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Wer macht so etwas?

In Sadisdorf wurden Blumen von frisch geschmückten Gräbern gestohlen. Die Angehörigen sind betroffen.

Von Franz Herz

Der Frost ist aus dem Boden. Die Sonne scheint. Es ist Pflanzzeit, auch auf den Friedhöfen im Osterzgebirge. So ist auch Heike Göbel aus Obercarsdorf vergangene Woche zum Grab ihres Mannes gegangen, das auf dem Friedhof in Sadisdorf liegt, und hat es neu bepflanzt. „Mein Mann ist vor sieben Jahren gestorben und da will ich das Grab ja schön haben“, sagt sie. Am Mittwoch hat sie die neuen Pflanzen in die Erde gebracht. Aber am vergangenen Sonntag waren schon vier Stück davon gestohlen.

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In die Mitte hatte sie gelbe Blumen gesetzt, die aussahen wie Rosen. Die fehlen jetzt. Und direkt am Grabstein waren weiße, welche die unbekannten Diebe ebenfalls ausgegraben haben. Denn das sah man deutlich. Die Pflanzen waren nicht ausgerissen worden oder abgerupft, wie es vielleicht ein Tier machen würde. Nein, sie waren ordentlich herausgenommen worden. Die Familie versteht das nicht. Heike Göbels Tochter Anke Proft fragt dazu: „Wer macht so etwas? Ist das Armut oder einfach nur Skrupellosigkeit?“ Sie sieht den Friedhof als letzte Ruhestätte geliebter Familienmitglieder, als einen Ort der Besinnung, Ruhe und Erinnerung. Er bietet Trost für die Menschen, die sich mit Liebe und Hingabe um ein solches Grab kümmern, mit all den damit verbundenen kleinen und größeren Verpflichtungen. „Warum lässt sich jemand zu derart pietätlosen Taten treiben?“, fragt Anke Proft verständnislos.

Heike Göbel hat auch gesehen, dass auf anderen Gräbern ebenfalls Pflanzen fehlten. Der Diebstahl von ihrem Grab war also kein Einzelfall. Vielleicht sind die Diebe sogar am helllichten Tag gekommen. Der Friedhof in Sadisdorf liegt dann meist sehr ruhig.

Das ist nicht das erste Mal, dass Diebe in einen Friedhof eingedrungen sind. Kupferdiebe haben schon von verschiedenen Kirchen Dachrinnen abgerissen oder Bronzeschmuckstücke gestohlen. Manchmal treiben sich auch Tiere auf einem Friedhof herum, wenn die Türen nicht gut verschlossen sind oder der Zaun nicht dicht ist.

In Sadisdorf kam so etwas bisher nicht vor. Heike Göbel hat sich inzwischen um neue Pflanzen für das Grab ihres Mannes gekümmert. „Das muss schon schön bleiben“, sagt die Obercarsdorferin.