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Wer rettet die Bachmühle?

Das Bauwerk in Steina steht seit einiger Zeit leer. Derzeit läuft eine Notsicherung. Doch damit ist es nicht getan.

Bettina Böhme, Vorsitzende des Sächsischen Mühlenvereins, steht vor der Bachmühle in Steina. Gemeinsam mit einigen Helfern hat sie für eine Notsicherung des Grundstücks gesorgt.
Bettina Böhme, Vorsitzende des Sächsischen Mühlenvereins, steht vor der Bachmühle in Steina. Gemeinsam mit einigen Helfern hat sie für eine Notsicherung des Grundstücks gesorgt. © Dietmar Thomas

Steina. Die Wikipedia-Liste der Kulturdenkmale in Hartha beschreibt die Bachmühle Steina als „sehr altes, das Landschaftsbild prägendes Fachwerkgebäude, Schrotmühle, baugeschichtlich und ortsgeschichtlich von Bedeutung“.

Doch lange Zeit schien es, als würde das Gebäude in der Bedeutungslosigkeit versinken. Das Grundstück war völlig zugewuchert. Das Mühlenwohnhaus, ein zweigeschossiger Bau über L-förmigem Grundriss war schon des Öfteren Ziel von Eindringlingen.

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 In den vergangenen Tagen hat sich aber einiges getan, wie Bettina Böhme, Vorsitzende des Sächsischen Mühlenvereins, berichtet. Gemeinsam mit ihrem Mann Hartmut und dem Meinsberger Landschaftsgärtnermeister Matthias Schmiel sowie zwei weiteren Helfern hat sie eine Notsicherung des Geländes eingeleitet.

 „Wir haben einen großen Teil des Wildwuchses beseitigt, um weiteren Schaden von dem Gebäude abzuwenden“, sagt Bettina Böhme. Das war auch dringend notwendig. Überall hatten sich Pflanzen breitgemacht. Auch das Dach und die Dachrinne sind teilweise zugewachsen. Ein Dachdecker hat sich den Schaden bereits angesehen und wird die erforderlichen Schritte einleiten.

Bis zu drei Meter große Zahnräder haben das Mahlwerk angetrieben. Die alte Technik ist noch gut erhalten.
Bis zu drei Meter große Zahnräder haben das Mahlwerk angetrieben. Die alte Technik ist noch gut erhalten. © Dietmar Thomas

Türen und Fenster mussten gesichert werden, um Neugierige vom Betreten des Gebäudes abzuhalten. Dazu dient auch der Bauzaun, der nach der Beräumung aufgestellt wurde. Das Gebäude sei schon Ziel von Plünderern gewesen. „Heizungsrohre und Elektrokabel wurden herausgerissen, Mobiliar zerstört und Fensterläden gestohlen“, berichtet Böhme.

Zudem hat die Witterung der Bachmühle zugesetzt. Der Dachdecker soll auch die Fenster mit Blechen schließen, damit kein Wasser in das Fachwerk laufen kann.

Ehe die Notsicherung vonstattengehen konnte, war noch einiges zu klären. Bettina Böhme wurde von Bekannten auf den Zustand des Gebäudes aufmerksam gemacht. Sie nahm Verbindung zum Besitzer auf. „Er kann sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um das Grundstück kümmern“, sagt sie. Er sei aber daran interessiert, dass die Bachmühle erhalten bleibt.

 „Der Eigentümer stimmte einem Vertrag über die Notsicherung zu“, zeigt sich Böhme erleichtert. Aufgrund dieses Vertrages hat der Sächsische Mühlenverein Fördergeld für die Notsicherung beantragt. 3.000 Euro aus einem Sonderfond für notleidende Denkmale wurden dafür von der Denkmalbehörde des Landkreises Mittelsachsen bewilligt.

Ersterwähnung im Jahr 1377

Die Geschichte der Bachmühle Steina reicht weit zurück. Am Schlussstein über dem Eingangstor ist die Jahreszahl 1708 zu erkennen. „Die Ersterwähnung als Mühlenstandort datiert aus dem Jahr 1377“, weiß Bettina Böhme.

Vorrangiges Ziel ist es, die Technik vor dem Verfall zu bewahren. „Die drei Mahlgänge und eine Haferquetsche sind noch gut erhalten“, sagt Bettina Böhme. Das Getriebe ist verschüttet, weil das Wasserrad in den 1980er-Jahren abmontiert wurde. Es müsste nur wieder freigelegt werden. 

Ein breiter Riemen weist darauf hin, dass der Antrieb der Mühle danach über einen Elektromotor erfolgte, der aber nicht mehr da ist. „Die kleinen Dorfbäche führen nicht immer genügend Wasser. Deshalb waren die Müller froh, wenn sie mit einem Elektroantrieb kontinuierlich mahlen konnten“, so Böhme.

Das Kammrad hat es der Mühlenfachfrau angetan. „Das ist noch sehr gut erhalten“, sagt sie. Sie vermutet, dass die drei Mahlgänge aufgrund der geringen Wassermenge nie gleichzeitig gelaufen sind. Wann in der Bachmühle zum letzten Mal Mehl gemahlen wurde, vermag Bettina Böhme nicht zu sagen. 

Bis in die 1990er-Jahre ist in der Mühle noch nach alten Traditionen gearbeitet worden, hat sie herausgefunden. Einer der Mahlgänge wurde vom Getriebe abgenommen und dafür eine Haferquetsche angehangen. Auch der Kran, mit dem die Mahlsteine ausgehebelt werden, ist noch komplett erhalten.

An der Außenwand ist noch zu sehen, wie groß das Mühlrad gewesen ist. Die alte Welle ist noch vorhanden. „Es muss einen Durchmesser von etwa fünf Metern gehabt haben. Allerdings ist es schon in den 1980er-Jahren abmontiert worden“, so Böhme. Das Wasser kam aus dem Mühlteich über den Mühlgraben zur Mühle. Unter einer Platte ist noch der gesetzte Ablaufgraben erhalten, über den das gebrauchte Wasser abgeflossen ist.

Im Obergeschoss des Gebäudes sind unter anderem ein Mühlstein und ein komplett erhaltener Mahlgang zu sehen.
Im Obergeschoss des Gebäudes sind unter anderem ein Mühlstein und ein komplett erhaltener Mahlgang zu sehen. © Dietmar Thomas

Das Klappern der Mühle kommt übrigens nicht vom Wasserrad. Damit das Getreide aus dem Trichter kontinuierlich zugeführt werden kann, gibt es den Rüttelschuh. Der wiederum wird durch einen Drei- oder Vierkant auf der Spindelachse zum Rütteln gebracht, und verursacht so das Klappern der Mühle.

Der Sächsische Mühlenverein besteht seit 1990. Er ist aus der Arbeitsgruppe Mühlen des Kulturbundes der DDR hervorgegangen. Bettina Böhme ist seit 2001 die Vorsitzende des Vereins. Der Mühlenverein fungiert als Dachverband für alle regionalen und lokalen Mühlengruppen, Kommunen oder auch Einzelpersonen, die auf dem Gebiet der Mühlenerhaltung und Mühlenkunde tätig sind.

Um das Fortbestehen des alten Bauwerks kann sich der Sächsische Mühlenverein aber nicht kümmern. Deshalb wirft Bettina Böhme die Idee in den Raum, dass sich ein eigener Verein gründen könnte. Der könnte „Förderverein zur Erhaltung der Bachmühle“ heißen.

Kleines Mühlenlexikon

Der Mahlgang ist eine Einrichtung zum Mahlen oder Schroten des Getreides. Er besteht aus zwei kreisrunden Mühlsteinen, aus dem unten liegenden feststehenden Bodenstein und dem sich darauf drehenden Läuferstein. Diese sind in der sogenannten Bütte eingefasst. Das Mahlgut fällt zwischen beide Steine, wo es zerdrückt und zerrieben wird.

Die Haferquetsche ist ein Gerät, in dem das Getreidekorn leicht angedrückt wird.

Die Bachmühle hatte ein oberschlägiges Wasserrad. Das heißt, das Wasser floss von oben auf das Rad und trieb es an.

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„Es wäre gut, wenn sich Leute finden, die dafür Interesse aufbringen. Dann wird es für die Mühle auch eine Lösung geben“, sagt Bettina Böhme. Vielleicht ließe sich zum Beispiel über das Leader-Programm Geld für eine Sanierung der Mühle aufbringen, hofft Böhme. Und natürlich setzt sie auch darauf, dass der zukünftige Verein von Sponsoren unterstützt wird.

Ideen für die weitere Nutzung der Bachmühle gibt es durchaus. „Die Mühle liegt am Zschopautalradweg, ein Ausflugslokal wäre durchaus denkbar. Als Vorsitzende des Mühlenvereins würde ich es begrüßen, wenn hier ein Mühlenmuseum errichtet werden würde“, sagt Bettina Böhme. Dann könnten zum Beispiel Schulklassen etwas über die alte Technik erfahren.

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