen innerhalb des Krisennachsorgedienstes auch Kollegen, die etwa einem Übergriff durch einen Inhaftierten ausgesetzt waren oder einen Gefangenen gefunden haben, der sich umgebracht hat. „Wir helfen in solchen Fällen, das Geschehene zu verarbeiten“, sagt Stefan Zerm.

In das Konzept der Ausstellung flossen viele praktische Erfahrungen aus der Arbeit der Landesarbeitsgruppe ein. Ursprünglich war sie als Wanderausstellung geplant. Waldheim war die letzte Station. Hier soll sie als Dauerausstellung bleiben. Für Kinder ist die Ausstellung nicht geeignet.

Mehr zum Thema Döbeln