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Großenhain

Wer ging dem Windschutz an den Kragen?

Ein Grünstreifen bei Colmnitz ist von der Agrargenossenschaft Wülknitz erheblich gestutzt worden. Muss das sein, fragt ein Leser. Ja, sagt der Geschäftsführer.

Karsten Werner zeigt den Bereich, wo die Hecke fast bodengleich abgeschnitten wurde. Dahinter steht sie noch. Doch die Radikalkur hat ihren Sinn.
Karsten Werner zeigt den Bereich, wo die Hecke fast bodengleich abgeschnitten wurde. Dahinter steht sie noch. Doch die Radikalkur hat ihren Sinn. © Anne Hübschmann

Großenhain. Rechtwinklig zur Bundesstraße zwischen Wildenhain und Glaubitz erstreckt sich ein rund 700 Meter langer Windschutzstreifen. Er soll in den 60er, 70er Jahren angelegt worden sein. Bäume und Sträucher bieten einen Schutz nicht nur gegen den Wind, sondern auch für Vögel, wissen Ornithologe Raik Werner und sein Bruder Karsten aus Glaubitz.

Umso erstaunter waren sie, als kürzlich dieser Grünstreifen erheblich gekürzt wurde. „Wir wundern uns, wenn die Vögel wegbleiben, aber hier wurde ihnen doch Lebensraum entzogen“, so die Werners.

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Die Colmnitzer Ortsvorsteherin Annekatrin Bach hat das auch bemerkt. „Es ist richtig radikal herunterrasiert, ich hab ähnlich entsetzt reagiert“, sagt die Colmnitzerin. Der Grünstreifen sei wichtig, auch für die Vögel. „Außerdem wurde nun nach dem radikalen Schnitt Müll sichtbar, der sich in der Hecke verfangen haben muss“, sagt Annekatrin Bach.

Abgestimmt mit dem Naturschutz

Thomas Keil ist Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Wülknitz, zu der die Hecke gehört. Er ist für die Maßnahme verantwortlich und kann die Bedenken erst mal verstehen. „Das sieht tatsächlich erst mal gerupft aus.“ Aber er beruhigt: „Das ist alles mit der Unteren Naturschutzbehörde und einer Fachbehörde in Kamenz abgestimmt“, sagt Keil.

Das teilweise Stutzen der Hecke sei ein Modellprojekt, um den hohen Unterhaltungsaufwand für den Streifen zu minimieren. Das trägt auch der regionale Landschaftspflegeverband mit, der vom Elbe-Röder-Dreieck gebildet wurde. „Die Hecken und Sträucher sind einfach ausgewuchert, der Totholzanteil ist hoch, die Bäume brechen weg“, so Thomas Keil. Gemeinsam mit dem Nabu sei deshalb das Modell der dreijährigen Pflege durch „auf den Stock setzen“ entwickelt worden. Jedes Jahr werde dabei ein Drittel der Hecke gestutzt. „Die Vögel können in der Zeit auf den übrigen Bereich ausweichen“, erläutert der Geschäftsführer. Dabei werde auch erreicht, dass standortgerecht Pflanzen erhalten und fremde entnommen werden.

Die fachliche Beratung zieht zudem in Betracht, dass die gestutzten Bereiche in kürzester Zeit wieder um anderthalb bis zwei Meter wachsen werden. Thomas Keil: „Voriges Jahr haben wir das schon an der Betonstraße von Peritz nach Koselitz gemacht.“ Dort könnte man sehen, wie rasch die Hecke nachwächst.

Dafür gab es Fördermittel

Für die Pflege des Windschutzstreifens gab es für die Agrargenossenschaft mit Sitz in Peritz sogar Fördermittel. Die Bauern haben also nicht maßlos überzogen. Thomas Keil meint dennoch, dass der eine oder andere Baum vielleicht mal nachgepflanzt werde. Doch das Pilotprojekt habe sich auch schon anderswo bewährt, zum Beispiel in Norddeutschland.

Bleibt allerdings die Frage, wer sich nun für die Entsorgung des liegengebliebenen Mülls opfert?