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Fundsachen im Bauhof in Lohsa

Ein nicht ganz alltäglicher Termin in der Gemeinde ist die Versteigerung von herrenlosem Hab und Gut.

Vor der Auktion durften die Teilnehmer die zu versteigernden Sachen inspizieren. Christian Kummer erwarb tatsächlich so einen Rasenmäher – für fünf Euro.
Vor der Auktion durften die Teilnehmer die zu versteigernden Sachen inspizieren. Christian Kummer erwarb tatsächlich so einen Rasenmäher – für fünf Euro. © Foto: Mirko Kolodziej

Groß Särchen. Ein rotes Diamant-Damenrad mit blauer Klingel für gerade einmal fünf Euro? „Hier, nehme ich“, ruft ein Herr im Muskelshirt. Klar, sagt der 58-Jährige aus Koblenz, müsse man ein bisschen daran arbeiten: „Aber das ist noch mit Rücktritt.“ Nur wenige Minuten später schlägt er wieder zu: Ein Rasenmäher – ebenfalls in Rot, ebenfalls für fünf Euro – hat einen neuen Besitzer gefunden. „Nun muss ich den Auto-Anhänger holen“, meint der Mann. 

So, wie gut ein Dutzend anderer Interessenten auch, war der Koblenzer in der vorigen Woche in die „Tonne“ in Groß Särchen gekommen. Früher, zu DDR-Zeiten, gab es in dem Gebäude nahe dem Knappensee Ferien-Kino für Urlauber. Heute wird es vom Bauhof der Gemeinde Lohsa als Lager genutzt. Und jetzt verwandelte es sich für eine gute Stunde in ein temporäres Auktionshaus. Eine „Versteigerung von Fundsachen“ hatte das Gemeinde-Amtsblatt, der „Heimatkurier“, angekündigt.

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„Wenn der Bauhof sein Lager voll hat“, sagt Sven Koppen von der Gemeindeverwaltung, werde so ein Termin angesetzt. Es handelt sich um ein anderes Lager als besagte „Tonne“, nämlich eine Garage in Lohsa. Und diese füllt sich in der Regel nicht übermäßig schnell. Die letzte Auktion vor jener in der vergangenen Woche war schon ein paar Jahre her. 2018 zum Beispiel wurde nicht ein Fundstück abgegeben.„Wir haben dieses Mal Rasenmäher und Fahrräder“, begrüßte Auktionator Koppen die Versteigerungsteilnehmer. Dass hier und da mal ein Fahrrad verschwindet und dann in einem Busch landet oder jemand nach der Kneipentour vergisst, wo der Drahtesel steht, mag vorkommen. Aber wer verliert Rasenmäher? Natürlich niemand! Jedoch trennt sich die Gemeinde bei so einer Versteigerung auch gleich von Dingen, die ihre übliche Betriebszeit hinter sich haben. „Die müssen nicht funktionstüchtig sein“, klärte Koppen auf. Aber für fünf Euro kann man wahrscheinlich als Bastler nicht viel falsch machen.

Das gilt auch für Rennräder. Höchstgebot des Nachmittags waren – zum Ersten – zum Zweiten – zum Dritten – 40 Euro für so ein schnittiges Zweirad. Den Nachweis über den „Eigentums-Erwerb“ in die Hand gedrückt, bekam nach der Bezahlung ein 38-Jähriger aus Koblenz. Ein Rennrad braucht er eigentlich nicht, denn er hat schon eines. Aber der Mann schraubt auch gern an solchen Velos herum. „Ich werde es aufbauen und weiterverkaufen“, meinte er. Ein wirkliches Schnäppchen machte Carolin Rudolf. Denn nach der gewöhnlichen Auktion mit Mindestgeboten – die in allen Fällen auch die Höchstgebote waren – kam Koppen zur „Ramschversteigerung“ und die junge Frau kam zu einem, wenn auch reparaturbedürftigen, 1-Euro-Fahrrad.

Die Gemeinde kam zu insgesamt 61 Euro. Ob das die Verwaltungskosten deckt? Immerhin ist wieder etwas Platz im Lager.

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