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Wer hat, der hat

Das weltweite Geldvermögen steigt auf Rekordhoch. Die Deutschen stagnieren im Mittelfeld. Dafür gibt es drei Gründe.

© action press

Von Jörn Bender und Friederike Marx

Die Welt ist reich – und sie wird immer reicher. Nach Berechnungen des Versicherungskonzerns Allianz kletterte das weltweite Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte binnen Jahresfrist um 7,1 Prozent auf den Rekordwert von 169,2 Billionen Euro. Berücksichtigt werden dabei Bankeinlagen, Wertpapiere sowie Versicherungen und Pensionsfonds, nicht jedoch Immobilien. Fast die Hälfte der gewaltigen Summe konzentrierte sich Ende 2016 in Nordamerika.

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Und dank des Börsenbooms werden viele Menschen in der reichsten Region der Erde ganz ohne eigenes Zutun immer wohlhabender. „In anderen Ländern lassen die Leute das Geld für sich arbeiten, in Deutschland müssen wir für das Geld arbeiten“, bilanzierte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise bei der Vorstellung des „Global Wealth Reports 2017“ am Mittwoch.

Die Deutschen gelten als Sparweltmeister. Seit 2012 haben die Menschen hierzulande der Allianz zufolge etwa 310 Milliarden Euro ihrer Arbeitseinkommen statt in Konsum in den Vermögensaufbau gesteckt. Doch weil sich viele Anleger trotz extrem niedriger Sparzinsen nicht an die Börse trauen, wachsen die Vermögen hierzulande nicht so kräftig wie etwa in den USA, wo der Staat die Altersvorsorge über Aktien und Fonds steuerlich fördert.

Obwohl die großen Zentralbanken der Welt mit ihrer expansiven Geldpolitik den Zins quasi abgeschafft haben und Sparbuch, Tagesgeld und Co. deshalb kaum noch Rendite abwerfen, landen dort im Schnitt zwei Drittel des Geldes, die neu angelegt werden – und das nicht nur bei den börsenscheuen Deutschen.

Nach DZ-Bank-Berechnungen kostete die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Sparer in Deutschland in den Jahren 2010 bis 2016 Zinseinnahmen von 344 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr dürften weitere 92 Milliarden Euro hinzukommen. Selbst wenn man die Ersparnis abzieht, die sich durch günstigere Kredite ergibt, bleiben einschließlich des laufenden Jahres 248 Milliarden Euro Einbußen – macht 3 024 Euro je Bundesbürger.

Keine Chance, reich zu werden

„Einen erheblichen Teil der Rechnung für die expansive Geldpolitik zahlen die deutschen Sparer“, konstatiert DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier. „Es kommt de facto zu einer Umverteilung vom Sparer zum Staat. Was den Sparern an Zinszahlungen entgeht, sparen die Staaten bei der Refinanzierung ein.“

Aktien sind für die Masse der Deutschen nach eigenem Bekunden keine Alternative. Nicht einmal jeder Zweite hält es einer aktuellen Forsa-Befragung zufolge für sinnvoll, wenigstens einen kleinen Teil des Ersparten an der Börse anzulegen. Steigende Aktienkurse locken demnach nur jeden Vierten. „Die Menschen wissen, wozu Aktienanlagen imstande sind. Aber das beziehen die meisten auf andere“, kommentiert Giovanni Gay, Geschäftsführer bei der Fondsgesellschaft Union Investment, in deren Auftrag die Forsa-Umfrage gemacht wurde. „Für sich selbst kommen viele gar nicht auf die Idee, dass sie über entsprechende Geldanlagen am gesellschaftlichen Wohlstand besser partizipieren können.“ Trotz allem: In der Summe sind die Deutschen so reich wie nie. Nach jüngsten Zahlen der Bundesbank stieg das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland im ersten Quartal des laufenden Jahres auf den Rekordwert von rund 5 676 Milliarden Euro. Auch die Notenbank berücksichtigt in ihrer Studie Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Ansprüche an Versicherungen – nicht jedoch Immobilien.

Im weltweiten Vergleich der Länder mit den reichsten Privathaushalten jedoch landet Deutschland nur im Mittelfeld: Beim Netto-Geldvermögen pro Kopf – also abzüglich der Schulden – belegt Europas größte Volkswirtschaft in der Allianz-Studie, die 53 Länder untersucht, den 18. Platz (49 760 Euro). Beim Brutto-Vermögen kommt Deutschland auf Platz 19 (70 350 Euro). Auf den beiden vorderen Plätzen landen mit großem Abstand die USA und die Schweiz.

Das verhältnismäßig schlechte Abschneiden Deutschlands erklären die Allianz-Experten mit zwei Faktoren: Wegen der Teilung des Landes sei „knapp ein Fünftel der Bevölkerung jahrzehntelang der Möglichkeit beraubt“ worden, privates Vermögen aufzubauen. Gut 25 Jahre nach der Wiedervereinigung seien die Geldvermögen in Ostdeutschland im Schnitt halb so hoch wie im Westen der Bundesrepublik. Zudem galt die gesetzliche Rente in Deutschland lange als sicher – privat fürs Alter vorzusorgen, erschien obsolet. (dpa)