merken
PLUS

Riesa

Wenn man den Verkehr zu spät sieht

Behindern die Büsche an der Unfall-Kreuzung die Sicht? Die Gohliser sind davon überzeugt. Die Straßenmeisterei nicht.

Mit normaler Geschwindigkeit passiert dieser Lkw die Kreuzung bei Gohlis. Doch durch die Büsche am Straßenrand war er relativ spät zu erkennen.
Mit normaler Geschwindigkeit passiert dieser Lkw die Kreuzung bei Gohlis. Doch durch die Büsche am Straßenrand war er relativ spät zu erkennen. ©  Sebastian Schultz

Gohlis. Etwa anderthalb Wochen liegt der schwere Unfall auf der S 88 bei Gohlis zurück. Ein Skoda, der links abbiegen wollte, war dabei mit einem entgegenkommenden Audi zusammengestoßen. Insgesamt sechs Menschen wurden verletzt und kamen ins Krankenhaus. Dieser Unfall löste eine große Welle der Anteilnahme aus, auch weil zu den Verunglückten zwei Kinder und eine schwangere Frau zählten.

 Gleichzeitig forderten Anwohner aus Gohlis, dass an dieser und anderen Stellen entlang der S 88 zwischen Gohlis und Kreinitz Geschwindigkeitskontrollen dringend notwendig wären. Im Verlaufe dieser Diskussion ist eine weitere Forderung aufgekommen. Demnach sollten die Büsche an den beiden Gohliser Abfahrten geschnitten werden.

Anzeige
Stahlharter Nachwuchs gesucht

Abwechslungsreiche Aufgaben, beste Perspektiven in einer Schlüsselbranche, von Anfang an Verantwortung? Diese Ausbildungen können's!

„Mitunter wird die Einsicht in die Kreuzung auf den Verkehr aus Richtung Kreinitz durch Bäume und hohes Gras sehr beeinträchtigt“, schreibt ein Kommentator auf der Facebook-Seite der SZ. Und ein anderer meint, dass die Sträucher an dieser Stelle so verschnitten werden müssten, damit die Kraftfahrer, die Vorfahrt beachten müssen, weiter als hundert Meter sehen können. „Aber da geht’s schon los. Man sieht absolut nichts, wenn man aus Gohlis kommt“, so der Mann. „Das ist immer ein halbes Glücksspiel.“

Der Gohliser Wolfgang Rudolph hatte im letzten Gemeinderat, also schon Wochen vor dem schweren Unfall, auf die Gefahr durch die versperrte Sicht hingewiesen. Auch er fordert, dass die Sträucher geschnitten werden sollen. Die Gemeindeverwaltung Zeithain hat sich dieses Themas angenommen. Wie Bürgeramtsleiter Holger Koßwig mitteilt, sei die zuständige Straßenmeisterei informiert worden.

Dort sieht man keinen dringenden Handlungsbedarf. „Die Straßenmeisterei verschneidet regelmäßig die Sträucher“, sagt Kerstin Thöns, die Pressesprecherin des Landratsamtes Meißen. „Die Straßenmeisterei hat die Sichtverhältnisse geprüft und für okay befunden. Als Unfallursache können sie ausgeschlossen werden.“

„Es muss dort was passieren“

Gohliser und Leute, die dort regelmäßig vorbeikommen, sehen das anders. „Nicht nur an dieser Kreuzung hat man Probleme mit genügender Sicht auf den Verkehr“, heißt es in einem Facebook-Kommentar. Auch die zweite Kreuzung, circa einen Kilometer vom Unfallort in Richtung Zeithain entfernt, weise gravierende Sichtprobleme auf. 

„Auch diese Stelle sollte von den Verantwortlichen genau unter die Lupe genommen werden.“ Zudem gibt es den Vorschlag, für die Kraftfahrer, die aus Richtung Gohlis kommen und auf die S 88 auffahren beziehungsweise sie überqueren möchten, einen großen Spiegel am gegenüberliegenden Fahrbahnrand aufzustellen, um sich nähernde Fahrzeuge eher zu sehen. „Auf jeden Fall muss dort was passieren!“

Die Sträucher ganz zu entfernen, wird nicht ohne Weiteres möglich sein. Vor allem Grünen-Politiker kritisieren, dass die Anzahl der Bäume an Bundes- und Staatsstraßen in Sachsen seit Jahren abnimmt. 2010 standen noch 269.375 Bäume am Straßenrand im Freistaat. Von ihnen wurden 63.246 Bäume bis Ende 2018 gefällt. 

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Amt nimmt Unfall-Kreuzung ins Visier

Nach dem Unglück auf der S 88 sehen Anwohner aus Gohlis Handlungsbedarf. Doch vorher muss die Behörde noch eine Sache abklären.

Im gleichen Zeitraum sind nur 24.690 an Bundes- und Staatsstraßen neu gepflanzt worden. Das ergab eine Antwort des sächsischen Wirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage des Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Wolfram Günther. Er verweist auf den ökologischen Wert der Straßenbäume und ihre landschaftsprägende Funktion in Sachsen.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.