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Wer ärgert wen in Dohna?

Kurz vor der zweiten Sächsischen Meisterschaft wird aus Spiel Ernst. Der Vorjahressieger, ein Dohnaer, und die Stadt streiten.

© Robert Michael

Dohna. Eigentlich war es nur eine Nachfrage. Warum der Vorjahressieger Uwe Naumann dieses Jahr bei der sächsischen „Mensch ärgere dich nicht“-Meisterschaft in Dohna nicht mitspielt? Die SZ hatte Naumann auf der Teilnehmerliste vermisst. Was diese Frage auslöste, war nicht absehbar. Es kam ein offensichtlich lange schwelender Konflikt zutage. Uwe Naumann fühlte sich von der Stadt vertröstet und hingehalten. Er hatte voriges Jahr spontan der Stadt angeboten, ihr den Pokal zu überlassen, damit sie ihn öffentlich ausstellen kann. Das sollte nach der Sanierung im Rathaus geschehen. Damals ging man noch davon aus, das würde im Mai 2015 sein. Es wurde November.

Der Pokal stand bis jetzt noch bei Uwe Naumann zu Hause. Am Mittwoch hat er ihn schließlich im Rathaus abgegeben. Am Donnerstag kam dann von dort ein Anruf, man wolle ihn abholen. Naumann wundert sich. Bürgermeister Ralf Müller (CDU) erklärt es mit zeitlicher Überschneidung. Am Mittwoch sei das Ordnungsamt beauftragt worden, den Pokal zu holen. Das wollte es dann am Donnerstag machen, Naumann war dem schon zuvor gekommen. Offenbar hatten beide Seiten lange darauf gewartet, dass der jeweils andere den ersten Schritt geht.

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Genau wie bei dem Schild. Eine Plakette am Pokal sollte Uwe Naumann als 2015er-Gewinner nennen, war aber bis jetzt nicht angebracht worden. Inzwischen outet sich Mitorganisator Andreas Burow vom Meusegaster Sportverein als der für das Schild Zuständige. „Das erste Schild ist fertig. Dies wollte ich anbringen, wenn der Pokal im Rathaus ist.“ Jetzt, sagt Burow, könne man aber auch warten. Denn am 31. Januar wird es bei der diesjährigen Meisterschaft ja auch wieder einen Sieger geben, der ein Schild auf dem Pokal bekommt. Dann könne man das gleich zusammen erledigen.

Hauptamtsleiter Tilo Werner im Rathaus ist da jedoch offensichtlich anderer Meinung. Er hat am Mittwoch an Uwe Naumann geschrieben: „Ihr Namensschild wird vor Übergabe an den neuen Titelträger an den Pokal befestigt.“ Wo der Wanderpokal nach der Meisterschaft dieses Jahr stehen wird, ist übrigens unklar. Denn der neue Sieger muss ihn nicht dem Rathaus überlassen, er kann ihn genauso gut mit nach Hause nehmen.

Die Stadt Dohna bemüht sich unterdessen um Schadensbegrenzung im Pokalstreit. „Ich würde mich sehr freuen, Sie als Teilnehmer oder Gast zur 2. Sächsischen Meisterschaft im Mensch ärgere dich nicht begrüßen zu dürfen“, schreibt Hauptamtsleiter Tilo Werner an Vorjahressieger Uwe Naumann. Mitorganisator Andreas Burow bietet Uwe Naumann einen Freistart bei der aktuellen Meisterschaft an – vorausgesetzt, er meldet sich wie schon knapp 130 andere noch bis 28. Januar an. Unter den Teilnehmern wird auch eine Meisterin aus Mecklenburg-Vorpommern sein.

Immerhin haben alle Seiten ihren Humor nicht verloren. „Kinderkram hoch drei“, kommentiert Bürgermeister Ralf Müller den Pokalärger. Uwe Naumann wartet ab, ob das mit dem Namensschild nun wie versprochen klappt: „Ich lehne mich zurück und schaue schmunzelnd dem Wespennest zu.“ – Zur Erinnerung: „Mensch ärgere dich nicht“ ist ein Spiel … (SZ/sab)