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Wenn Hitze erfinderisch macht

Entflogene Papageien, ein paar Milliönchen für die Riesaer Innenstadt und das Problem mit dem Drogenhandel. Ein erschütternder Rückblick.

SZ-Lokalreporter Kevin Scharzbach ist  Autor der Kolumne "Schwarzbachs Woche"
SZ-Lokalreporter Kevin Scharzbach ist Autor der Kolumne "Schwarzbachs Woche" © Lutz Weidler

Wer mag sich in diesen brüllendheißen Tagen schon gern in einer aufgeheizten Wohnung oder gar in einem stickigen Büro quälen, liebe Leserinnen und Leser? Bei Temperaturen weit über 30 Grad Celsius ist ein Platz im Schatten eines Baumes doch weitaus verlockender, fast schon ein Paradies. Das dachten sich vergangene Woche auch zwei Papageien. Die bunten Vögel tauchten am Donnerstag plötzlich in einem Baum an der Stegerstraße in Riesa auf. Freilich waren sie zwischen dem Grün der Blätter und Äpfel schwer zu übersehen. Da haben die Exoten den einheimischen Tieren eben noch viel voraus.

Doch einmal mehr bekamen wir alle gelehrt, dass das Wissen allein noch nicht zum Erfolg führt. Denn nur, weil alle Beobachter die Tiere sehen konnten, hieß das noch lange nicht, dass sie auch schnell zurück in ihre Voliere gebracht wurden. Zunächst zuckten erst einmal alle mit den Achseln und ließen die Vögel eben Vögel sein. Im Tierheim befand man, dass der Tierpark für Exoten zuständig sei. Im Tierpark dagegen war man der Meinung, dass es sich bei den Papageien um Haus- und keine heimischen Wildtiere handele – und deswegen doch das Tierheim zuständig sei. Am Ende zeigte sich die Feuerwehr gnädig und rückte mit einem Kescher an. Mit diesem sollten die Vögel eingefangen und zurück in ihre Voliere gebracht werden. Die Papageien aber ließen sich nicht in die Falle locken und verlängerten ihr Leben in Freiheit um wertvolle Minuten. Klingt fast schon wie ein Märchen, oder? Und wenn sie nicht von den Raubvögeln gefressen worden sind, dann leben sie noch heute. So deprimierend können Märchen sein.

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Weitaus weniger ernüchternd war vergangene Woche die Botschaft über ein deftiges Fördersümmchen für Riesa: Nach einer erfolgreichen Teilnahme beim Städtebau-Förderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ erhält die Elbestadt von Bund und Freistaat jeweils 1,6 Millionen Euro. Da man noch 1,6 Millionen Euro Eigenmittel beisteuert, stehen künftig insgesamt 4,8 Millionen Euro für Bauprojekte in der Innenstadt zur Verfügung.

In Riesa weiß man natürlich schon, was man mit dem Geld anfangen will. Etwa das Fördergebiet „Vitales Stadtzentrum an der Elbe“ neu strukturieren und aufwerten, sprich: Die Innenstadt wieder attraktiver machen. Das ist bekanntlich eine Herausforderung, an der wir in Riesa schon seit Jahren recht erfolglos arbeiten. Trotz wirklich sehr motivierter und emsiger Vorkämpfer. Aber ein paar Milliönchen können das Problem nun vielleicht lösen. Schließlich soll auch ein Innenstadtmanager eingestellt werden. Na, hoffentlich lässt der nicht als erste Amtshandlung die Litfaßsäulen wieder demontieren. Immerhin wurden die nach Wochen der Tristesse nun mit schönen Bildern beklebt. Fast schon zu romantisch, um wahr zu sein. Da kann man nur hoffen, dass die monströsen Liegestühle bleiben.

Nicht weniger gigantisch finden manche die Riesaer Drogenprobleme. Nicht nur NPD-Stadtrat Jürgen Werner Gansel wies zuletzt auf die Thematik hin, indem er von einer Geschichte berichtete, derzufolge bei einer Schnitzeljagd den beteiligten Eltern im Stadtpark Drogen angeboten worden seien. Auch Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) merkte an, dass er den Eindruck habe, dass es in Riesa ein Problem mit Drogen gebe. Später präzisierte er: „Ich habe persönlich den Eindruck, dass sich in unserer Gesellschaft generell die Einstellung zu Drogen verändert und deren Konsum sowie die damit in Zusammenhang stehende Kriminalität zunimmt.“

Ein Blick in die Polizeistatistik bringt da nur mäßigen Aufschluss, zu schwierig sind die tatsächlichen Fälle festzuhalten, meist werden Konsumenten nur bei Fahrzeugkontrollen oder nach Diebstählen erwischt. Zudem gibt die Zahl der erfassten Fälle nicht die Zahl der Rauschgiftkonsumenten wieder, da oftmals mehrere Delikte auf eine Person kommen.

Die geniale Lösung hat natürlich niemand parat, das liegt wohl auch meilenweit im Bereich des schier Unmöglichen. Doch schon die Sensibilisierung der Eltern könnte helfen, meint zumindest Riesas Polizeichef Hermann Braunger. Für die bot man deshalb auch einen Info-Abend an. Doch der sei ziemlich schlecht besucht gewesen. Da kann wohl nur noch der künftige Innenstadtmanager helfen, alles rund um den Boulevard zur drogenfreien Zone zu machen. Falls das seine Aufgabe ist.

Diese Woche kann wohl kaum erschütternder werden.

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