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Weißwasser

Wenn Leuchtraketen die Nacht erhellen

Panzergrenadiere trainieren auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz – auch für den Einsatz in Afghanistan.

Der Truppenübungsplatz Oberlausitz bietet der Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“ beste Bedingungen fürs Nachtschießen.
Der Truppenübungsplatz Oberlausitz bietet der Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“ beste Bedingungen fürs Nachtschießen. © Foto: Joachim Rehle

Oberlausitz. Es kracht ganz ordentlich in dieser Nacht auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz. Die Leuchtraketen, die auf der Schießbahn 4 in den Nachthimmel gefeuert werden, um eine Feind-Erkundung zu simulieren, erscheinen aber noch geradezu harmlos; kein Vergleich mit dem dann folgenden Donner scharfer Geschütze. Vorsichtshalber werden Ohrstöpsel verteilt.

Die in Neubrandenburg stationierte Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“ hat am Mittwoch ein Nachtschießen angesetzt – und die Medien dazu eingeladen. Ein Halbzug, bestehend aus zwei Schützenpanzerwagen (SPW) mit jeweils neun Mann Besatzung, hat diverse Gefechtsaufgaben zu üben. In totaler Dunkelheit. Was das der Truppe abverlangt, können die Journalisten praxisnah von ihren Ausgucks – gleichfalls in Schützenpanzerwagen – beobachten. Kleine grüne und rote Leuchten im Gelände signalisieren Gefechtsbereitschaft. Im Ernstfall würden die Lichter selbstverständlich ausgeschaltet.

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Mit 30 kg Ausrüstung unterwegs

Zwar sind die Fahrer der SPWs mit Nachtsichtgeräten ausgestattet, doch bedarf es etlicher Übungseinheiten bei Tageslicht, damit später im Dunkeln jeder Handgriff sitzt. Die Besatzung trainiert das Auf- und Absitzen. Mit 30 kg Ausrüstung am Körper, also Waffe, Schutzweste, Munition und anderem mehr durch den Sand zu stapfen – da ist körperliche Fitness ein Muss.

Nach fast zwei Stunden steht die Auswertung an. Brigadegeneral Andreas Durst zeigt sich durchaus zufrieden. „Wenn man bedenkt, dass die Besatzungen erst vor ein paar Monaten neu zusammengestellt wurden ...“. Am Ende des Nachtschießens ist er froh, dass alles unfallfrei vonstattenging. „Trotz allen Trainings bleibt es gefährlich“, sagt er. Geschossen werden darf auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz eigentlich nur zu festgelegten Zeiten, von 8 bis 16 Uhr. Für das Nachtschießen von 21 bis 1 Uhr gibt es noch strengere Regeln.

Generalmajor Jürgen-Joachim von Sandrart (vorn), Kommandeur der 1. Panzerdivision, und Brigadegeneral Andreas Durst (M.), Kommandeur der Panzergrenadierbrigade „Vorpommern“.
Generalmajor Jürgen-Joachim von Sandrart (vorn), Kommandeur der 1. Panzerdivision, und Brigadegeneral Andreas Durst (M.), Kommandeur der Panzergrenadierbrigade „Vorpommern“. © Foto: Joachim Rehle

Kurz bevor die Dämmerung in Nacht umgeschlagen war, wurde den Journalisten in einer Einweisung am Geländesandkasten die Aufgabenstellung für das Nachtschießen erläutert. Es hat was von Sandkastenspielen für große Jungs – und dennoch einen überaus ernsten Hintergrund. Regelmäßig sind Soldaten der 1. Panzerdivision in Afghanistan im Einsatz. Erst im Januar kamen 400 zurück, in einigen Monaten fliegen die nächsten hin. Bis dahin müssen sie intensiv vorbereitet sein.

Seit Mitte voriger Woche sind die Panzergrenadiere in der Oberlausitz. „Es ist Klasse, wie gern die übende Truppe hier gesehen wird“, sagt Generalmajor Jürgen-Joachim von Sandrart. Der Kommandeur der 1. Panzerdivision bescheinigt dem Truppenübungsplatz Oberlausitz, „einer der leistungsstärksten in Ostdeutschland“ zu sein. Das habe mit der Ausdehnung, den sehr realistischen Möglichkeiten des Trainings mit Drohnen und allen Waffensystemen zu tun, aber insbesondere mit der Nähe zu Polen. Das erleichtere die gemeinsame Ausbildung in der Kooperation mit einer polnischen Division, die nur reichlich 60 Kilometer entfernt sei.

Nur ein geplatzter Reifen

Von Senftenberg aus hatten sich 1 500 Mann und 300 Fahrzeuge in die Oberlausitz in Bewegung gesetzt. Die Verlegung der Kräfte über große Entfernungen – auch das sei ein Ausbildungsthema, so Brigadegeneral Andreas Durst. Bis auf einen geplatzten Reifen habe es dabei keine besonderen Vorkommnisse gegeben. Am Wochenende war die Truppe auf 1.800 Mann verstärkt worden. Die meisten sind Zeitsoldaten, die im Durchschnitt elf Jahre an der Waffe dienen. Unter ihnen sind drei Frauen, sagt Generalmajor Jürgen-Joachim von Sandrart. Im Durchschnitt seien 7,9 Prozent der Bundeswehrangehörigen weiblich. Nur wenige in der kämpfenden Truppe, einige mehr in den nachgeordneten Einheiten. Zuständig für Drohnen sei bei ihm eine Frau im Rang eines Hauptmanns, so der Kommandeur der 1. Panzerdivision.

Untergebracht sind die Panzergrenadiere in der Kaserne im Truppenlager Werdeck oder in Zelten für zwei bis 20 Mann im Gelände der Kommandantur in Haide. Alles so realitätsnah wie möglich. „Leben im Felde“ nennt sich das im Militärjargon. Versorgt wird die Truppe von eigenen Leuten. Aber Brötchen, Wurst, Getränke und was man sonst noch so dafür braucht, werde aus der Umgebung geliefert.

Man will sich öfter hier sehen lassen

Erst vor wenigen Wochen hatte der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn, in der Kommandantur Haide angekündigt, den Truppenübungsplatz Oberlausitz als zentrale Ausbildungseinrichtung für Ostdeutschland ausbauen zu wollen. Man habe die feste Absicht, sich öfter hier sehen zu lassen, erklärt Jürgen-Joachim von Sandrart. Das sei jedoch davon abhängig, „ob sich ein geeignetes Zeitfenster findet“. Denn die Belegung der 13 Truppenübungsplätze in Deutschland werde zwei Jahre im Voraus zentral vergeben. Man habe jedenfalls beste Erfahrungen gemacht. Der Truppenübungsplatz Oberlausitz sei günstig, um hier in multinationaler Struktur mit Nato-Verbündeten zu üben. Dafür werde er sich bewerben, so der Kommandeur der 1. Panzerdivision.

Während für die Journalisten eine Stunde vor Mitternacht der Feierabend naht, ist für die Soldaten die Nacht noch längst nicht zu Ende. Sie müssen das Feld räumen, Waffen reinigen und anderes mehr. Vermutlich werden sie nicht vor fünf Uhr im Bett liegen. Wenn sie nach zwei Stunden Schlaf wieder aus dem Bett geholt werden, sei auch das realistisch für einen Kampfeinsatz. „Leben im Felde“ eben.

Am Donnerstag beginnt die Verlegung in den Heimatstandort. Das wird wiederum zu einer logistischen Herausforderung. Auch sei erneut mit Beeinträchtigungen im Straßenverkehr zu rechnen, heißt es.

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