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Wer löst das Parkchaos im Kirnitzschtal?

Urlauber und Ausflugsgäste bevölkern wieder die Sächsische Schweiz und sorgen für ersehnten Umsatz in der Region. Das Problem: Zu viele kommen mit dem Auto.

Wildes Parken auf dem Randstreifen: Der Fahrer dieses Autos hat ein Ticket kassiert.
Wildes Parken auf dem Randstreifen: Der Fahrer dieses Autos hat ein Ticket kassiert. © Stadt Sebnitz

Die Touristen sind zurück in der Sächsische Schweiz, und das ist erfreulich. Nach Wochen ohne jeglichen Umsatz infolge der Corona-Pandemie hoffen Gastwirte, Vermieter, deren Mitarbeiter und alle anderen, die direkt oder indirekt vom Besucherverkehr leben, auf eine halbwegs auskömmliche Rest-Saison.

Doch mit der Rückkehr der Gäste kehren auch altbekannte Verkehrsprobleme zurück. Das Kirnitzschtal ist an schönen Wochenenden komplett zugeparkt. Allein am Samstag des Pfingstwochenendes hat das Sebnitzer Ordnungsamt dort 177 Strafzettel verteilt - an einem einzigen Tag. Wenn die Wanderparkplätze voll sind, was oft schon am Vormittag der Fall ist, lassen bleiben die Autos einfach am Straßenrand stehen.  

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Auto an Auto, wo eigentlich keins stehen dürfte: Das gewohnte Bild an einem Wochenende im Kirnitzschtal.
Auto an Auto, wo eigentlich keins stehen dürfte: Das gewohnte Bild an einem Wochenende im Kirnitzschtal. © Stadt Sebnitz

Gemeinsam haben die Städte Sebnitz und Bad Schandau jetzt angekündigt, künftig stärker zu kontrollieren. Verschärfte Kontrollen werden das Parkproblem im Kirnitzschtal aber nicht lösen. Dessen ist man sich auch in den Rathäusern bewusst. Der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) beschrieb das Dilemma unlängst so: "Wer aus Leipzig anreist mit drei Kindern im Auto und schon eine Stunde nach einem Parkplatz sucht, der ist auch bereit 25 Euro für ein Knöllchen zu akzeptieren."

Auch Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack (WV Tourismus) machte, in einer öffentlichen Ratssitzung auf die Verkehrsproblematik angesprochen, wenig Hoffnung auf eine kurzfristige Lösung. Umfassend werde sich diese Frage nur mit einem Verkehrskonzept für die gesamte Sächsische Schweiz klären lassen, erklärte Kunack. 

Als Bausteine für ein solches Konzept sind unter anderem ein großer Auffangparkplatz in Leupoldishain bei Königstein, Pendelbusse und die Verlängerung der Kirnitzschtalbahn bis zum Nationalparkbahnhof in Bad Schandau im Gespräch.

Die Kirnitzschtalbahn passt oft nur knapp an den illegal abgestellten Autos vorbei.
Die Kirnitzschtalbahn passt oft nur knapp an den illegal abgestellten Autos vorbei. © Stadt Sebnitz

Seit zweieinhalb Jahren existiert eine AG Kirnitzschtal. In der Arbeitsgemeinschaft sitzen die Nationalparkverwaltung, der Verein Landschaf(f)t Zukunft, die Straßenmeisterei, der Regionalverkehr RVSOE, Gastwirte und die Bürgermeistern von Sebnitz, Bad Schandau und Rathmannsdorf zusammen und beratschlagen über Lösungen für das Verkehrsproblem. 

Sächsische.de stellt die zentralen Optionen und die jeweiligen Hürden vor:

Digitales Parkleitsystem

Ein Weg, das Parkchaos zu ordnen, wäre ein digitales Parkleitsystem, wie es in vielen größeren Städten existiert. Auf elektronischen Anzeigetafeln an den Eingängen des Tales sehen Autofahrer, auf welchem Parkplatz welche Anzahl an Plätzen frei ist. Ist alles belegt, fährt der vernunftbegabte Autofahrer - so die Hoffnung - gar nicht erst ins Kirnitzschtal hinein. 

Die Umsetzung scheiterte laut Auskunft der Stadt Sebnitz bisher an der fehlenden Internetanbindung. Entlang des Kirnitzschtals liegt kein Glasfaserkabel, und auch eine Funklösung ist nicht brauchbar. Das weiß jeder, der schon mal versucht hat, aus dem Tal heraus mit seinem Handy zu telefonieren. Es gibt einfach keinen Empfang. 

Zusätzliche Parkplätze

Eine andere Möglichkeit, das wilde Parken zumindest einzudämmen, wären zusätzliche Parkflächen. Schon topographisch ist der Platz im Kirnitzschtal aber beschränkt, in weiten Teilen reicht zudem der Nationalpark praktisch bis an die Straße. 

Die Stadt Sebnitz hat im vergangenen Jahr die Brachflächen des früheren Ferienheims Beuthenfall und der Haidemühle gekauft. Am Beuthenfall sollen anstelle das abrissreifen Bettenhauses einige neue Parkplätze entstehen. Für die Ruine der Haidemühle, kurz unterhalb des Lichtenhainer Wasserfalls gelegen, ist die Zukunft noch offen. 

Für dieses Areal hatte der frühere Betreiber der Bergwirtschaft auf dem Großen Winterberg vor einigen Jahren ein Konzept für einen Wanderparkplatz vorgelegt. Dafür gab es aus Naturschutzgründen damals keine Genehmigung.        

Verlängerung der Kirnitzschtalbahn

Die Verlängerung der Kirnitzschtalbahn wäre wohl der wirksamste Weg, der Autoschwemme Einhalt zu gebieten. Neben den historischen Wagen, könnten dann zusätzlich moderne Straßenbahnen durch das Tal rollen - von Nationalparkbahnhof Bad Schandau bis zur Neumannmühle oder sogar hinauf bis nach Hinterhermsdorf. Die Bahn wäre dann nicht mehr nur eine Touristenattraktion, sondern ein leistungsfähiges öffentliches Verkehrsmittel. 

Ob sich diese ambitionierten Pläne technisch und finanziell umsetzen lassen, wird derzeit in einer Machbarkeitsstudie untersucht. Der kritischste Punkt ist die Trassenführung durch die Bad Schandau Innenstadt. Erste Ergebnisse sind im Herbst zu erwarten.     

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Um das Parken am Straßenrand komplett zu unterbinden, könnten auch einfach physische Barrieren errichtet werden. In den vergangenen Jahren wurde das schon einmal mit Holzstämmen versucht. Die Anliegerkommunen Sebnitz und Bad Schandau wollen jetzt unter anderem versuchen, die weiter entfernt liegende Ausweichparkplätze  besser auszuschildern. Dann müssten die Besucher des Kirnitzschtals aber auch längere Fußwege in Kauf nehmen. 

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