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Wenn Männer ihre Frauen schlagen

Schutzhaus. Seit 15 Jahren gibt es in Radebeul eine Anlaufstelle für bedrohte Frauen, in der sie jederzeit Hilfe bekommen.

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Von Peter Redlich

Als er mit dem Beil auf mich losging, bin ich ausgerissen.“ Die 80-jährige Dame hat es nicht mehr ausgehalten bei ihrem Mann. Ihr einziger Ausweg: das Frauenschutzhaus in Radebeul. Sie hatte gerade ihre Goldene Hochzeit. Im Frauenschutzhaus erfuhren die Mitarbeiterinnen, dass das Martyrium der Frau bereits zwei Jahre nach der Hochzeit vor vielen Jahrzehnten begann. Immer wieder rastete der Mann aus und schlug seine Frau.

Lehrerin und Arbeitslose

„Sicher, eine 80-Jährige ist auch bei uns ungewöhnlich“, sagt Monika Rothe, die gleichberechtigt mit Ingeburg Pydde, Jana Glöckner und Gerlinde Uschner das Frauenschutzhaus leitet und organisiert. Doch die Frauen, die hier am anonymen Ort in Radebeul Hilfe suchen, sind zwischen 18 und eben 80 Jahren und entstammen allen sozialen Schichten. „Wir haben hier die Hochschullehrerin genauso aufgenommen wie die ALG II-Empfängerin“, sagt Gerlinde Uschner.

Ihr Kontakttelefon für Hilfesuchende sei immer erreichbar (siehe Kasten). Mitunter passiere es auch mitten in der Nacht, dass eine Frau klingelt. Oder die Polizei meldet sich, nachdem die vom Mann Malträtierte sich hilferufend ans Revier gewandt hat. Manche Frau komme mit nicht mehr als ihrer Kleidung, andere mit fünf Koffern, wissen die Frauenhausfrauen aus Erfahrung. Zuerst gibt es dann immer ein Gespräch bei einer Tasse Tee. Am nächsten Tag wird sortiert: Wie funktioniert die finanzielle Absicherung? Muss das Arbeitsamt von der neuen Adresse informiert werden? Was muss besorgt werden?

Das wichtigste allerdings – die Hilfesuchenden werden bestärkt, mit der Gewaltbeziehung klarzukommen. Das neue Gewaltschutzgesetz ist dabei eine große Unterstützung, sagen die Betreuerinnen. Der gewalttätige Mann kann der Wohnung verwiesen oder ein Näherungsverbot ausgesprochen werden. Etwa ein Drittel der Frauen gehe auch zu ihrem Partner zurück. „Allerdings nahezu immer gestärkter in ihrer Persönlichkeit“, sagt Ingeburg Pydde. Es gibt auch nach dem Aufenthalt im Frauenhaus, wo psychologische Beratung und Therapie bei Kunstkursen möglich ist, eine Betreuung – etwa bei Wegen zu Ämtern.

Im Schnitt bleiben die Frauen 30 Tage im Frauenschutzhaus. Manche nur einen Tag, andere ein Vierteljahr. Es gibt einen Tagessatz von 29 Euro, davon gehen 5,50 Euro für die Unterkunft ab. Die Bewohnerinnen auf Zeit müssen sich an allen Aufgaben beteiligen – sich selber versorgen oder das Haus reinigen. Seit 1991 haben 686 Frauen mit 713 Kindern in Radebeul Hilfe gesucht. Die Frauen kommen zu einem Drittel aus dem Landkreis Meißen, zu einem Drittel aus Dresden und etwa 17 Prozent aus dem Kreis Riesa/Großenhain. „Im Moment werden sieben Frauen mit fünf Kindern bei uns betreut“, sagt Monika Rothe.

Sorge um den Jahresetat

15 Jahre besteht das Frauenschutz Radebeul in diesem Monat. Neben den vier Frauen, die sich zwei Stellen in Teilzeitarbeit teilen, helfen noch zwölf ehrenamtlich mit. Mit 130 000 Euro Jahresetat muss das Frauenschutzhaus auskommen, bezahlt vom Land (22 Prozent), den Herkunftskommunen der Hilfe suchenden Frauen (58 Prozent), der Eigenbeteiligung der Schutzsuchenden (13 Prozent) und den Eigenmitteln des Sozialdienstes katholischer Frauen (acht Prozent), dem Träger. Der größte Wunsch der vier Betreuerinnen: „Keine weiteren Kürzungen des Etats, wir arbeiten an der Grenze des Möglichen.“