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Bautzen

Wenn kein Bus mehr fährt

Die Awo-Kita Radibor möchte gern in den Ferien Ausflüge machen. Doch mit den Busverbindungen ist das nicht möglich. Und es gibt noch andere Schwierigkeiten.

Birgit Quint, Leiterin der Awo-Kindertagesstätte Radibor (l.) und Katrin Borrmann vom Elternrat der Kita wünschen sich bessere Busverbindungen im ländlichen Raum. Für Fahrten mit Kindergruppen muss ein extra bestellter Bus bezahlt werden. Für einen großen
Birgit Quint, Leiterin der Awo-Kindertagesstätte Radibor (l.) und Katrin Borrmann vom Elternrat der Kita wünschen sich bessere Busverbindungen im ländlichen Raum. Für Fahrten mit Kindergruppen muss ein extra bestellter Bus bezahlt werden. Für einen großen © SZ/Uwe Soeder

Radibor. Das war ein Spaß, den die Mädchen und Jungen der Awo-Kita Radibor Ende Mai hatten. Sie besuchten den Tierpark in Bischofswerda. Um dorthin zu kommen, musste die Leiterin der Einrichtung, Birgit Quint, allerdings ziemlich viel Geld für extra bestellte Busse bezahlen. Denn mit dem öffentlichen Bus- und Bahnverkehr wäre es eine Odyssee geworden. Doch dies ärgert nicht nur Birgit Quint, sondern auch den Elternrat der Einrichtung, der darauf aufmerksam machen möchte, wie schlecht der ländliche Raum an den Linienverkehr angebunden ist.

Katrin Borrmann vom Elternrat der Kita hat sich einmal die Mühe gemacht, für verschiedene Ausflugsziele Busverbindungen zu finden. Das ist schon während der normalen Schulzeiten schwierig, wenn die Schulbusse fahren. Aber in den Ferien wird es noch komplizierter. Wenn zum Beispiel die Hortkinder in den Ferien in den Saurierpark fahren wollen, können sie 8.24 Uhr an der Schule in Radibor losfahren. An der Haltestelle Fiedlerstraße in Bautzen haben sie dann allerdings fast eine Stunde Aufenthalt, bis der Bus 9.21 Uhr nach Kleinwelka kommt. „Wer die Gegebenheiten an dieser Haltestelle kennt, weiß, dass es eigentlich nicht möglich ist, mit einer Kindergruppe dort so lange zu warten“, sagen Birgit Quint und Katrin Borrmann. Um den letzten Bus zurückzubekommen, bleibt dann nicht einmal genug Zeit für den Besuch des Saurierparks. „Und bei den Eintrittspreisen sollte man die Öffnungszeiten schon ausnutzen können“, finden die beiden Frauen.

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Wartezeiten und lange Wege

Ähnlich kompliziert ist es beim Beispiel des Tierpark-Besuches in Bischofswerda. Dort hätten die etwa 50 Kinder zunächst nach Cölln laufen müssen, immerhin zweieinhalb Kilometer. Dort fährt an der B 96 dann der Bus nach Bautzen, der die Kinder zum Bautzener Bahnhof bringt. Dort wiederum bleibt etwa eine Stunde Aufenthalt, bevor der Zug nach Bischofswerda fährt. „Und vom dortigen Bahnhof müssten die Kinder wieder zum Tierpark laufen“, erklärt Birgit Quint. Noch zumal es auch nicht so einfach geht, mal eben mit 50 Kindern verreisen zu wollen. „Den Bedarf müssen wir vorher beim Busunternehmen anmelden, wenn wir als Gruppe fahren wollen“, sagt die Kita-Leiterin. Diesen Ausflug hat sie deshalb über die gesammelten Spenden finanziert. Die Möglichkeit, das KuBiMobil zu nutzen, kennt Birgit Quint zwar, aber ihr ist der Aufwand zu groß, dort Geld zu beantragen.

Das findet allerdings Laura Schulze, die im Bautzener Projektbüro dafür zuständig ist, gar nicht. Das KuBiMobil zahlt einen Zuschuss, wenn Bildungs- und Kultureinrichtungen im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien besucht werden. Zu den Kooperationspartnern zählt auch der Tierpark in Bischofswerda. Wenn also der Antrag bewilligt worden wäre, hätten die Teilnehmer nur einen Anteil von zwei Euro für die Fahrt bei dem Ausflug bezahlt. „Wir haben unsere Antragsformulare vereinfacht. Vielleicht sollte die Kita noch mal auf unsere Seite gehen“, sagt Laura Schulze.

Fahrpläne werden angepasst

Die Kita-Verantwortliche der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Bautzen, Annett Fahland, kennt die Probleme, die Kitas im ländlichen Raum haben. „Ich habe schon von mehreren Leiterinnen gehört, dass die Buspreise für eine Projektfahrt sehr angestiegen sind“, sagt sie. Die Einrichtungen der Awo bekommen alle ein bestimmtes Budget für kulturelle Betreuung. „Was die Einrichtungen damit machen, bleibt ihnen überlassen“, sagt sie. Um mehr Geld von der Gemeinde zu erhalten, müsste man mit dem Bürgermeister reden. Die Radiborer Kämmerin Andrea Lehmann bestätigt, dass das in den Haushaltsplanungen eine Rolle spielen könnte. Allerdings gibt sie eins zu bedenken: „Das sind Gelder innerhalb der Betriebskosten. Und die werden dann ja über die Elternbeiträge wieder umgelegt“, sagt Andrea Lehmann.

Das Landratsamt, das für die Planungen der Schulbuslinien in Absprache mit den Busunternehmen zuständig ist, bestätigt, dass die Schüler die Hauptnutzer der Linien im ländlichen Raum sind. „Uns liegen aber auch regelmäßig Anfragen von Bürgern zur Veränderung vor, welche mit gleicher Priorität berücksichtigt werden. So wird derzeit zum Beispiel eine Anfrage eines Bürgers geprüft, der gern am Vormittag eine weitere Fahrt in Richtung Bautzen hätte. Sobald das Verkehrsunternehmen dazu Stellung bezogen hat, informieren wir den Antragsteller, die Gemeinde und die Schulen über die Veränderung“, sagt Kreissprecherin Frances Lein. Das wäre dann die Chance für den Elternrat, Veränderungswünsche anzubringen. Zweimal im Jahr werden die Pläne angepasst – nach den Sommerferien und im Dezember. „Derzeit eingehende Anfragen werden für den Dezember-Wechsel geprüft“, so Lein.

Peter Bitterlich, Einsatzleiter von Regiobus, weiß, dass es im ländlichen Raum keine optimalen Lösungen gibt. Allerdings bietet er den Radiborern an, sich für extra Aktivitäten für einen Bus bei ihm ein Angebot einzuholen. Regiobus fährt zwei der drei Linien, die in Radibor die Schule anfahren. „Ich habe einen Ordner voll mit solchen Anfragen – auch in den Ferien“, sagt er.

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