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Wenn sommers die Bäume dürsten

Dieser Tage rücken die örtlichen Bauhöfe wieder vermehrt mit Wassertanks und Schläuchen zur Hilfe aus.

Michael Kockert ist der Chef des Wittichenauer Bauhofs. Dessen Mitarbeiter sind seit Wochen unter anderem auch damit beschäftigt, Grünanlagen und Bäumen das notwendige Wasser zukommen zu lassen.
Michael Kockert ist der Chef des Wittichenauer Bauhofs. Dessen Mitarbeiter sind seit Wochen unter anderem auch damit beschäftigt, Grünanlagen und Bäumen das notwendige Wasser zukommen zu lassen. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda und Umland. Was ist eigentlich ein sogenannter Trockenbruch? Unter anderem bei der Stadtverwaltung von Hoyerswerda lässt sich das ergründen. „Im Sommer kommt es vor, dass Bäume, die in vollem Laub stehen, unvorhersehbar einzelne Äste verlieren“, sagt Rathaussprecherin Corinna Stumpf. So etwas sei selbst durch regelmäßige Baumkontrollen nicht zu vermeiden und trete immer wieder mal auf – vereinzelt. 

In Bernsdorf kennt man das Phänomen auch, spricht dort aber von Grünabbrüchen. „So geschehen ist das in der unter Naturschutz stehenden Eichenallee in der Hoyerswerdaer Straße, circa vor zwei Jahren“, berichtet Britta Lorenz vom Bernsdorfer Bauamt. Aktuell sei kein Fall bekannt. Welche Rolle möglicherweise die Trockenheit spielt, wagt man in Bernsdorf jedoch nicht sicher einzuschätzen.

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Fakt ist: Auch Bäume brauchen zum Leben Wasser. Man erinnert sich aus dem Schulunterricht dunkel an Osmose, Zellwandtransport und cytoplasmatische Kanäle. „Der städtische Bauhof ist seit Wochen täglich zum Gießen unterwegs“, erklärt Wittichenaus Bürgermeister Markus Posch (CDU). Sein Bauhof-Chef Michael Kockert erzählt, man habe im April mit dem Wässern aus einem Fahrzeug begonnen. Inzwischen seien zwei Tankwagen unterwegs. Ein Kollege kümmere sich um die Rabatten, ein anderer um die Bäume. Vor allem die jüngeren, sagt Kockert, benötigten Zuwendung: „Bis sie ungefähr fünf sind, muss man gießen.“ Ähnlich schildert das auch Corinna Stumpf: „Neu gepflanzte oder noch nicht am Standort etablierte Gehölze, die aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften erst ein wenig verzweigtes Wurzelsystem für eine kontinuierliche Wasserversorgung aufgebaut haben, werden im Zuge der dreijährigen Entwicklungspflege für eine vitale Weiterentwicklung bei lange anhaltenden Trockenperioden bedarfsgerecht gegossen.“

Allerdings verfüge Hoyerswerda insgesamt über einen relativ alten Baumbestand mit einem ausgedehnten Wurzelsystem, so dass die meisten Bäume keine zusätzliche Bewässerung benötigten. Sie kämen aufgrund ihres Alters und hoher Vitalität ganz gut mit den Gegebenheiten zurecht.

Der Naturschutzbund Nabu freilich sagt, im Allgemeinen hätten es Stadt-Bäume durchaus schwerer als ihre Artgenossen in freier Natur. Hunde-Urin, Streusalz, schlecht durchlüftete und von Wasser schwerer zu durchdringendere Böden sowie Autoabgase seien die Ursachen dafür, dass die Lebenserwartung so eines Stadt-Baumes im Schnitt um ein Viertel bis um die Hälfte niedriger ausfalle.

Dabei, so erläutern Experten, sei mit den in Städten höheren Temperaturen auch mehr Verdunstung durch die Blätter verbunden. Baumschulen empfehlen daher für Städte vermehrt Bäume, die mit Trockenheit besser zurechtkommen. Genannt werden so Hopfen-Buchen, Hänge-Birken, Türkische Haselnüsse – oder die hier wohlbekannten Wald-Kiefern.

Der Altbestand leidet auch

Michael Kockert jedenfalls hat beobachtet, dass nicht nur jungen Bäumen die Trockenheit großen Stress bereitet – und sie teils ihre Blätter abwerfen. „Der Altbestand leidet auch“, sagt Wittichenaus Bauhof-Chef. Der frühzeitige Herbst hat damit zu tun, dass Bäume von oben her austrocknen, weil das Wasser dorthin nun einmal den längsten Weg hat. Allerdings muss der Mensch beziehungsweise in diesem Fall die Verwaltung sich bei einer relativen Vielzahl an Gehölzen eben auch entscheiden, wo man zuerst nachhilft. Und so schildert auch Britta Lorenz von der Bernsdorfer Bauverwaltung ganz klare Prioritäten: „Durch unseren Bauhof werden aktuell nur neu angepflanzte Bäume, die neue Hecke am Rathaus und außerdem städtische Grünflächen gewässert.“ Man benutze dafür kein Trink- sondern Brauchwasser. In Wittichenau steht sogar ganz komfortabel ein eigener Brunnen zur Verfügung.

Um die 30 Kubikmeter Wasser am Tag, sagt Michael Kockert, bringe man aktuell ungefähr aus, also 30.000 Liter. Und er schildert, der Bedarf sei erst in den letzten zwei, drei Jahren so hoch. Zuvor kam man in Wittichenau mit weniger Bewässerung aus. Corinna Stumpf aus Hoyerswerda spricht von Maßnahmen „zur Erhaltung des Bestandes“. Dass dieser in Zeiten der Erwärmung in der Erdatmosphäre wichtig sei, sagt das Bundesumweltministerium in seinen „Handlungsempfehlungen zur Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit“: Mikroklimatische Abkühlungseffekte könnten durch Laubbäume an Straßen sowie in Gärten und Grünanlagen erzielt werden.

Wenigstens der Trockenbruch scheint zumindest in den Städten der Region nicht für weitere Scherereien zu sorgen. Michael Kockert erklärt ihn so: Ausgetrocknete, spröde Äste mit Laub würden im Fall von Windlast im Blattwerk keinen Widerstand leisten können und daher nachgeben.

Ökologisch wenig schwerwiegend

Kockert sagt jedoch auch, das sei wohl eher ein Problem für Förster, komme also häufiger in Wäldern vor. Die Erklärung aus dem Hoyerswerdaer Rathaus ist ein wenig komplexer. Corinna Stumpf sagt, ursächlich sei die Erwärmung der Astoberfläche. Dadurch lasse die Elastizität der äußeren Holzfasern nach. In der Folge würden insbesondere waagerecht vom Baum abstehende Äste aufgrund der größeren Hebelwirkung brechen: „Ein gravierendes Ansteigen dieses Phänomens aufgrund anhaltender Trockenheit konnte jedoch nicht beobachtet werden.“ Letztlich sei das Problem aus ökologischer Sicht auch wenig schwerwiegend. Bäume könnten den Verlust einzelner Äste gut verkraften: „Sie trennen sich vor allem von Ästen aus dem unteren Kronenbereich, die von höheren Ästen beschattet werden und keinen Beitrag zur Photosynthese mehr leisten.“

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