merken
PLUS Wirtschaft

Wer mit E-Scootern fährt und was das den Städten bringt

Welche Fahrten ersetzen die neuen Gefährte? Sind sie auch was für Nicht-Touristen? Aufklärung gibt eine Umfrage zur Nutzung der E-Scooter.

E-Scooter in einer Stadt.
E-Scooter in einer Stadt. © dpa

Von Ragnar Vogt

Seit Mitte Juni dürfen E-Scooter in Deutschland fahren, und genau seit dem Zeitpunkt können diese Gefährte in vielen Großstädten ausgeliehen werden. Das führt zu viel Kritik: Die Roller stellen den Bürgersteig zu, sie sind gefährlich für die Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer, heißt es.

Vor allem aber ist die Frage verbreitet: Braucht man die E-Roller überhaupt? Werden sie nicht nur von Touristen benutzt, die zum Spaß damit von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit brausen? Können sie eine Entlastung in den verstauten Großstadt-Straßen bringen, oder sind sie vor allem Elektroschrott, der nutzlos herumsteht?

Anzeige
Energisch zum Traumberuf
Energisch zum Traumberuf

Junge Menschen aufgepasst: Der ENSO-Ausbildungstag am 10. Oktober startet den eigenen Karrieremotor - jetzt auch digital!

Auch viel Hoffnung ist mit E-Rollern verbunden: Manche denken, sie wären ein wichtiger Baustein, um eines Tages eine funktionierende Mobilität in der Stadt zu bekommen, die klimaneutral ist und mit möglichst wenig privaten Pkw auskommt.

Nun gibt es eine groß angelegte Umfrage der Beratungsfirma Nunatak, die sich mit dem Nutzerverhalten von E-Rollern beschäftigt. Sie zeigt, dass weder die übertriebenen Befürchtungen noch die großen Hoffnungen berechtigt sind. Befragt wurden in den fünf Städten Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main, München und Köln jeweils 250 Menschen.

Kaum Autofahrten werden vermieden

Touristen waren nicht Teil der Untersuchung – nur Bewohner der Städte wurden für die Studie befragt. Dabei zeigte sich, dass 17,7 Prozent aller der Befragten regelmäßig mit geliehenen E-Scootern fahren. Von den neuen Mobilitätsangeboten werden damit die Roller nur getoppt vom Carsharing (29,7 Prozent) und Bike-Sharing (21,4 Prozent) – beides Dienste, die es schon seit vielen Jahren gibt.

Werden mit den E-Rollern klimaschädliche Autofahrten vermieden? Bei dieser Frage kommt die Untersuchung zu einer ernüchternden Antwort: Nur 21 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eigene Auto genutzt hätten, wenn es den Roller nicht gegeben hätte.

Vor allem ersetzt der Scooter wohl Fahrten mit Bus und Bahn: 64,5 Prozent gaben an, dass sie sonst mit öffentlichem Personennahverkehr gefahren wären, gefolgt von der Angabe „zu Fuß“ mit 49,1 Prozent. Hier zeigt sich, dass die Leih-Roller wohl vor allem als Ergänzung zur bestehenden Mobilität verstanden werden.

E-Scooter ersetzen vor allem den ÖPNV und Fußwege

Wie wären Sie ans Ziel gekommen, wenn Sie keinen E-Scooter genommen hätten?

© TS

Interessant, aber wenig überraschend ist die Altersverteilung: Junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren sind mit 42,7 Prozent mit Abstand die Hauptnutzer der motorisierten Leih-Roller. Mit zunehmendem Alter nimmt deren Anteil ab – bis hin zu den 56- bis 65-Jährigen, die nur einen Anteil von 3,9 Prozent unter den Rollerfahrern ausmachen.

Vor allem junge Menschen nutzen E-Scooter

© TS

Viele, die einen Roller ausprobieren, integrieren ihn auch schnell in den Alltag: Knapp jeder zweite nutzt den E-Scooter mindestens einmal pro Woche. Auch hier sind es vor allem die jungen Menschen, die gerne damit fahren. Aber auch noch 51,7 Prozent der 46- bis 55-Jährigen bewegt sich wöchentlich damit fort.

Fast jeder zweite fährt wöchentlich E-Scooter

© TS

Junge Menschen sind auch generell besonders aufgeschlossen gegenüber neuen Mobilitätsangeboten wie Car-, Roller- oder Bike-Sharing sowie Ride-Pooling zu nutzen.

Welche neuen Mobilitätsangebote nutzen Sie derzeit?

Weiterführende Artikel

Brauchen E-Scooter künftig Blinker?

Brauchen E-Scooter künftig Blinker?

Wenn es nach der Wunsch von Verkehrsexperten geht, dürfen Elektro-Tretroller nur noch mit Blinkern fahren. Es gibt aber noch weitere Forderungen.

Mit 1,55 Promille auf dem E-Scooter

Mit 1,55 Promille auf dem E-Scooter

Ein 26-Jähriger hat die Warnung seines Lime-Rollers ignoriert und wurde prompt erwischt.

E-Scooter-Fahrer schwer verletzt

E-Scooter-Fahrer schwer verletzt

Ein 24-Jähriger stürzte in der Nacht zum Samstag mit seinem Roller beim Überqueren der Hansastraße. Die Unfallursache war schnell gefunden.

Sind E-Scooter wirklich umweltfreundlich?

Sind E-Scooter wirklich umweltfreundlich?

TU-Professor Udo Becker hält nichts von den Elektrorollern. Er sagt: Nur die Verleiher haben wirklich etwas davon.

Anteil der Personen, die derzeitig einen Mobilitätsservice nutzen in Prozent

© TS

So gaben 70,1 Prozent der Befragten zwischen 18 und 25 Jahren an, mindestens einen dieser Dienste zu nutzen. Aber hier sind Ältere gut vertreten, selbst ein Viertel der 56- bis 65-Jährigen bewegt sich mit solchen Angeboten durch die Stadt.

Mehr zum Thema Wirtschaft