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Wenn Tierliebe zum Verhängnis wird

Ein Waitzdorfer will die Katzen die ihm zulaufen nicht verhungern lassen.Der Tierschutz hilft, das Rathaus nicht.

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Von Anja Weber

Dass es bei ihm etwas zu fressen gibt, hat sich in Waitzdorfer Katzenkreisen schnell „herummiaut“. Und so machen sich täglich wohl gleich mehrere Miezen und Kater auf den Weg, um sich an den aufgestellten Futternäpfen zu laben. Inzwischen kommen immer mehr. Und es sind nicht seine eigenen. Der Waitzdorfer Hermann Protze vermutet, dass sich inzwischen auch andere Tiere aus dem Dorf bei ihm satt fressen. Verhungern lassen will und kann er sie nicht. Doch seine Tierliebe wird ihm jetzt wohl ein zweites Mal zum Verhängnis.

Bereits 2006 nahmen die Katzen bei ihm überhand, vermehrten sich unkontrolliert. Um die Katzenplage einzudämmen, griff die Stadtverwaltung Hohnstein 2007 zu drastischen Maßnahmen, ließ die Tiere einfangen und kastrieren. Bezahlt wurde das aus der Stadtkasse und mit Hilfe von Spenden. Inzwischen steht das Problem erneut an. Sebnitzer Tierschützer sind seit Wochen unterwegs, um die bislang noch nicht kastrierten Katzen dort einzufangen (SZ berichtete). „Wir können hier nicht einfach zuschauen und den Mann alleinlassen, sondern müssen handeln“, sagt Rosemarie Lange vom Sebnitzer Tierschutzverein „Franz von Assisi“. Schon länger prangert sie an, dass die Stadt Hohnstein in ihrer Polizeiverordnung nicht festgelegt hat, dass sie der nicht gewollten Nachzucht von Tieren einfach Einhalt gebietet, indem die Kastrationspflicht eingeführt wird. „In anderen Städten gibt es das bereits“, sagt Rosemarie Lange. Um die Tierarztkosten für die neuerliche Kastrations-Aktion bezahlen zu können, sammelten die Tierschützer bereits Spenden.

Doch die reichen bei weitem nicht aus, um das Problem zu lösen. Immer in der Hoffnung, dass sich auch die Stadt Hohnstein wieder an den Kosten beteiligen werde. Im Rathaus hat man lange überlegt. Das Ergebnis allerdings schockt die Tierschützer. Die Stadt Hohnstein wird keine finanzielle Unterstützung leisten. Es sei das Problem eines einzelnen Bürgers, vielmehr eines unverantwortlichen Tierhalters, sagt Bürgermeister Daniel Brade (SPD). Damit will sich der Tierschutz nicht zufriedengeben. Und die Mitglieder wehren sich auch dagegen, dass die Stadt einen Menschen der ein Herz für Tiere hat, als unverantwortlich hinstellt.

Die Stadt Hohnstein beruft sich mit ihrer Entscheidung auf das Bürgerliche Gesetzbuch. In dem steht, dass ein Eigentum an herrenlosen Katzen besteht, wenn diese immer wieder an einen Ort zurückkehren. Und bekanntlich kommen Katzen immer wieder an den Ort zurück, an dem sie gefüttert werden. Damit würden die Katzen dann automatisch Eigentum von Hermann Protze, selbst wenn es welche aus den Häusern und von den Höhen ringsum sind. „Dieses Eigentum verpflichtet mit allen Konsequenzen die daraus entstehen, heißt es aus der Stadtverwaltung. Damit sei derjenige, dem die Tiere gehören auch verantwortlich dafür, die Vermehrung einzudämmen und die tierärztliche Versorgung zu garantieren. Auch das wollen die Sebnitzer Tierschützer so nicht stehen lassen und haben inzwischen einen offenen Brief an die Stadt Hohnstein verfasst.

Tierschutz bittet um Spenden

Man könne sich nicht einfach der Dinge entledigen, indem man Besitzer dadurch ausmacht, dass diese Katzen gefüttert werden. Und die Sebnitzer Tierschützer weisen eindeutig daraufhin, dass derjenige, der Tiere einfach verhungern lässt, gegen das Tierschutzgesetz verstößt.

„Gott sie dank, dass es noch verantwortungsbewusste Menschen gibt, welche die Kreatur ebenfalls von Gott geschaffen betrachten und ihnen helfen“, sagt Christa Fritzsche vom Tierschutzverein Sebnitz. Die Stadt Hohnstein solle sich vielmehr Gedanken darüber machen, wie die Vermehrung nicht gewollter Nachzucht von Tieren geordnet werden könne.

Der Sebnitzer Tierschutzverein habe sich der Sache angenommen und gehandelt. Die ehrenamtlichen Helfer haben inzwischen auch schon einige Katzen eingefangen und kastrieren lassen können. „Es steht eindeutig fest, dass es sich um neue Tiere handelt, die Herrn Protze zugelaufen sind“, sagt Rosemarie Lange. Auf keinen Fall wären es Tiere, die bereits 2007 eingefangen wurden. Damals wurden alle Tiere kastriert, steht für Rosemarie Lange fest.

Um die neue Aktion zu finanzieren, sammelten die Tierschützer weiter Spenden. Auch Hermann Protze hat bereits Geld für die Kastrierung gegeben. Darüber hinaus hat er auch viele Futterspenden erhalten von ganz verschiedenen Menschen, die im helfen wollen.

Spendenkonto des Tierschutzvereins Sebnitz: Volksbank Pirna/GS Sebnitz, BLZ: 850 60000; Ktnr. 1000813680, Stichwort Waitzdorf.