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„Wer sich ausspricht, hat den ersten Schritt getan“

Der Kinderschutzbund des Landkreises hilft Kindern in Not. Wie schwer das sein kann, weiß Leiterin Barbara Stanja.

Frau Stanja, sie haben 13 Jahre lang Kinder am Telefon beraten. War da auch sexueller Missbrauch ein Thema?

Ja, auch das kommt vor, aber nur sehr selten. Die meisten Kinder reden nicht direkt darüber. Das kann viele Gründe haben. Die Kleinen können es gar nicht benennen, was ihnen widerfahren ist. Manche bekommen aber auch eingeredet, dass das in Ordnung ist und trauen sich dann nicht, darüber zu sprechen.

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Aber gibt es nicht irgendwelche Indizien während des Gespräches, die sie besonders hellhörig machen?

Die gibt es schon. Bestimmte Verhaltensauffälligkeiten zum Beispiel. Wir werden auch aufmerksam, wenn das Kind sagt, es gehe ihm körperlich nicht gut, oder wenn es sich nicht kindgerecht äußert. Aber da wir die Kinder ja nicht sehen, ist es schwer, wirklich etwas zu erkennen.

Angenommen das Kind wählt doch die Nummer gegen Kummer, weil es mit Ihnen darüber reden möchte. Was unternehmen Sie dann?

Am wichtigsten ist es, dem Kind zuzuhören, es ernst zu nehmen. Wenn es über das Erlebte sprechen kann, ist der erste Schritt getan. Dann versuchen wir herauszubekommen, in welcher Stadt das Kind lebt, fragen, ob es eine Vertrauensperson hat. Größeren Kindern raten wir auch dazu, das Jugendamt aufzusuchen. Doch all das geht nur mit Fingerspitzengefühl. Schließlich sind solche Kinder meist traumatisiert.

Ist dann alles verloren, wenn das Kind das Gespräch überraschend beendet?

Nein. Es ist uns bewusst, dass wir die Kinder am Telefon nicht festhalten können. Aber es hilft den Kindern, wenn sie nur einmal darüber gesprochen haben. Es ist ein erster Schritt. Einige Kinder fragen nach, ob der Erwachsene sie so anfassen darf. Dann können wir antworten, dass so etwas natürlich nicht in Ordnung ist und dass der Körper ihnen allein gehört. Diese, für uns völlig logische Aussage, ist für die Kinder total wichtig. Es bestärkt sie darin, auf ihr Gefühl zu hören, ermutigt sie zum Handeln. Solch eine Handlung kann ein zweiter Anruf bei uns sein. Es ist ein langer Prozess, bis ein betroffenes Kind Hilfe annimmt. Den wollen wir unterstützen.

Das Gespräch führte Marleen Hollenbach.