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Wenn Hähne um die Wette krähen

Wer sich der gefiederten Welt verschrieben hat, hat nicht nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung gefunden, sondern steht auch in guter Tradition. Vor 148 Jahren begann mit der Gründung des Hühnerologischen Vereins in Görlitz die organisierte Geflügelzucht in der Region.

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Schon vor dem Zweiten Weltkrieg soll es in Schleife eine Gruppe Kleintierzüchter gegeben haben, die sich mit Haltung und Zucht von Federvieh befasst haben. Aber dafür gibt es keine Nachweise mehr, und auch Rassetiere waren nach Kriegsende kaum noch vorhanden.

Der Neuanfang kam am 3. Oktober 1953, als die Geflügel- und Kaninchenzüchter gemeinsam einen Verein gründeten. Beide Sparten wählten aber ihren Vorstand und führten eigene Kassen. Die Sparte Geflügel zählte damals 15 Mitglieder, 1954 schon 25.

Doch die erste Talfahrt kam schnell. Trotz aller Bemühungen des damaligen Vorstandes drohte die Auflösung der Sparte. Zuchtfreund Otto Lehmann ergriff die Initiative, neue Pläne wurden gemacht, säumige Mitglieder ausgeschlossen und die Sparte wieder arbeitsfähig gemacht. Die Arbeit ging gut voran, neue Mitglieder kamen hinzu, und die erste, gut besuchte Ortsschau im Januar 1960 wurde ein großer Erfolg.

1985 war die Aufstellung eines Storchennestes ein Höhepunkt im Vereinsleben, die Ansiedlung eines Storchenpaares eine kleine Sensation. In der eigenen Zucht gab es im Verein viele Jahre Probleme mit dem Futter, das es nur auf Zuteilung gab. Dabei waren die Wassergeflügelzüchter meist im Vorteil. Trotzdem nahm das Tiermaterial zu, so dass bald regelmäßig Geflügelschauen durchgeführt wurden. Im Januar 1980 schlossen sich 19 Wassergeflügelzüchter aus dem Kreis Weißwasser zur Wassergeflügelsparte zusammen. Beide Sparten beteiligten sich alle zwei Jahre an den kreisweiten Leistungsschauen.Während der politischen Wende warfen einige, auch gute Züchter, das Handtuch. Durch Zuchtauflösungen und Mitgliederschwund blieben nur wenige, die einen gemeinsamen Weg suchten und fanden. Am 12. Juni 1990 schlossen sich die Züchter zum „Verein Rassegeflügelzüchter Schleife e. V.“ zusammen. Den Vorsitz übernahm Dieter Reddo. Die Mitglieder nahmen an Ausstellungen teil und führten selbst erfolgreich solche durch. Sie gestalteten die 700-Jahr-Feier in Schleife mit und beteiligten sich an den Sorbischen Festivals und den Dorffesten, und sie waren Gastgeber eines Bezirkszüchtertages.

Mit dem „Wettkrähen“ wurde im Jahre 1991 eine neue schöne Tradition ins Leben gerufen. 1997 fand die Rassegeflügelausstellung erstmals im neuen Saal des Sorbischen Kulturzentrums statt. 1998 bildete sich eine sechsköpfige Jugendgruppe, ab 1999 eine Jugendgruppenabteilung.

Zurzeit hat der Verein 36 Mitglieder (darunter zwei Ehrenmitglieder und drei Frauen), seit 2002 keine Jugendlichen mehr. Die sind inzwischen nämlich aus dem Jugendalter herausgewachsen. Gezüchtet werden gegenwärtig sechs Gänserassen, neun Entenrassen, 18 Hühnerrassen, 14 Zwerghühnerrassen sowie 20 Taubenrassen, alle in den unterschiedlichsten Farbschlägen. In den vergangenen Jahren hat sich der Verein gefestigt und ist im Dorfleben gut integriert. (GEM/SZ)