merken
PLUS

Wenn Pferdeliebe nach Löbau führt

Eine Amerikanerin lernt die Abläufe im Stall der Brauerei-Pferde kennen und entdeckt Schnitzel für sich.

Von Susan Ehrlich

Am besten schmeckt Jordan Cole das Bier mit dem Erdbeer-Geschmack. Und überhaupt: „Das Bier hier bei euch unterscheidet sich sehr von dem, das ich aus meiner Heimat kenne“, sagt die junge Frau. Am Donnerstag saß sie neben dem Kutscher der Löbauer Bergquell-Brauerei auf dem Bock und lieferte Bier in der Stadt aus. Und wenn Zeit war, streichelte sie zwischendurch die beiden Zugpferde.

Anzeige
Wundermittel Bewegung
Wundermittel Bewegung

Zu langes Sitzen erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Bewegen und dabei sparen. Um mehr zu erfahren klicken Sie hier:

Eine Woche lang war Jordan Cole zu Gast bei Brauerei-Chef Steffen Dittmar. Das Hauptaugenmerk der 19-jährigen Amerikanerin aus dem Bundesstaat Pennsylvania lag aber keineswegs auf Bier und Braukunst, sondern war auf die Pferde der Brauerei gerichtet. Sie beobachtete die Arbeit im Stall, begutachtete das Geschirr der Tiere, lernte die Abläufe kennen und legte hier und da auch selbst mit Hand an. Denn die junge Frau kennt sich aus mit Pferden; erst recht mit solchen der Rasse Percheron, wie sie auch Dittmar im Stall stehen hat. Ihre Eltern betreiben nämlich mitten in Pennsylvania die Pennwoods-Percheron-Farm mit insgesamt etwa 60 Hengsten, Stuten und deren Nachkommen. Vor allem Showprogrammen und der Zucht der Tiere haben sie sich gewidmet. „In meiner Familie gehören Pferde seit Generationen zum Alltag“, sagt Jordan Cole. Sie sei in einen Beruf mit den Tieren hineingewachsen und nun in die Fußstapfen der Eltern getreten.

Übers Internet und das Interesse an den Percherons sei Steffen Dittmar mit Jordans Familie in Kontakt gekommen. „Und als sich herausstellte, dass sie nach Deutschland fliegt, um in Kaiserslautern ihre Verwandtschaft bei der Army zu besuchen, habe ich sie eine Woche nach Löbau eingeladen“, sagt der Bergquell-Chef. Verständigen kann er sich mit der Amerikanerin nur auf Englisch. Allerdings hat sie schnell ein deutsches Wort gelernt, das sie nun wohl nicht mehr vergessen wird. „I like Schnitzel“, konnte Jordan schon in ihren ersten Tagen in Löbau feststellen. Sie hat sich ein wenig verliebt in die Hausmannskost der deutschen Küche. Fleisch esse sie nun einmal gerne. Und das schmeckte ihr hier besonders gut. Doch die Pferdenärrin hat noch viel mehr schöne Erinnerungen von ihrer Zeit in Löbau im Gepäck, wenn sie heute nach einem nochmaligen Abstecher in Kaiserslautern ihren Rückflug antritt. Denn während sie an den Vormittagen hauptsächlich im Stall der Brauerei anzutreffen war, hat sie sich an den Nachmittagen die Umgebung angesehen. Begleitet wurde sie dabei von Dietmar Strauch aus Beiersdorf, der mit Steffen Dittmar seit Jahren befreundet ist. Er hat sozusagen Fremdenführer gespielt und die junge Amerikanerin in die Schönheit der Region eingeweiht. Als Ausflugsziele standen demnach Görlitz, Bautzen und Dresden auf dem Programm. Und natürlich durfte ein Besuch im Moritzburger Gestüt nicht fehlen. „Das hat mir sehr gut gefallen“, sagt Jordan Cole.

Durch Zufall stellte sich aber noch etwas ganz anderes heraus. Unter den Zuchtpferden der Coles in Pennsylvania waren bereits etliche Preisträger und World Champions. Einer von ihnen ist tatsächlich der Großvater von einem der Hengste in Dittmars Stall. So etwas verbindet gleich noch etwas mehr. Und Dittmar, der gerne zum Percheron-Weltkongress im Oktober nach Massachusetts/USA fahren möchte, ist nun froh, dort mit den Coles Bekannte wiederzutreffen.

Am Sonnabend hat Jordan Löbau verlassen. Wie sie selbst vergangene Woche bekannte, ist ihr der Abschied nicht leicht gefallen. „Ich finde es toll hier und mag eigentlich gar nicht mehr nach Hause“, sagte sie. Vor allem das Erdbeer-Bier und die leckeren Schnitzel wird sie vermissen – und auch die derzeit zehn Pferde der Löbauer Brauerei. Doch es hilft nichts. Denn zuhause warten nun einmal 60 Percherons, viele Shows und vor allem Arbeit auf sie.