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„Wenn man hier Häuser vermieten will, muss man alles bieten“

Mathias Hoinkis hat in der Innenstadt West seine Kindheit verbracht. Noch heute vermietet er hier Wohnungen. Keine einfache Sache, sagt er.

© pawelsosnowski.com

Mit der Innenstadt West verbindet Mathias Hoinkis seine Kindheit. Auf der Landeskronstraße hat er damals gewohnt, im selben Gebäude, in dem auch schon sein Vater und sein Großvater aufgewachsen waren. Sein Urgroßvater hatte dort die Süßwarenfabrik Hoinkis gegründet. „Die Innenstadt West kenne ich wie meine Westentasche“, sagt Mathias Hoinkis. An die vielen Geschäfte, die Handwerker und Firmen ringsum auf der Landeskronstraße kann er sich gut erinnern. Einen Delikat-Laden gab es, einen Fischhändler, Bäcker und Fleischer sowieso, „eine Wäscherei gab’s , eine Tischlerei, eine Spedition“, zählt er auf. Auf der Cottbuser Straße hat er die Schule besucht. Und bekam auch mit, als zu DDR-Zeiten die Bevölkerung in der Innenstadt West schwand. „Ich weiß noch, dass wir in der Schule dreizügig gestartet sind. Nach ein paar Jahren hatte mein Jahrgang nur noch zwei Klassen.“ In den 80ern war das. Viele Familien zogen damals nach Königshufen, in das neu entstandene Neubauviertel. „Der nächste Einschnitt war, als die Straßenbahnschienen zurückgebaut wurden. “ Und dann, nach der politischen Wende, schwanden die Geschäfte, erzählt er. Auch seine Familie war irgendwann aus der Innenstadt West weggezogen, nach Biesnitz. Und Mitte der 90er Jahre zog auch die Süßwarenfabrik um, zum Flugplatz. In der Landeskronstraße war der Platz knapp geworden. Aber der Gebäudekomplex auf der Landeskronstraße gehört noch immer Mathias Hoinkis, Er vermietet ihn. Leicht sei das nicht. Voriges Jahr ist bei zwei Häusern nebenan, bei der Nummer 34, die Gebäudefront abgestürzt, weitere Einstürze folgten, es blieb nur ein Komplettabriss. Aber die Lücke ist noch da. „Das macht natürlich keinen guten Eindruck“, so Mathias Hoinkis. „Wenn man jemanden dazu bringen möchte, in ein Gebiet zu ziehen, das vielleicht nicht zu den beliebtesten gehört, müssen alle anderen Rahmenbedingungen stimmen und attraktiv gestaltet sein“, sagt er. Das eigene Gebäude hat die Familie 1996 sanieren lassen, seit drei Jahren läuft eine weitere Sanierung. Nach hinten raus hat Hoinkis einen Fahrstuhl anbauen lassen, für ältere Bewohner und Familien mit Kind – und Kinderwagen. Und die Bewohner der einen Gebäudehälfte haben jetzt Balkone. Das habe alles sehr gut geklappt. Aber die andere Seite muss noch warten. Die Denkmalschutzbehörde haben den Balkonanbau auf dieser Seite nicht genehmigt, „wegen eines Simses “, erzählt Hoinkis, „das geht jetzt seit drei Jahren.“ Der Fall liegt jetzt bei der Denkmalschutzbehörde in Dresden. Auf der einen Seite, kritisiert Hoinkis, würden seitens der Stadt große Förderprogramme aufgelegt, um die Innenstadt West zu beleben, „und auf der anderen Seite werde ich im Kleinen gebremst.“ Für ihn ist das Widerspruch. „Ich möchte hier etwas tun für die Mietersituation, und jetzt herrscht Stillstand.“ Der Innenstadt West fühlt er sich dennoch sehr verbunden. Wenn sich die Frage stellen würde und er umziehen müsste, wäre die Innenstadt West eine Option? „Ja, ich würde wieder herziehen. Warum nicht?“

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