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Dynamo

„Wenn sich nichts ändert, werde ich mich umschauen“

Vom Stammspieler zum Bankdrücker – Brian Hamalainen ist bei Dynamo ein Verlierer des Trainerwechsels. Über die Gründe rätselt er.

Die Bank als Stammplatz: Brian Hamalainen ist unzufrieden mit seiner Rolle in Dresden.
Die Bank als Stammplatz: Brian Hamalainen ist unzufrieden mit seiner Rolle in Dresden. © Christian Juppe

Das Rudolf-Harbig-Stadion ist am Dienstagmittag ein abgesperrter Bereich, schon Stunden vor dem Auftritt von Herbert Grönemeyer. Brian Hamalainen setzt sich zum Interview deshalb auf eine Bank neben dem Trainingsplatz im Großen Garten. Das passt bestens zu seiner Situation. Die Bank ist derzeit ein vertrauter Ort für Dynamos Abwehrspieler.

In der vergangenen Saison war das noch ganz anders. Wenn er nicht verletzt war, stand er auf dem Platz. Von Beginn an. Hamalainen war eine Stammkraft, ein Führungsspieler. Maik Walpurgis beförderte ihn sogar in den Mannschaftsrat. Bei einem Dänen, der erst im Sommer 2018 nach Dresden gekommen war und die deutsche Sprache noch nicht richtig beherrscht, ist das ein großer Vertrauensbeweis. Ein halbes Jahr später sitzt Hamalainen auf der Holzbank und erzählt von seinem Frust, seinen Zweifeln – und von Schmerzen.

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Die sind zwar längst wieder abgeklungen, aber ein möglicher Auslöser für sein Reservistendasein. Ende Februar bekommt er plötzlich Rückenschmerzen, die von einer Öffnung im Duralschlauch ausgelöst werden. Der schützt das Rückenmark und die Nervenwurzeln an der Wirbelsäule. „Immer, wenn ich aufgestanden bin, spürte ich einen Druck in meinem Kopf, verlor das Gleichgewicht“, erinnert er sich. Zweimal wird er ins Krankenhaus eingewiesen, bekommt Medikamente, muss sechs Tage am Stück im Bett liegen, darf nur aufstehen, um auf Toilette zu gehen. Danach geht es ihm besser.

Nach der 3:4 Niederlage gegen Bielefeld im Januar.
Nach der 3:4 Niederlage gegen Bielefeld im Januar. © Robert Michael

Gerüchte, wonach sogar sein Karriereende drohte, bestätigt er nicht. „Ich habe nie den Glauben an die Zukunft verloren oder daran gedacht, dass es nicht weitergeht“, sagt er. Im April kann er wieder mit der Mannschaft trainieren, kommt bei den letzten beiden Zweitliga-Partien zum Einsatz, beim Saisonfinale gegen den SC Paderborn sogar gut 70 Minuten.

Seit diesem 19. Mai sind jedoch lediglich zwölf Minuten im DFB-Pokal gegen TuS Dassendorf hinzugekommen. Ein Kurzeinsatz, nicht mehr. „Ich denke, dass es möglich war, die Mannschaft in diesem Spiel zu verändern, weil der Gegner ja aus einer unteren Liga kam. Aber ich bekam nur zwölf Minuten. Das war frustrierend“, erzählt er.

Gefühl, plötzlich nicht mehr gebraucht zu werden

In den Punktspielen gehörte Hamalainen bisher immer zum Kader, wurde aber nicht gebraucht. „Natürlich ist das eine Entscheidung des Trainers, und ich respektiere sie“, erklärt der Verteidiger. „Aber ich bin nicht glücklich mit der Situation. Ich akzeptiere sie nicht, weil man als Fußballer spielen will.“ Mehrmals, berichtet Hamalainen, gab es ein Gespräch mit Trainer Cristian Fiel. Er habe ihm dabei seine Sicht erläutert.

Geändert hat sich nichts. „Ich habe bis jetzt noch nicht die Notwendigkeit gesehen, in der Abwehr einen rauszunehmen, weil sie es in meinen Augen gut gemacht haben“, erklärt Fiel. „Deshalb hat es Florian Ballas getroffen, deshalb trifft es auch Brian Hamalainen und noch ein paar andere. Ich kann nichts anderes machen, als ihnen zu sagen, dass sie weiter hart arbeiten und auf ihre Chance warten sollen.“

Daran hält sich Hamalainen, er formuliert es sogar mit den gleichen Worten. Dass seine Nichtberücksichtigung irgendwas mit seiner Rückenverletzung zu tun hat, glaubt er nicht. „Die Ärzte haben mir versichert, dass ich wieder alles machen kann, wenn die Öffnung geschlossen ist, und dass es dann nicht mehr gefährlich ist. Ich bin 100-prozentig fit“, versichert er.

Trotzdem oder gerade deshalb grübelt er. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Einsätze, sondern um das Gefühl, plötzlich nicht mehr gebraucht zu werden. Fiel krempelte den Mannschaftsrat um. Hamalainen gehört ihm nicht mehr an. Das sei mental schwierig, gesteht er. „Wenn ich noch dabei wäre, hätte ich das Gefühl, zumindest im Hintergrund wichtig zu sein. Der Trainer sagt zu mir, dass ich nicht vergessen werde und weiter bedeutend für das Team bin. Aber es ist schwierig, das zu glauben, und eine Herausforderung für mich, den Kopf oben zu behalten.“ Fiel betont, dass Hamalainen „in der Hierarchie immer noch genauso weit oben steht“ und lobt, dass er „im Training hart arbeitet“.

Vertrag läuft Ende Juni aus

Trotzdem bleibt da die Enttäuschung über das Zurückgesetztsein. Seine Frau Nina will er damit nicht belästigen. „Ich versuche, den Fußball oder meinen Frust nicht mit nach Hause zu nehmen, möchte dort keine negative Atmosphäre“, erklärt er. Um sich abzulenken, spielt er Golf. Das sei eine Art Therapie für ihn. „Dann habe ich andere Dinge im Kopf und bin wieder bereit fürs nächste Training.“

Die Einheiten im Großen Garten sind neben den Testspielen die einzige Möglichkeit, sich anzubieten. Wann er seine Chance bekommt, ist ungewiss. Fest steht nur: Je länger es dauert, umso unwahrscheinlicher ist es, dass Hamalainen in der nächsten Saison für Dynamo spielt. Sein Vertrag läuft Ende Juni aus. Ab einer bestimmten Zahl von Einsätzen verlängert er sich automatisch. Bisher steht er bei null. „Deshalb ist es sicher keine Überraschung, dass ich nicht glücklich darüber bin, dass ich nicht spiele“, sagt Hamalainen. „Und deshalb denke ich natürlich über meine Zukunft nach. Ich bin 30 und möchte noch einige Jahre spielen. Wenn sich nichts ändert, werde ich mich umschauen“, sagt er, stellt aber klar: „Ich bin nicht verärgert gegenüber dem Verein, sondern gern hier.“

Genauso attestiert er Jannik Müller, Kevin Ehlers und Linus Wahlqvist, Dynamos Abwehrkette, dass sie „einen guten Job machen, keine Frage“. Doch er sieht sich zumindest auf einem Level mit dem Trio. „Ich habe Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten. Meine Stärke ist das Spiel mit dem Ball. Und das passt genau zu der Art Fußball, wie ihn der Trainer favorisiert.“ Mehr Werbung in eigener Sache geht kaum.

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