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Bischofswerda

Schweinepest auf dem Vormarsch

Wird angesichts der Corona-Krise die Gefahr durch die Tierseuche in der Oberlausitz unterschätzt? Der Freistaat widerspricht.

Die Afrikanische Schweinepest rückt aus Polen näher an die Oberlausitz heran. Die Virusinfektion kann sowohl Wildschweine als auch Hausschweine befallen.
Die Afrikanische Schweinepest rückt aus Polen näher an die Oberlausitz heran. Die Virusinfektion kann sowohl Wildschweine als auch Hausschweine befallen. © ZB

Bautzen. Dass ein Jagdausstatter wochenlang geschlossen bleibt, konnte vor dem Ausbruch der Corona-Krise keiner ahnen. Schlecht für Jäger, denen die Munition ausgeht. Ein Jäger aus dem Raum Bischofswerda fragt sich, ob Jagdausstatter nicht zu jenen Geschäften gehören sollten, die auch jetzt öffnen dürfen. "Wegen der Afrikanischen Schweinepest in Polen wurde vor einigen Wochen sogar eine Wildschwein-Barriere an der Neiße errichtet. Jetzt spricht keiner mehr über diese Gefahr."

Ein knappes Zeitfenster für die Jagd

Gerade jetzt sei eine gute Zeit, das Schwarzwild zu bejagen und somit die Zahl der Tiere  zu reduzieren. Die sogenannten Überläufer, junge Wildschweine von  knapp einem Jahr, sind aus ihrer Rotte vertrieben worden. Die noch unerfahrenen Tiere seien leicht zu bejagen. In einigen Wochen sehe das ganz anders aus. "Dann sind die Schweine erst im Raps und danach im Mais", sagt der Jäger. 

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Für den Vorsitzenden des Kreisjagdverbandes Bautzen Lothar Jentschel  ist die Frage nicht, ob, sondern wann die Afrikanische Schweinepest (ASP) Deutschland erreicht. Der jüngste Fall wurde rund zehn Kilometer von Bad Muskau entfernt gemeldet.  Von der Seuche befallene Tiere reagieren apatisch, sie bewegen sich kaum noch.  "Einen bis zwei Kilometer im Monat kommt die Schweinepest näher.  Da kann sich jeder ausrechnen, wann sie Deutschland erreicht."  

Die Barriere an der Neiße  werde Wildschweine zurückhalten, ist sich Lothar Jentschel sicher. Doch eine 100-prozentige Garantie könne es nicht geben. Die Schweine bräuchten nur von Wölfen gejagt zu werden, dann würden sie auch die Barriere durchbrechen. Vor allem für Sachsens Schweinemastbetriebe wäre das katastrophal.  

Für Lothar Jentschel gehen potenzielle Risiken aber nicht nur von den Tieren aus. Er betont auch die Verantwortung des Menschen. Denn das Virus, das die ASP auslöst,  kann auch über das Futter übertragen werden. In Osteuropa sei es ein weggeworfenes Salamibrötchen gewesen,  das die Seuche verursacht hat. 

Freistaat setzt auf Seuchenschutz

Trotz der Herausforderungen durch die Corona-Krise behalte Sachsens Staatsregierung auch die Schweinepest im Blick, sagt Andreas Friedrich, Pressesprecher im Sozialministerium. "Die Konsequenzen,  die eine Einschleppung der ASP nach Deutschland nach sich ziehen würde, würden uns lange nach Corona begleiten. Ein Ruhenlassen dieser Aufgaben ist daher weder möglich noch angezeigt." So habe sich das Ministerium in der vergangenen  Woche in einer Telefonkonferenz mit den Veterinärämtern vor Ort über präventive Maßnahmen verständigt. 

Bei der Prophylaxe  liege der Schwerpunkt in wirkungsvollen Maßnahmen zum Seuchenschutz für jene Betriebe, die Schweine züchten oder mästen.  Die Betriebe seien über die notwendigen  Schutzmaßnahmen informiert worden, sagt Andreas Friedrich. Ein weiterer Schwerpunkt liege darin, die Zahl der Wildschweine zu reduzieren. "Hier leisten die Jäger gute Arbeit." 

Anzahl der Wildschweine wächst seit Jahren

Angaben zur Anzahl der Wildschweine gibt es nicht. Doch sowohl bei Behörden als auch Jägern ist es unbestritten, dass die Zahl seit Jahren zunimmt. Milde Winter und reichlich Nahrung sorgen für Zuwachs. Eine Bache wirft sechs bis acht Frischlinge. Nach acht bis zehn Monaten sind die Tiere geschlechtsreif und können sich fortpflanzen. "Es wirkt wie ein Schneeball", sagt Lothar Jentschel. 

Der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, dem fast 300 Jäger aus den Regionen um  Bautzen und Bischofswerda angehören, macht auf noch eine andere Tendenz aufmerksam: Zum Schutz vor den Wölfen bilden Wildschweine immer größere Rotten. Als ein Maisfeld abgeerntet wurde, zählten die Jäger 51 Sauen in einer Rotte. In der Vergangenheit waren es acht bis zwölf. 

Um Jägern einen Anreiz zu geben, Wildschweine zu bejagen, sollte der Freistaat einen Zuschuss zu den Aufkaufpreisen zahlen, sagt Lothar Jentschel. Denn aufgrund des reichen Angebotes an Fleisch beklagen Jäger einen Preisverfall beim Verkauf von Wildfleisch. 

Für Jäger, die jetzt ohne Munition dastehen, nennt das Sozialministerium zwei Alternativen, um Nachschub zu bekommen: den Onlinehandel oder die telefonische Bestellung im Fachgeschäft. Das Ladengeschäft muss zwar geschlossen bleiben. Aber im Einzelfall dürfe der Inhaber bestellte Ware unter Beachtung der Schutzvorschriften herausgeben. 

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