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Wenn Riesas Wirtschaft tanzt

Marco Müller verrät beim ersten Riesaer Wirtschaftsball, was er Ende des Jahres geschafft haben will.

© Sebastian Schultz

Von Britta Veltzke

Riesa. Was unterscheidet den Semperopernball vom ersten Riesaer Wirtschaftsball? Das Fest in der Sportstadt ging sicher mit etwas weniger Glanz und Gloria über die Bühne, sicher floss statt Schampus eher Sekt, und anstelle von Guido Maria Kretschmer stand Riesa TV-Chef Marco Branig als Moderator auf der Bühne der Stadthalle Stern.

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Schnellzeichner Joe Herz lockerte derweil das Programm mit Illustrationen der Gesprächspartner und deren Gesprächsinhalte auf
Schnellzeichner Joe Herz lockerte derweil das Programm mit Illustrationen der Gesprächspartner und deren Gesprächsinhalte auf © Sebastian Schultz
© Sebastian Schultz

Dresdens Ball besuchte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) – aber auch Riesa konnte am Sonnabend mit einem Ministerpräsidenten aufwarten, wenn auch „nur“ mit einem stellvertretenden: Martin Dulig (SPD), Sachsens Wirtschaftsminister und zugleich zweiter Mann im Freistaat, gab dem Riesaer Ball den Vortritt vor dem Semperopernball.

Den großen Unterschied zwischen beiden Veranstaltungen beschrieb Dulig so: „Hier stehen alle mit beiden Beinen auf dem Boden.“ Applaus! Kräftig in die Hände klatschten neben Gastgeber Oberbürgermeister Marco Müller (CDU) viele Vertreter von Riesaer Wirtschaftsunternehmen und Institutionen, etwa Ölwerk-Chef Dr. Rüdiger Brautzsch, Berufsakademie-Leiterin Dr. Ute Schröter-Bobsin oder Handelshof-Geschäftsführer Steffen Währa. Der vorherrschende Dresscode des Abends: die Herren in schwarzen Anzügen mit Fliege, die Damen in festlichen, langen Kleidern.

Hilfe mit spitzen Anspielungen

Die Eröffnungsrede hielt Martin Dulig – begleitet von einem Künstler. Einem Künstler? Ständiger Begleiter auf der Bühne: Joe Herz. Der Leipziger, der auch schon einmal bei „Wetten, dass ...?“ aufgetreten ist, betitelt sich selbst als der schnellste Maler der Welt. Mit beiden Händen gleichzeitig kommentierte er live in Bildern auf großen Papiertafeln, was sich auf der Bühne abspielte – oder half mit spitzen Anspielungen, den Redner zum gewünschten Thema zu wechseln. Und so brachte er, während der Minister spricht, eine Straße aufs Papier, die plötzlich abbricht – unterbrochen von einer tiefen Schlucht.

Natürlich ist die B 169 gemeint. Doch auch ohne Notiz von diesem Wink mit dem Zaunpfahl zu nehmen, war dem Wirtschaftsminister klar: Um den seit Jahren geforderten Ausbau der Autobahnanbindung kommt er nicht herum, wenn er vor der lokalen Wirtschaft spricht. Gesagt, getan: „Wir sind an Ihrer Seite, das Projekt zu einem positiven Ende zu bringen“, so Dulig.

Er sei optimistisch, dass er den Ausbau noch im ersten Halbjahr bei der Bundesregierung anmelden könne. Er werde darauf drängen, dass der nächste Bauabschnitt mit hoher Prioritätsstufe in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werde. „Ich kann Ihre Ungeduld nachvollziehen.“

Dass er Sachsens Wirtschaftsminister auf seiner Seite hat, kann der Oberbürgermeister nur gutheißen. Denn in Sachen B 169-Ausbau bleibt ihm nichts übrig, als weiter um prominente Unterstützer zu werben – und abzuwarten. Ganz im Gegensatz zu den Projekten vor Ort.

In Anzug und Turnschuhen

Was er am Ende des Jahres von seiner To-do-Liste gestrichen haben wolle, fragte Marco Branig: „Das Gewerbegebiet Glogauer Straße“, entgegnet der Rathaus-Chef.

Und? „Bestenfalls mit vier oder fünf neuen Unternehmen.“ Außerdem solle ganz Riesa Ende 2016 Zugang zu Breitband-Internet haben. Wirtschaft war – wie der Titel des Balls vermuten lässt – das Leitthema des Abends. Doch trotz der Nüchternheit, die dem Begriff innewohnt, begegnete Moderator Marco Branig – in Anzug und Turnschuhen – dem Thema mit Witz und Leichtigkeit. Etwa bei den eingespielten „Werbepausen“, die der Fernsehmann vorbereitet hatte.

So pries er in kurzweiligen Videos Riesa als Wirtschaftsstandort mit „einer ausgezeichneten vorhandenen und geplanten Infrastruktur“ an oder präsentierte das „bäuerliche Kleinod“ Gut Göhlis als bröckelndes Investitionsobjekt mit freundlichem Anschluss an das Riesaer Vereinsleben – Anspielungen auf Ereignisse des vergangenen Jahres, bei denen dem ein oder anderen das Lachen im Halse festzustecken schien. „Angebote können im Rathaus oder gleich beim Oberbürgermeister abgegeben werden“, schließt Branig die Werbepausen.

Ob Marco Müller an diesem Abend noch eine Offerte bekommen hat, war am Wochenende nicht mehr zu erfahren. Nach dem offiziellen Programm spielte auch etwas ganz anderes eine Rolle: der Tanz. Die Privatstunden mit Gattin Kathleen Kunze vor dem ersten Riesaer Wirtschaftsball haben sich offensichtlich gelohnt.