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Wer nicht zahlt, muss raus

Die Zahl der Zwangsräumungen ist hoch. Die Großvermieter greifen aber kaum zu diesem Mittel gegen Mietschuldner.

© picture-alliance/ dpa-tmn

Von Cathrin Reichelt

Mieter, die über einen längeren Zeitraum ihre Miete schuldig bleiben, müssen raus. In den Jahren zwischen 2007 und 2013 haben die Zwangsräumungen im Bereich des Amtsgerichtes Döbeln zugenommen. Sie seien um 28 Prozent von 54  auf 69 gestiegen, meinen die Grünen, die im Landtag eine entsprechende Anfrage gestellt haben.

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Zumindest für die vergangenen zwei Jahre kann Amtsgerichtsdirektor Lutz Hasselmann diesen Trend nicht bestätigen. Zwar hätten die acht Gerichtsvollzieher genügend zu tun, aber die Zahl der Räumungen habe abgenommen. „Im Jahr 2012 hatten wir 80 Eingänge von Räumungsklagen und haben 84 erledigt. Einige noch aus dem Vorjahr. Im vergangenen Jahr gab es 70 Eingänge, von denen 67 abgearbeitet wurden“, erklärt Lutz Hasselmann.

Im Altkreis Döbeln scheinen die Schuldner vor allem bei privaten Vermietern zu wohnen. Denn die Großvermieter haben schon länger keine Zwangsräumungen mehr in Auftrag gegeben. „Die letzte Zwangsräumung hatten wir im Jahr 2002“, sagt Ina Pugell, Geschäftsführerin der Waldheimer Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (WBV). Dass das Unternehmen wenig Probleme mit Mietschuldnern hat, führt die Chefin auf ein straffes Mahnwesen zurück. „Es gibt nur wenige Fälle, bei denen Schulden von zwei Monatsmieten zusammenkommen, und die wir dadurch kündigen könnten“, so Ina Pugell. Ihre Mitarbeiter seien nicht nur in dieser Beziehung sehr aufmerksam. Die Miete wird Anfang des Monats fällig. Ist sie zwei Wochen nach dem Termin noch nicht bei der WBV eingegangen, nehmen die Mitarbeiter Kontakt zu dem Mieter auf. Dabei würden die Menschen persönlich angesprochen, auch in Situationen, in denen ihnen das peinlich sein könnte. Das wirkt. „Wer mit uns redet, hat gute Karten“, meint die Geschäftsführerin.

Nütze aber auch das nichts, kündige die WBV den Mietern und bewege sie auszuziehen, bevor es zu einer Zwangsräumung kommt. Probleme gebe es vor allem mit jungen Leuten, die zum Beispiel nach dem Verlust ihres Jobs nicht in der Lage sind, Arbeitslosengeld und Wohngeld zu beantragen. Einige bekämen dann einen Betreuer, der die finanziellen Dinge regelt. Dadurch würden die Schulden auch nach dem Auszug der Mieter noch beglichen. Nur einer sei in der Vergangenheit unauffindbar untergetaucht.

Vor drei bis vier Jahren hat die Wohnungsgenossenschaft Süd in Roßwein einen Mieter vor die Tür gesetzt. „Grund dafür waren aber keine Mietschulden, sondern andere Unannehmlichkeiten“, erklärt Vorstand Manuela Greter. Ansonsten habe man sich mit den Mietern immer gütlich geeinigt. „Wir sind eine kleine Wohnungsgenossenschaft. Wenn es mal Probleme gibt, setzen wir uns mit den Leuten zusammen“, so Manuela Greter. Es gäbe immer die Möglichkeit, Rückstände abzustottern. Aber die seien ohnehin nie gravierend hoch.

Die Erste Wohnungsgenossenschaft Hartha musste im vergangenen Jahr eine Kündigung gerichtlich durchsetzen. „In diesem Jahr wird das wieder der Fall sein“, sagt Vorstand Petra Novak. Das sei aber das letzte Mittel. In erster Linie werde mit Gesprächen und Beratungen versucht, mit Mietern, die knapp bei Kasse sind, eine Lösung zu finden.

In 25 Jahren wurde in der Wohnungsgenossenschaft Leisnig nur eine Zwangsräumung notwendig. „Den Mietvertrag des jungen Mannes hat dessen Mutter mit unterschrieben, weil er noch nicht mal 18  war“, erzählt der geschäftsführende Vorstand Hans-Joachim Herda. Zwei bis drei Jahre sei alles in Ordnung gewesen. Dann habe es Probleme gegeben, die die Räumung notwendig machten. Es könne schon passieren, dass ein Mieter in Zahlungsschwierigkeiten gerate. Dann werde mit ihm eine Abzahlungsvereinbarung abgeschlossen. Allerdings werde auch darauf geachtet, wer in die Wohnungen einzieht. Schließlich gäbe es Möglichkeiten, sich darüber zu informieren, wie die Leute bisher gelebt haben. Insgesamt stellt Herda aber fest: „Die Mietzahlungsdisziplin ist besser geworden.“