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Pferd verletzt: "Wer so etwas macht, ist krank"

Der Angriff auf eine Stute auf einer Koppel in Dennschütz sorgt für Entsetzen. Pferdeliebhaber sind in Sorge.

Pferde auf der Koppel in Dennschütz bei Lommatzsch. Hier wurde am Mittwoch eine Stute von einem Unbekannten schwer verletzt.
Pferde auf der Koppel in Dennschütz bei Lommatzsch. Hier wurde am Mittwoch eine Stute von einem Unbekannten schwer verletzt. © Gerhard Schlechte

Lommatzsch. Eine schmale Straße führt in den kleinen Ortsteil Dennschütz, ein Schild weist auf den Pferdehof hin.  Auf einer Koppel stehen Pferde, grasen friedlich im Sonnenlicht. Dorfidylle pur. Doch diese Idylle wurde diese Woche jäh gestört.  "Als ein Mitarbeiter die Tiere gegen Mittag von der Koppel holen wollte, sah er, dass die Beine einer Stute voller Blut waren", sagt er. Eine sofort gerufene Tierärztin stellte eine etwa zehn Zentimeter lange Schnittwunde an der Scheide fest. "Die Wunde wurde genäht, der 13-jährigen Stute geht es den Umständen entsprechend gut", sagt Falk Schmidtgen. 

In den Ställen des 51-Jährigen stehen insgesamt 17 Pferde, davon fünf eigene und zwei Fohlen. Die anderen Tiere sind Pensionspferde, so wie auch die verletzte Stute. Dass sich das Tier selbst verletzt haben könnte, schließen die Mitarbeiter des Pferdehofes mit hoher Wahrscheinlichkeit aus.

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"Wir haben den ganzen Platz nach Gegenständen abgesucht, mit denen sie sich hätte verletzen können, aber nichts gefunden", sagt der Betreiber. Auch die hinzugerufene Polizei geht davon aus, dass ein unbekannter Täter auf die umzäunte Koppel gelangte und das Tier wahrscheinlich mit einem Messer verletzte. Es seien Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz aufgenommen worden. 

In Lommatzsch gab es so etwas bisher nicht

Falk Schmidtgen ist froh, dass die Sache relativ glimpflich ausging. Dennoch ist er wie auch andere Pferdeliebhaber besorgt. "Wir können nur hoffen, dass der Täter nicht noch woanders zuschlägt. Wer so etwas macht, ist krank", sagt er, der Mitglied des Reitvereins Lüttewitz ist und von 2009 bis 2015 auch dessen Vorsitzender war. 

Dass Pferde auf Koppeln angegriffen und gar getötet würden, habe er ja schon aus anderen Gegenden wie Bayern oder Thüringen gehört. "Hier in der Region Lommatzsch ist so etwas bisher nicht bekannt", sagt er. Im Landkreis Meißen aber  schon. So gab es im Juli vorigen Jahres einen Messerangriff auf eine Stute in Moritzburg. Der 45-jährige Täter konnte gestellt werden. Ihn erwartet ein Gerichtsverfahren. Ein Termin steht aber noch nicht fest.  https://www.saechsische.de/plus/stute-auf-moritzburger-koppel-verletzt-5095263.html. In Scharfenberg gab es 2016 einen Vorfall, der für das Pferd tödlich endete. Ein Unbekannter hatte das Tier  mit einer Eisenstange so schwer verletzt, dass es eingeschläfert werden musste.

Falk Schmidtgen ist überzeugt, dass sich der Täter mit Pferden auskannte. "Die Tiere sind an Menschen gewöhnt, laufen nicht gleich weg, wenn ein Fremder auf die Koppel kommt", sagt er. Erschreckend ist, dass die mutmaßliche Tat am helllichten Tag geschah, wenn das Entdeckungsrisiko groß ist. 

Nachts hätte sie allerdings auch nicht passieren können. Denn für Falk Schmidtgen  ist es selbstverständlich, die Pferde über Nacht von der Koppel in die Ställe zu holen.  Vorfälle wie in Zehren soll es in Dennschütz jedenfalls nicht geben.

In Zehren waren im Dezember 2013  Pferde nachts aus einer Koppel ausgebrochen und auf die Bundesstraße gelaufen. Dort stießen sie mit zwei Autos zusammen, deren Fahrer schwer verletzt wurden. Neun Pferde wurden getötet. Die Tiere sollen von einem Wolf aufgeschreckt worden sein. Sicher nachgewiesen wurde das aber nie. Auch hier handelte es sich um Pensionspferde.   

Die Pferdehaltung hat bei den Schmidtgens eine lange Tradition. Sein Vater besaß bis 1970 eigene Pferde, führte den Sohn ans Reiten heran. "Ich habe mit elf Jahren das erste Mal auf einem Pferd gesessen. Das ist das ideale Alter, mit dem Reiten zu beginnen", sagt Falk Schmidtgen. Er und seine Familie halten seit 1990 Pferde, seit 1999 gibt es den Pferdehof. Den hat er im Laufe der Jahre erweitert. 

So kaufte er eine abrissreife Scheune des Nachbarn, sanierte sie und richtete dort eine Reithalle ein. Ein Geschäft zum gegenseitigen Vorteil. Der Nachbar sparte die hohen Abrisskosten, und er hatte endlich eine Reithalle. Bis zum vergangenen Jahr war er aktiver Springreiter. Auch seine Frau und seine beiden Töchter sind begeisterte Pferdeliebhaberinnen.   

Stute ist auf dem Wege der Besserung

Nach dem Schrecken kann sich Falk Schmidtgen nun wieder ganz seinem Pferdehof widmen. Und dem Reitverein. Denn der hat es in Corona-Zeiten auch nicht leicht. So musste das große Springturnier, das jedes Jahr im August stattfindet, abgesagt werden. Dort kamen immer 1.000 bis 1.500 Zuschauer. 

Eintritt wurde zwar nicht verlangt, der Verein verkaufte aber Speisen und Getränke. Mit dem Gewinn konnten Arbeiten auf dem Vereinsgelände mitfinanziert werden. So konnte mit diesem Geld und mit Fördermitteln im vergangenen Jahr der Richterturm saniert werden. Auch die Treppe, die noch aus DDR-Zeiten stammte und aus Stahlblech hergestellt war, wurde erneuert. 

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Auch eine Breitensportveranstaltung, die im April geplant war, konnte wegen Corona nicht stattfinden. "Wir hoffen, dass wir wenigstens diese Veranstaltung im September doch noch Nacholen können", sagt der Dennschützer, der hauptberuflich in der Stadtverwaltung Riesa arbeitet.  Er ist wieder zur Tagesordnung übergegangen, füttert am Abend die Pferde und ist froh: "Die verletzte Stute ist auf dem Wege der Besserung."  

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