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Wenn in Wildschweinen der Wurm drin ist

Ein Muskelegel kann das Fleisch der Schwarzkittel verseuchen. Die Jäger bleiben darauf sitzen. Und auf den Kosten.

Von Constanze Junghanß

Eigentlich ist Jagdzeit, auch auf die Wildschweine. Aber das wird den Jägern zurzeit etwas vergällt. Ein Parasit, der sogenannte Muskelegel, ist im Muskelfleisch der Tiere entdeckt worden. „Bisher wurde der Muskelegel zwar noch nicht in den Wäldern rund um Reichenbach im Wildschweinfleisch gefunden“, sagt Günter Symmangk, Jäger aus Reichenbach. Aber man könne nicht ausschließen, dass das irgendwann passiert. Der „Duncker`sche Muskelegel“, wie er exakt heißt, kann auch für den Menschen gefährlich werden. Das bestätigt Gerlind Walter von der Pressestelle des Landratsamtes Görlitz. „Der Dunkersche Muskelegel wurde bei Untersuchungen durch das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt im ersten Halbjahr bei 2,18 Prozent des untersuchten Schwarzwildes festgestellt.“

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Für den Handel tabu

Beispielsweise in den Teichgebieten um Jänkendorf, berichtet Ingo Weber vom Staatsbetrieb Sachsenforst. In seinem Revier, den Königshainer Bergen, ist ihm aber noch kein Fall eines infizierten Wildschweins bekannt. Er vermutet aber, dass sich der Befall ausdehnt. Dieter Nowke, Jäger aus Klitten, kann das belegen. „Bei unserer Jagdpächterversammlung wurden extrem hohe Zahlen zum Egelbefall auf den Tisch gelegt“, sagt er. 30 Prozent der Wildschweine wären in der Klittener Region mittlerweile verseucht. Nowke selbst hatte dieses Jahr mit dem Wildschweinfleisch überhaupt kein Glück: In den vier von ihm geschossenen Tieren wohnte in dreien der „Wurm“, der sich an der Muskulatur und dem Fettgewebe der Tiere festsetzt. Und das kostet den Jäger Geld: Denn die infizierten Tiere dürfen nicht in den Handel gelangen. Vielmehr muss der Kadaver bei einer Tierkörperbeseitigungsanstalt entsorgt werden. „Über das Veterinäramt müssen wir das beantragen. Das kostet 18 Euro, die erforderlichen Kontrollen im Vorfeld nochmal sechs Euro“, sagt er. Für den Jäger ist damit außer Spesen nichts gewesen.

Dabei gibt es im Görlitzer Landkreis massenhaft Wildschweine. Die Zahlen der zur Strecke gebrachten Tiere sprechen für sich. Nach Angaben des Landesjagdverbandes habe sich die Zahl der abgeschossenen Tiere gegenüber dem Vorjahr von 22 600 auf 32 000 in Sachsen erhöht. Spitzenreiter ist der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die zweithöchsten Abschusszahlen kommen aus dem Landkreis Görlitz mit 4 000 erlegten Schwarzkitteln.

Vor allem den Landwirten macht diese Verbreitung zu schaffen, die Schäden auf den Nutzflächen sind erheblich, was auch die Pressestelle des Landkreises bekräftigt. Landwirte sollen deshalb nach dem Willen des sächsischen Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft durch sogenannte Bejagungsschneisen auf den Feldern die Jagd auf Wildschweine auch außerhalb der Erntesaison erleichtern. Was den „Duncker’schen Muskelegel“ betrifft, so haben aber nicht nur die Schwarzkittel damit zu tun. Der erwachsene Saugwurm lebt bevorzugt im Darm von Füchsen und Mardern. Über den Kot der Tiere werden die Wurmeier ausgeschieden, die wiederum von ihrem ersten Zwischenwirt, einer Schnecke, aufgenommen werden. Schlüpfen die Larven des Egels, dringen sie in den zweiten Zwischenwirt, nämlich in Kaulquappen, ein. Das begründet, warum der Muskelegel derzeit vor allem in wasserreichen Gebieten der Oberlausitz nachgewiesen wurde.

Auch der Mensch kann Zwischenwirt des Jungegels sein. Darüber hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung bereits in einer Stellungsnahme von 2007 informiert. Wer infiziertes, nicht genügend erhitztes Fleisch isst, kann erkranken. Durch Schmierinfektionen können zum Beispiel die Atemwege, die Haut oder die Augen betroffen sein.