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Wer profitiert von der Maxroi-Pleite?

Stadt, Theater und viele andere müssen eine neue Druckerei finden. Doch nicht alle Anbieter spüren davon etwas.

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Von Ingo Kramer

Neue Mitarbeiter, neue Kunden? „Nein, bei uns hat sich noch nichts verändert“, sagt Rainer Niemann. Er ist Chef von Augustadruck in der Augustastraße, beschäftigt zwei Mitarbeiter. Das Aus der Druckerei Maxroi Graphics war für ihn ein Schock. Trotz der Insolvenz hatte er damit absolut nicht gerechnet: „Eine Insolvenz muss kein Ende sein.“ Mit seiner kleinen Firma bietet er fast das Gleiche an wie Maxroi, allerdings in kleineren Größen und Auflagen. Bisher haben sich bei ihm weder Maxroi-Mitarbeiter um einen Arbeitsplatz beworben noch Maxroi-Kunden Aufträge ausgelöst: „Vielleicht kommt das ja noch.“

Übergangsweise nach Bautzen

Doch wo drucken die bisherigen Maxroi-Großkunden stattdessen? Immerhin haben unter anderem Stadt, Europastadt GmbH (EGZ), Theater und Senckenberg-Museum intensiv mit der Firma am Demianiplatz zusammengearbeitet. „Wir wissen noch nicht, was wir machen“, sagt Rathaus-Sprecherin Sylvia Otto. Dazu muss es entweder eine Ausschreibung geben oder die Fachämter holen Angebote ein und entscheiden dann nach Sachlage. Momentan werden die Bestellungen, die Maxroi hatte, in Bautzen abgearbeitet. „Das betrifft aber nur die laufenden Aufträge“, erklärt Sylvia Otto. Die Stadt habe 20 Jahre lang bei Maxroi die Altstadtzeitung drucken lassen, aber auch Einladungs- und Visitenkarten, Flyer und vieles mehr. Das Amtsblatt hingegen hat Maxroi schon vor Jahren an eine überregionale Druckerei verloren.

Für die EGZ hat Maxroi Flyer und Broschüren, aber auch Plakatwände für Messen angefertigt. Allerdings nicht nur Maxroi. „Wir arbeiten mit einem Netzwerk von regionalen Druckereien zusammen und müssen immer mehrere Angebote einholen“, sagt Eva Wittig von der EGZ. Somit entstehe jetzt kein Loch. Schade sei es aber schon, denn zu Maxroi waren die Wege am Kürzesten, der Draht am Direktesten: „Das war unser kompetenter Partner vor Ort.“

Theater musste schnell handeln

Im Görlitzer Theater wurden bisher alle kurzfristigen Aufträge an Maxroi vergeben, darunter alle Programmhefte. Jetzt ist es auf der Suche nach einer neuen regionalen Druckerei. „In nächster Zeit haben wir dafür verschiedene Termine“, bestätigt Marketing-Chefin Karina Raatz. Eventuell werde das Theater für die neue Spielzeit sogar ein Komplettpaket mit allen Aufträgen in Görlitz und Zittau an eine Druckerei vergeben. Aktuelle, kurzfristige Sachen hingegen erledigen momentan die Graphischen Werkstätten Zittau (GWZ). Das Senckenberg-Museum hat laut Sprecherin Annemarie Grohmann die meisten wissenschaftlichen Zeitschriften bei Maxroi drucken lassen, aber auch viele Werbematerialien, Einladungen und Banner. Nur einzelne Aufträge wurden an andere Druckereien vergeben. „Jetzt schauen wir uns nach einem neuen Partner in der Umgebung um“, sagt sie. Entschieden sei noch nichts. Allerdings besteht Eile: „Wir brauchen Ausweise für die Kinderakademie Ende Juni und Werbematerial für eine Ausstellungseröffnung im Juli.“

Die Suche der Großen ist bisher noch nicht bei allen Druckereien angekommen. Nicht nur bei Augustadruck ist alles wie immer. Auch Kathleen Abt von der ReproProfi Görlitz GmbH am Demianiplatz spürt noch nicht viel, nur ein bisschen mehr Laufkundschaft, die einzelne Kopien oder kleinere Druckaufträge nachfragt. Was ihr auch aufgefallen ist: „Viele verwechseln uns mit Maxroi und fragen, wie lange wir jetzt noch offen haben.“ Die Sorge aber ist unberechtigt: ReproProfi ist nur der Nachbar von Maxroi. Lutz Steglich, Leiter der Druckerei bei den Görlitzer Werkstätten, bekommt jetzt täglich mehrere Anrufe und Anfragen: „Insgesamt waren es bereits 15 bis 20 neue Kontakte und daraus haben sich auch schon die ersten vier kleineren Aufträge ergeben.“ Die Druckerei ist besonders im Digitaldruck gut aufgestellt, bietet aber auch ein bisschen Offset-Druck an.

Große Aufträge nur im Umland

Für die richtig großen Aufträge müssen die Kunden allerdings ins Umland ausweichen: Nach Herrnhut, Zittau oder Bautzen. „Bei uns ist nach dem Maxroi-Aus noch nichts in nennenswerter Menge angekommen“, sagt Paul Winter, Geschäftsführer der Druckerei Gustav Winter in Herrnhut. Es habe sich auch noch niemand ein Angebot eingeholt. Die GWZ dagegen spüren die Maxroi-Pleite deutlich. „Wir haben in der kurzen Zeit schon viele neue Aufträge erhalten, zum Beispiel vom Görlitzer Theater“, sagt Geschäftsführer André Förster. Er überlegt jetzt sogar, ein kleines Büro in Görlitz zu eröffnen, um näher an den hiesigen Kunden zu sein: „Dafür würde ich jemanden aus der Kalkulation von Maxroi einstellen.“ Beworben hat sich aber bisher noch keiner. Für die Produktion hingegen sucht er aktuell keine neuen Mitarbeiter.

Robert Czyzowski, Chef der Lausitzer Druckhaus GmbH in Bautzen, war seit der Übernahme Anfang 2014 auch Maxroi-Chef. Ob es gelingt, viele Maxroi-Kunden mit nach Bautzen zu nehmen, könne er noch nicht sagen: „Dafür ist es zu früh, aber ich bin optimistisch.“ Seine Vertriebsmannschaft sei bemüht, jedem eine Lösung anzubieten. Er glaubt aber auch, dass sich viele Kunden umorientieren werden.