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Bautzen

Wer rettet Pommerngans und Co?

Auf dem Naturmarkt in Wartha werden alte Haustierrassen vorgestellt. Ein Projekt mit Hintersinn.      

Theresa Simmig mit Helga, einem Jersey-Rind vom Landwirtschaftshof ihrer Familie in Weicha. Helga und ihr Halbbruder Henry sind am Wochenende in Wartha zu sehen. Thomas Bleul (r.) vom Reiterhof Kronförstchen liebt nicht nur Pferde. Seit Jahren beschäftigt
Theresa Simmig mit Helga, einem Jersey-Rind vom Landwirtschaftshof ihrer Familie in Weicha. Helga und ihr Halbbruder Henry sind am Wochenende in Wartha zu sehen. Thomas Bleul (r.) vom Reiterhof Kronförstchen liebt nicht nur Pferde. Seit Jahren beschäftigt © Steffen Unger

Wartha. Wenn Eva Lehmann anfängt, übers Sachsenhuhn zu reden, dann ist sie ganz begeistert von einem Projekt, das im Biosphärenreservat jetzt begonnen werden soll. Eva Lehmann ist in der Biosphärenreservatsleitung zuständig für Projekte, und besonders für alte Sorten und Rassen. Zum 22. Herbstmarkt auf dem Gelände in Wartha werden deshalb 14 Tierhalter mit über 60 Tieren alte Rassen präsentieren.

Doch ein Tier steht besonders im Mittelpunkt: Das Sachsenhuhn, eine vom Aussterben bedrohte Rasse. „Haustierrassen sind ja generell angepasst auf die Bedingungen ihrer Region“, sagt Eva Lehmann. Deshalb sind sie auch meist sehr gesund. Doch die Sachsenhühner, die es in vier Farbschlägen gibt, stehen auf der Roten Liste in der Kategorie der akut gefährdeten Rassen. In den vergangenen Jahren wurden eher die Hochleistungsrassen angeschafft, weiß Eva Lehmann. Im Jahr 2016 wurden in allen Biosphärenreservaten Deutschlands nur noch 551 weibliche und 129 männliche Tiere gezählt. Das soll sich nun ändern. Auch mit dem Hintergrundwissen, dass jeden Monat irgendwo auf der Welt eine einheimische Haustierrasse verloren geht, soll nun das Sachsenhuhn in den Blickpunkt rücken. „Wir wollen Züchter ansprechen, die sich dafür interessieren“, sagt Eva Lehmann. Vorbereitet hat sie schon, dass sie die ersten Bruteier in allen vier Farbschlägen bekommt. Die werden dann in einer Weißenberger Brüterei ausgebrütet, bevor ein Tierarzt sie impft, sodass sie dann für die ersten vier Monate in einen Aufzuchtbetrieb gegeben werden. „Danach liest ein Zuchtrichter die Tiere aus, die zur Zucht geeignet sind. Die anderen gehen dann an Hennenhalter“, sagt Eva Lehmann. Sie schätzt, dass sie dann Mitte nächsten Jahres ein bis zwei Zuchtstämme zur Verfügung stellen kann.

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Wer sich für die Zucht von Sachsenhühnern interessiert, der schließt dann mit dem Biosphärenreservat eine Vereinbarung ab. Dabei geht es um viele Einzelheiten, so um die Verpflichtung des Hahnentauschs oder der Teilnahme an Ausstellungen oder der Bereitstellung von Bruteiern. Wichtig sei auch, dass sich die Züchter dem Sonderverein der Sachsen- und Zwergsachsenhühner anschließen. Die potenziellen Züchter erhalten die Tiere auch zunächst zu einem symbolischen Preis.

Um das Interesse der Züchter zu wecken, wird Eva Lehmann über den Winter Vorträge in den einzelnen Geflügelzüchtervereinen halten. „Meist ist der Altersdurchschnitt hier sehr hoch, sodass wir auch an die Jugendarbeit denken“, sagt Eva Lehmann. Sie kann sich vorstellen, in der einen oder anderen Schule eine Arbeitsgemeinschaft anzusiedeln, bei der sich die Schüler selbst um Geflügel kümmern. Ihre Hoffnung ist, dass sich das Projekt in fünf Jahren verselbstständigt und die Zahl der Sachsenhühner wieder steigt.

Der Naturmarkt

10.15 Uhr offizielle Markteröffnung

10.30 Uhr Trommelgruppe Großdubrau im Festzelt

11.15, 13.15, 15.45 Uhr Präsentation alte Haustierrassen im Festzelt

12.30 Uhr Kinderprogramm mit Leichtfuß & Liederliesel

14.30 Uhr sorbisches Kulturprogramm mit der Tanzgruppe Schmerlitz

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