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Der Dresdner Spotify-Star, den keiner kennt

Die deutschen Streamingcharts sind in der festen Hand von Straßenrap. Doch nicht in Dresden, hier stößt klassische Musik Capital Bra vom Thron.

Seine Fahrstuhlmusik beherrscht die Streamingcharts in Dresden.
Seine Fahrstuhlmusik beherrscht die Streamingcharts in Dresden. © Ronny Matthes

Musikalische Vielfalt - Fehlanzeige: Ob in Hamburg, Leipzig oder Berlin. In den Jugendzimmern der Republik läuft Capital Bra in Dauerschleife. Und darauf kommt es schließlich an, wenn man die Streamingcharts beherrschen möchte. Nur in Dresden gibt es eine Überraschung - abseits vom dreckigen Straßenrap. 

Hier führt Ronny Matthes die Spotify-Jahrescharts an. Ein Künstler, der eher aus Fahrstühlen, statt aus Kinderzimmern schallt. Von seinem Triumph erfährt erst am Mittwoch durch die SZ und konnte kaum glauben, dass er in Dresden mehr gestreamt werden soll als Capital Bra oder Rammstein. "Aber ich bin natürlich froh, dass sich das hier in meiner Heimatstadt widerspiegelt."

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Um mit gemafreier Hintergrundmusik, hauptsächlich Weihnachtsliedern in die Charts zu schießen, dafür hat Matthes einiges getan. Anders als die dominierenden Rapper hat er seine Lieder nicht so durchoptimiert, dass sie die richtige Länge haben und sofort ins Ohr gehen. Matthes hingegen spielte sich über Jahre hinweg in die Ohren der Dresdner. Ob in der Altmarkt Galerie, Hotels oder auf Hochzeiten. Seine Klavierklänge hat bestimmt jeder Dresdner mal so nebenbei gehört. 

2006 zieht der gelernte Koch von Eberswalde nach Dresden, um fortan nur noch als Pianist zu arbeiten. An manchen Tagen spielt er sogar auf zwei verschiedenen Veranstaltungen. "Manchmal bin ich nach dem ersten Auftritt weiter ins Hotel gehetzt, um da bis halb drei nachts weiterzuspielen."

© Ronny Matthes

Nicht die dankbarste Aufgabe: Vor allem sein Familienleben leidet unter dem enormen Stress. Deshalb orientiert sich Matthes nach sieben Jahren um und nimmt seine Klavierstücke auf. Seine Musik spielt weiterhin in Hotels, Bäckereien und auf Weihnachtsmärkten - kommt allerdings aus CD-Spieler und mittlerweile wohl von Spotify. Anders kann er sich seinen Charterfolg nicht erklären.

Über den Streamingdienst ist seine Musik permanent verfügbar, günstiger als alles andere und verschreckt keine Gäste. Damit sind die wichtigsten Kriterien, nach denen Hotelbetreiber Hintergrundklänge auswählen, erfüllt. Origineller Nebeneffekt: Dresden hat dadurch plötzlich seinen ureigenen Hitparaden-König.

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Doch um mit Spotify richtig Geld zu verdienen, ist es wichtig, unglaublich viele Songs zu veröffentlichen. Das führt dazu, dass manche Streamingsstars fast im Wochentakt neue Songs veröffentlichen. Doch mit über 1.000 veröffentlichten Songs steckt Ronny Matthes jede Konkurrenz locker in die Tasche. Ein christliches Arrangement schaffte es sogar auf mehrere internationale Playlists. Achten Sie mal beim nächsten Sommerurlaub darauf, vielleicht läuft eine von Matthes-Coverversionen in der Hotellobby.

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