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Wer hilft in Naundorf gegen die Schlammlawine?

Das Unwetter am Wochenende hatte auch den Ort bei Gaußig geflutet. Anlieger fühlten sich alleingelassen.

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Es goss in Strömen, und auf den Regen folgte der Schlamm. Am letzten Wochenende kam es vielerorts ganz schön dick. Ob Schönbrunn, Ohorn oder Zittau – überall verwandelte der unwetterartige Regen am Sonnabendabend Straßen in Schlammpisten, ergoss sich in Keller und auf anliegende Grundstücke. Überall war die Feuerwehr im Einsatz, um zu helfen. Auch in Naundorf bei Gaußig waren große Teile der Hauptstraße binnen kurzer Zeit nicht mehr wiederzuerkennen. „Die Straße war ein einziger See. Es kam vom Gickelsberg und den anderen Nebenstraßen“, beschreibt Doreen Janetz, die gerade von Bautzen kam und nach Hause wollte. „Unser Regenmesser war komplett voll.“ Ein Nachbar habe 58 Millimeter gemessen.

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In Naundorf wartete man allerdings vergeblich auf Hilfe durch die Feuerwehr. „Warum wurde keine Sirene ausgelöst?“, fragt eine Anwohnerin, die zwar selbst nicht direkt betroffen war, aber sah, wie andere Anlieger mit der braunen Brühe kämpften, die sich auf ihre Grundstücke ergoss. Auf der Hauptstraße habe der Schlamm noch am Montag stellenweise zentimeterdick gelegen. „Hat keiner mehr das kleine Dorf im Tal auf dem Plan?“

Doberschau-Gaußigs Bürgermeister Michael Schulze (CDU) bedauert, dass es so gelaufen ist. Er habe erst spät durch Zufall von der Situation in Naundorf erfahren. Beim Dorffest im nur wenige Kilometer entfernten Gnaschwitz, wo es nur wenig geregnet hatte, hätten Besucher davon erzählt. Er sei dann nachts um zwei noch nach Naundorf gefahren, „aber da war alles schon vorbei“. Die Leute hatten zum Teil selbst Sandsäcke gelegt.

Am Tag danach habe er dann zu hören bekommen, dass ein Feuerwehrmann zwar durch den Ort gefahren war, aber keine Hilfe geholt hatte. Schulze sagt, er habe mit dem Kameraden gesprochen. Demnach habe dieser es nicht für notwendig erachtet, die Wehr zu alarmieren. Nur Stunden nach dem Gespräch habe der Kamerad dann gegenüber der Gemeinde seinen Austritt aus der Feuerwehr erklärt. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass es so gelaufen ist“, sagt Schulze. Er will diesen Vorfall nun mit der Feuerwehr auswerten. Er wundert sich aber auch, dass niemand aus dem Ort einfach die 112 gewählt und die Leitstelle verständigt hat. Das sei im Notfall der schnellste Weg, um die Feuerwehr zu alarmieren.

Straßen und Grundstücke wurden in Naundorf nicht zum ersten Mal überspült. Das langgestreckte Dorf ist von Feldern umgeben, von denen das Wasser in den Ort fließt. Und wenn wie jetzt gerade geackert wurde, kommt viel Erde mit. Bis gestern hatten Mitarbeiter des Bauhofes der Gemeinde zu tun, den von den Anliegern an den Straßenrand geschaufelten Schlamm wegzufahren. Der Flutgraben sei an mehreren Stellen über die Ufer getreten, sagt Schulze. Er hofft, dass sich das Problem im Zuge des Straßenbaus zumindest eindämmen lässt. Denn dabei wird auch die Entwässerung erneuert, dann könne das Wasser schneller abfließen. Der erste Straßenabschnitt ist fast fertig, der liegt allerdings nicht im überschwemmungsgefährdeten Tal, sondern am höher gelegenen Ortsausgang Richtung Tröbigau. In den nächsten beiden Jahren soll der Ausbau weitergehen.

Ein Konzept für den Hochwasserschutz am Schwarzwasser wurde schon nach der Flut vom August 2010 in Auftrag gegeben. Das liegt laut Schulze immer noch bei den Behörden zur Prüfung. Ärgerlich für die Anlieger, die immer wieder mit Überflutungen rechnen müssen. So hat es die Physiotherapie Sinram in Naundorf schon zum dritten Mal erwischt.

Aber auch die Nachbarorte Cossern und Zockau blieben von dem Unwetter nicht verschont. Dabei waren in Cossern nach langwierigem Hin und Her endlich die drei Durchlässe erneuert worden, die beim Hochwasser von 2010 Schaden genommen hatten. Am Montag sollte Bauabnahme sein. Doch der Starkregen am Sonnabend hat Schotter ausgespült, mit dem die Sohle des Bachbettes befestigt wurde. Die Steine liegen jetzt in den Durchlässen und verringern den Durchfluss. „Dabei wollten wir die Situation verbessern“, sagt Schulze verärgert. Nun müsse geklärt werden, ob vielleicht falscher Schotter verwendet wurde. Das Umweltamt prüft, die Abnahme wurde deshalb auf nächste Woche verschoben, sagt Landkreissprecher Gernot Schweitzer. Auf ein Wort