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Wenn in Lengefeld der Marmor bricht

Mit Getöse donnert der Fahrschaufellader durch den Berg, frisst sich in den abgesprengten Haufen weißen Kalksteins. Dann fährt er mit seiner Fracht zurück durch ein unterirdisches Labyrinth und kippt das Fördergut auf ein Rüttelsieb, wo es vorsortiert wird, bevor es an die Oberfläche kommt.

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Von Katrin Kleeberg

Mit Getöse donnert der Fahrschaufellader durch den Berg, frisst sich in den abgesprengten Haufen weißen Kalksteins. Dann fährt er mit seiner Fracht zurück durch ein unterirdisches Labyrinth und kippt das Fördergut auf ein Rüttelsieb, wo es vorsortiert wird, bevor es an die Oberfläche kommt.

Auf mehreren Sohlen herrscht unter der Erde bei Lengefeld im Erzgebirge reges Treiben. Hier befindet sich die Hauptlager- und -abbaustätte der Geomin Erzgebirgische Kalkwerke GmbH, des größten noch tätigen Untertage-Bergwerks in Sachsen. Rund 140 000 Tonnen hochweißen Marmors werden dort jährlich aus dem Berg geborgen und über Tage zu Marmormehlen, Feinsanden und Steinmaterial verarbeitet. Der in Herne im Ruhrgebiet beheimatete Heitkamp-Konzern hatte den Standort 1992 übernommen und investierte dort seitdem rund 40 Millionen Euro. 90 Mitarbeiter sind in Lengefeld beschäftigt.

Lengefelder Marmor ist

im Ausland sehr beliebt

Insbesondere in der Betonstein- und Terrazzo-Industrie sowie im Garten- und Landschaftsbau ist der Lengefelder Marmor sehr gefragt. Er zeichne sich durch einen enorm hohen Weißanteil, hohe Frost- und Verwitterungsbeständigkeit, große Härte und Farbbeständigkeit aus, so Geomin-Chef Achim Stöck.

Das hat sich mittlerweile auch außerhalb sächsischer Grenzen herumgesprochen. So wird der Marmor aus dem Erzgebirge zunehmend auch in Polen, Tschechien, Frankreich, Litauen, der Schweiz und Ungarn nachgefragt. „Um den Absatz unserer Produkte machen wir uns keine Sorgen“, ist Stöck trotz der Baukrise optimistisch. Dafür hat er guten Grund. Immerhin sind die rund 500 Millionen Jahre alten Marmor-Formationen, auf die Geomin in Lengefeld zurückgreift, in Deutschland einmalig.

1997 wurde die Produktionskapazität verdoppelt und damit die Marktstellung des Unternehmens verbessert. Ein weiteres Standbein hat das Unternehmen in einer Lagerstätte im Osterzgebirge bei Hermsdorf. Hier wird hauptsächlich so genanntes calcitisches Kalkgestein abgebaut. Eine weitere Lagerstätte in Hammerunterwiesenthal im Westerzgebirge wird derzeit erkundet.

Dabei wie auch bei der Gewinnung und Verarbeitung des Kalksteins greifen die Mitarbeiter von Geomin auf einen großen Erfahrungsschatz zurück. Immerhin wird in Lengefeld seit 475 Jahren ununterbrochen Kalkstein abgebaut. Waren die Gesteinsvorkommen zunächst durch übertägigen Abbau verwertbar, wird heute ausschließlich unter Tage abgebaut.

Bis in eine Tiefe von 98 Metern ist das Gesteinsvorkommen in Lengefeld über derzeit zehn Sohlen bergmännisch erschlossen. „Dieser Marmor reicht noch für viele Generationen“, sagt Stöck und gibt das Zeichen dafür, dass der Fahrschaufellader, der im fahlen Licht des Bergwerkes mit seinem Scheinwerfer wie ein Feuer speiender Drache wirkt, wieder seinen Motor anwirft und neues Gestein aus dem Berg holt. (ddp)

www.geomin.de