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Wer küsst Schneewittchen wach?

Eine Kamenzer Initiative sieht in einer Landesgartenschau ein würdiges Jubiläumsevent im Jahr 2025.

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Auch die Schneewittchensiedlung könnte zum umgestalteten Areal einer Landesgartenschau in Kamenz werden, heißt es.
Auch die Schneewittchensiedlung könnte zum umgestalteten Areal einer Landesgartenschau in Kamenz werden, heißt es. © Anne Hasselbach

Kamenz. Kamenz arbeitet seit zwei Jahren an einem neuen Leitbild – noch immer ohne Ergebnis. Auf der anderen Seite wird jetzt über mögliche Feierlichkeiten zum 800. Stadtjubiläum im Jahr 2025 diskutiert. Vielleicht bekommen wir beides ja zusammen? Es ist nämlich abzusehen, dass die Wirkung und Umsetzung eines Leitbildes nur mit Schlüsselprojekten möglich werden wird. Es gibt zum Beispiel die Idee, Kamenz „als vitale und grüne Kommune“ weiterzuentwickeln. Dabei steht auch eine mögliche Bewerbung zur Landesgartenschau 2025 (Laga) im Raum. Auch mit Blick auf das Stadtjubiläum. Bereits im August 2018 gab es die Bitte von Stadträten, Ausschussmitgliedern und dem Verein Stadtwerkstatt-Bürgerwiese an das Rathaus, die Laga-Idee aufzugreifen. Leider gab es dazu bis heute nichts offizielles – offenbar auch nicht im jüngsten Kulturausschuss.

Die Landesgartenschau kann eine Chance sein, den Leitbildmotiven zu entsprechen und Maßnahmen beherzt anzugehen. Sie kann Defizite in der Stadtentwicklung regulieren, was kurz- und mittelfristig eben nicht ohne fremde Kräfte machbar ist. Vielleicht ist das sogar eine entscheidende Chance für einen echten Entwicklungsschub in unserer Stadt? Stellen wir uns doch in diesem Zusammenhang einfach mal die Revitalisierung von Brachen im Bereich des alten Glaswerkes, des Bahngeländes und der Schneewittchensiedlung vor. Dabei werden auch Chancen für neue Entwicklungsgebiete eröffnet, nach denen so oft verlangt wird. Vielleicht lässt sich hier auch eine Brücke bauen zu einer erweiterten, kultivierten Sport- und Freizeitanlage im Bereich des alten Stadtbades, des Jahnsportplatzes und zu einem Projekt-Schulgarten am neu eröffneten Lessinggymnasium? Der Hutberg als beliebtes Ausflugsziel könnte bei einer Bewerbung eine Funktion als bestehendes Kleinod übernehmen. Auch hier ließen sich Potenziale im Rahmen einer Gartenschau noch nachhaltiger entwickeln, denn Kamenz muss seine Willkommenskultur bis 2025 weiter ausbauen.

Es soll endlich klappen

Ich möchte als Kamenzerin unbedingt dafür werben, sich im Zusammenhang mit dem Stadt-Jubiläum auch einmal ernsthaft die Frage zu stellen, wie wir unsere Stadt bis dahin eigentlich entwickelt haben wollen, welche Projekte wir dafür angehen müssen und welches Geld dafür jetzt schon im Haushalt eingestellt werden muss? Eine wirklich bürgerfreundliche, städtische Leitbild- und Projektarbeit müsste freilich die öffentliche Auseinandersetzung mit einem Bewerbungsversuch ebenso einschließen, wie einen möglichen Bürgerhaushalt. Deshalb steht für mich und für viele meiner Mitstreiter, allen voran auch Stadtrat Sandro Gebler, der Versuch einer Bewerbung zur Landesgartenschau für das Jubiläumsjahr 2025 weiter ernsthaft im Raum. Wir sollten alles dafür tun, dass es beim dritten Mal endlich klappt! Die Effekte einer solchen Maßnahme wären bei Weitem nachhaltiger als ein zweiter „Tag der Sachsen“, der jede Menge Geld und Ressourcen bindet, die wir an anderer Stelle dringender nötig hätten.

Ich ersuche deshalb alle Stadträte – auch jene, die erst im Mai ihr Mandat erhalten –, den OB sowie die Bürgerschaft den Vorschlag für die Ausrichtung der Landesgartenschau 2025 in die Debatte aufzunehmen, wohlwollend zu prüfen und Beschlüsse fristgerecht zu fassen. Wir sollten bei allen Entscheidungen für die Stadt immer an die Enkel denken – ein sachsenweiter Festumzug durch Kamenz zieht weiter, ein revitalisiertes Industrie- oder Bahngelände aber würde bleiben. Die nachfolgenden Generationen würden es uns danken.

Stellen wir uns mit gebündelter Kompetenz aus Stadtverwaltung und Bürgerschaft, viel Leidenschaft für die Sache und Mut den Herausforderungen unserer Stadt. Vielleicht gelingt es uns sogar, das Schneewittchen wach zu küssen? Lasst uns den Boden bearbeiten, säen, pflegen und danach die Früchte ernten. Einen Grund, ordentlich zu feiern, finden wir dann ja erst recht.

Die Autorin Anne Hasselbach ist freie Fotografin und Gestalterin und u.a. City-Managerin in Kamenz.