merken
PLUS

Wer gegen Lärm hilft, wird gewählt

In Coswig hat die sächsische Anti-Lärm-Allianz ein Memorandum verabschiedet. Das Bündnis will sich nicht nur gegen den Bahnlärm wehren.

© Norbert Millauer

Von Philipp Siebert

Sie kommen aus Coswig, Weinböhla, Radebeul, Großenhain, Deutschenbora, Leipzig und der Lausitz und haben alle das gleiche Problem: Verkehrslärm. Die sieben Bürgerinitiativen aus dem Freistaat haben deshalb in Coswig die sächsische Allianz für Lärmreduzierung gegründet und ein gemeinsames Memorandum verabschiedet. Die Gruppen kommen aus Orten, die seit Jahren unter dem Krach leiden und bisher keine deutlichen Verbesserungen durchsetzen konnten. Deshalb wollen sie sich nun gemeinsam gegen den Lärm auf den Schienen und Straßen wehren. Die Denkschrift wird jetzt an alle sächsischen Politiker geschickt, kündigt das neue Anti-Lärm-Bündnis an.

Anzeige
Wer wird Juniormeister im Handwerk?
Wer wird Juniormeister im Handwerk?

Mehr als ein Praktikum: Im Projekt Juniormeister können Schüler ihr Wunschhandwerk hautnah kennenlernen und sich ausprobieren.

Nachtfahrverbot gefordert

Wie Michael Krebs von der Coswiger Bürgerinitiative Bahnemission Elbtal sagt, werden sich die Vereine mit gebündelten Kräften dafür einsetzen, dass Lärm als landesweites Problem wahrgenommen wird. Die Ziele sind im Coswiger Memorandum klar definiert: Neben einer gesetzlichen Regelung zum Schutz vor Verkehrslärm fordert das Bündnis Nachtfahrverbote zur Gewährleistung der Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr, Tempolimits für Güterzüge, mehr Geld für die Lärmsanierung von Bahnstrecken und Straßen, striktere Beschränkungen für Lkw-Durchgangsverkehr innerhalb von Ortschaften, die Umsetzung der Lärmaktionspläne der Kommunen, einen Rechtsanspruch auf Lärmschutz und die schnellere Umrüstung der Güterwaggons auf leisere Bremsen. „Außerdem wollen wir zukünftig bei der Planung neuer Verkehrsprojekte mitreden und dafür sorgen, dass der Verkehrslärm als Gesamtlärmbelastung behandelt wird“, sagt Krebs.

Damit will die Allianz Politiker im bevorstehenden Landtagswahlkampf konfrontieren. „So kurz vor den Wahlen im August setzen wir damit ein Zeichen“, sagt Krebs. So werde deutlich, wie viele Bürger in Sachsen vom Verkehrslärm betroffen sind. Die Politiker sollen damit dazu gebracht werden, darüber nachzudenken, um wie viele Wählerstimmen es geht. „Die Politik muss endlich etwas ändern.“

Wie viele betroffene Bürger die Allianz vertritt, wollte Krebs nicht abschätzen. Es seien aber Tausende, die seit Jahren unter Verkehrslärm leiden. Zwischen Bad Schandau, Coswig, Weinböhla und Großenhain sind vor allem laute Güterzüge das Hauptproblem – insbesondere seit Ausbau einiger Bahnstrecken, wie etwa der Trasse zwischen Dresden und Berlin.

Von Bahnlärm betroffen sind auch die Anwohner des nördlichen Leipziger Güterrings. Seit über zehn Jahren wird an der Strecke gebaut. Die Züge rollen dort jetzt schneller über die Gleise. Einen Lärmschutz für die Anwohner gibt es bisher aber nicht.

Ähnliches droht den Bürgern in der Lausitz. Dort saniert die Bahn die Niederschlesische Magistrale zwischen Klitten und der polnischen Grenze. In drei Jahren wird sie vollständig in Betrieb genommen. Einen Lärmschutz für Anwohner soll es nach den bisherigen Plänen jedoch nur in wenigen Bereichen geben.

In Radebeul oder Deutschenbora bei Meißen schlägt den Menschen dagegen der Lärm von Durchgangsstraßen, Autobahnen oder Autobahnzubringern aufs Gemüt. Eine spezielle Asphaltschicht könnte helfen, die Straßen leiser zu machen. Doch bisher gibt es keine Fördermittel, um den Flüsterasphalt einzusetzen.

Die Finanzierung von wirksamem Lärmschutz auf der Straße oder entlang der Schienen scheitert oftmals an gesetzlichen Vorgaben. So wurden viele Trassen von Straßen oder Eisenbahnen nur saniert, nicht aber wesentlich verändert oder erweitert. Lärmschutzwände beispielsweise werden in der Regel nur dann bezahlt, wenn die Verkehrsader neu gebaut, verbreitert oder verlagert wurde. Auch dagegen will sich die Allianz wehren.

Unterschriftensammlung geplant

Arbeitsgruppen innerhalb des Bündnisses sollen nun konkrete Maßnahmen zum Schutz der Bürger formulieren. Regelmäßig wollen sich die Lärmgegner nun treffen und die Forderungen besprechen. Daneben sind gemeinsame Aktionen vor der Landtagswahl geplant. „Mit einer sachsenweiten Unterschriftensammlung werden wir beginnen“, kündigt Krebs an.