merken
PLUS

Riesa

Wenn Teigwaren ein Zeichen setzen

Während über der Region ein Kunstwerk entsteht, wird der Nudel-Chef in Riesa heimisch. Zeit, nach tollen Orten zu suchen. Ein belebender Rückblick.

Kevin Schwarzbach
Kevin Schwarzbach © Archivfoto: Lutz Weidler

Schwarzbachs Woche

Riesa. Irgendetwas gibt es immer zu meckern, liebe Leserinnen und Leser. Besonders, wenn es um das Wetter geht. Zu kalt, zu warm, zu nass, zu trocken, zu sonnig, zu windig. Keiner macht so wenig richtig wie Sonne und Wolken. Eigentlich sollte man das Wetter gleich abschaffen.

Anzeige
Jetzt mitmachen: #ddvlokalhilft-Umfrage
Jetzt mitmachen: #ddvlokalhilft-Umfrage

Händler ganz aus der Nähe trotzen mit spannenden Ideen der Krise. Überraschungen und Überraschendes! Unser Newsblog:

Das Schlimme ist: Die negativen Gedanken stürmen meistens im Rudel auf die Menschen zu. In der vergangenen Woche waren es gleich mehrere Probleme, die den Altkreis Riesa förmlich zu erdrücken drohten. Ein Unwetter reihte sich ans nächste, plötzlich war es zu nass und zu warm zugleich. Zu windig ja sowieso.

Doch mittlerweile haben wir gelernt, in allem Schlechten auch das Positive zu sehen. Und das war vergangene Woche ein Meisterwerk zeitgenössischer Kunst, das für immer mit dem Raum rund um Riesa verbunden bleiben wird. Mit dem richtigen Namen ließe sich das Werk sicher für Hunderttausende Euro verkaufen. Was man mit diesem netten Sümmchen alles anstellen könnte ...

Als Erstes müsste man den vielen Piloten, die an der Entstehung des Kunstwerkes beteiligt waren, sicher etwas vom fetten Braten abgeben. Für die Entwicklung der Region würde dann kaum etwas übrig bleiben. Denn am Dienstagabend waren mehr als ein Dutzend Flugzeuge, die auf dem Flugplatz Leipzig/Halle gestartet waren oder landen wollten, in Warteschleifen über der Region gekreist. 

Grund dafür waren mehrere Gewitterzellen in Sachsen und Brandenburg, die den Flugverkehr beeinträchtigten. Vollzieht man Warteschleifen über das Internet nach, fühlt man sich fast, als würde man einem großen Meister bei der Entstehung der neuen Mona Lisa zusehen. Nur dass uns dieses Kunstwerk wohl eher ein anerkennendes Grinsen statt Weltruhm bringen wird.

Ein ziemlich breites Grinsen trug vergangene Woche auch Teigwaren-Geschäftsführer André Freidler im Gesicht. Der 31-Jährige wohnt jetzt in Riesa – und damit dort, wo jene Nudeln produziert werden, die beinahe so bekannt wie da Vincis Mona Lisa sind. Künftig muss Freidler also nicht mehr warten, bis die Nudeln verpackt und bis nach Baden-Württemberg transportiert sind, sondern kann sie direkt aus der Maschine in den Kochtopf fallen lassen.

Die Aktion des Geschäftsführers ist wohl das, was man gemeinhin „ein Zeichen setzen“ nennt. Die Teigwaren stehen zu Riesa, sie wohnen jetzt sogar hier – allen Streiks und Strapazen zum Trotz. Seht an, liebe Leute, Riesas bekannteste Attraktion lebt weiter.

Die Kritiker wird das dennoch nicht beruhigen. Man hört sie schon jetzt hinter den Nudelmaschinen hervor munkeln: Vielleicht ist Freidler nur hier, um die Ausgliederung des Nudelcenters voranzutreiben? Denn nachdem die Streiks beigelegt sind, hat sich kurzerhand ein neues Problemfeld aufgetan.

Die Teigwaren wollen das Nudelcenter gern in die Hände eines Tourismus-Experten geben, sich selbst auf das Thema Vertrieb konzentrieren. Alles rein strategische Überlegungen, heißt es. Den Liebhabern der Riesaer Nudeln gefällt das offenbar nicht, sie haben eine Petition gestartet, die bereits über 1.200 Unterschriften hat. Die Diskussionen um Riesas höchstes Kulturgut dürften weiterhin für Spannung sorgen.

Nicht minder aufregend ist die neueste Aktion des Riesaer Universalgenies Gunter Spies. Der Braumeister und Darsteller des Riesaer Riesen tanzt bekanntlich auf so gut wie allen Hochzeiten – und macht dabei selten eine schlechte Figur. Als wäre das für einen Riesen nicht schon beachtlich genug, kann Gunter Spies zu fast allen Riesaer Orten auch noch eine Geschichte erzählen.

Bevor mir jetzt irgendjemand unterstellt, in den Darsteller des Stadtmaskottchens verliebt zu sein und ich deshalb in den Verdacht der Hofberichterstattung gerate, kommen wir besser zum Thema zurück. Riesaer Orte. Genau die sucht Gunter Spies mit seiner neuesten Aktion. Genau genommen heißt es: Lieblingsplätze. Und aus allen Einsendungen will Spies dann eine spezielle Stadtführung zusammenstellen. 

Also ich persönlich hätte die Sache ja andersherum organisiert und damit den Fokus auf das gelegt, was noch zu leisten ist. Negative Eindrücke sind doch meist viel motivierender. Aber ich gehöre bekanntlich auch zu den etwas hämischeren Zeitgenossen. Gut Kirschen essen war mit mir noch nie – was vermutlich daran liegt, dass ich keine Kirschen mag.

Diese Woche kann wohl kaum geiler werden.

Mehr zum Thema Riesa