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Wer ist am schnellsten auf dem Baum?

Ein ungewöhnlicher Wettkampf wird ab Freitag im Schlosspark Rammenau ausgetragen. Am Start: Profis aus Ostdeutschland.

Gregor Hansch will hoch hinaus – in einen Baumwipfel. Der Berliner ist Baumpfleger und derzeit im Rammenauer Schlosspark im Einsatz. Bis Sonntag findet hier zugleich die Ost-Meisterschaft der professionellen Baumkletterer statt.
Gregor Hansch will hoch hinaus – in einen Baumwipfel. Der Berliner ist Baumpfleger und derzeit im Rammenauer Schlosspark im Einsatz. Bis Sonntag findet hier zugleich die Ost-Meisterschaft der professionellen Baumkletterer statt. © Steffen Unger

Rammenau. Im Schlosspark kreischten diese Woche täglich Motorsägen. Maximilian Becker, Muck Oppolzer und Jan Pepelow – kurz Pep genannt – gehörten zu den Krachmachern. Kein Wunder: An den Bäumen des etwa fünf Hektar großen Geländes waren umfangreiche Baumpflegearbeiten im Gange. Mit Gurt, Seil und Helm ausgerüstet turnte deshalb ein reichliches Dutzend Baumpfleger von Montag bis Donnerstag im Auftrag der Sächsischen Schlösserverwaltung in den Wipfeln der Bäume herum.

Viele der Wipfelstürmer arbeiten als Ein-Mann-Unternehmen. Ganz für sich allein werkeln die Gehölz-Experten aber trotzdem nicht. Die Baumkletterer seien wie eine große Familie, verrät Muck Oppolzer. „Und sehr gut vernetzt.“ Wenn jemand einen umfangreichen Auftrag erhalten hat, hole er sich Subunternehmer in der Community. So, wie bei dem Job im Rammenauer Schlosspark, wo 130 Bäume zu pflegen waren. Für einen allein kaum zu schaffen. Also stiegen 15 Leute aus der ganzen Republik ins grüne Blätterdach des Parks. Ausgerüstet mit Hand- und Motorsägen beschnitten sie die Bäume so, dass die Verkehrssicherheit im Park gewährleistet bleibt. „Dabei gehen wir behutsam vor.“

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Baumkletterer werden überall dort eingesetzt, wo man mit Leitern oder Arbeitsbühnen nicht weiterkommt. Sie entfernen tote Äste, bevor diese herunterfallen können, lichten Kronen oder fällen auch mal einen kranken Baum. Auftraggeber sind oft Kommunen. Denn jeder im öffentlichen Raum stehende Baum muss mindestens einmal im Jahr auf seinen Zustand überprüft werden. „Immer abwechselnd im belaubten und unbelaubten Zustand“, so Pep.

An Arbeit mangele es da nicht. Zumal viele zivilisatorische Stressfaktoren den Straßen- und Parkbäumen zu schaffen machen. Ein Saisonjob sei die Baumpflege längst nicht mehr, so Maximilian Becker. Inzwischen gebe es auch im Winter genug zu tun. Denn in der Regel dürfen Bäume nur in der Vegetationsruhe von Oktober bis Februar gefällt werden.

Baumpfleger ist ein vergleichsweise junger Beruf, erzählt Maximilian Becker. Eine Ausbildung gebe es aber (noch) nicht. Entscheidend sei, dass man die Seilklettertechnik fürs Besteigen der Bäume, lernt und beherrscht. Dafür, kann man entsprechende Kurse belegen. Außerdem müsse man sich das nötige Fachwissen aneignen. Außerdem sollte man nicht ganz unsportlich sein. Denn bei Wind und Wetter in Bäumen klettern und mit der Motorsäge arbeiten, ist anstrengend und verlangt körperliche Fitness.

Um der Öffentlichkeit Einblick in ihre Arbeit zu geben, organisieren die Wipfelstürmer seit drei Jahren regionale Baumklettermeisterschaften. „In den USA und Großbritannien gibt es solche Wettbewerbe schon lange. In Deutschland seit den 1990er-Jahren.“ Die Ost-Meisterschaft findet diesmal in Rammenau statt. Am Eichendamm – direkt neben dem Schlosspark – werden sechs bis sieben mächtige Eichen als Wettkampfbäume auserkoren. Von Freitag bis Sonntag messen die Teilnehmer in den Disziplinen Arbeitsklettern, Schnellklettern, Aufstiegstechnik, Werfen und Höhenrettung ihr Können und hoffen natürlich auf viele neugierige Zuschauer. 24 Baumkletterer haben sich bisher angemeldet. Bei der Aktion geht es zwar um Sport, aber auch um Spaß und nicht zuletzt darum, Bäume zu schützen, so die drei Experten, die zu den Mitorganisatoren des Wettstreits gehören. Denn Bäume seien enorm wichtig für Lebensqualität.

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