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Wer soll den Zwangsabriss bezahlen?

Weil Gefahr bestand, schritt die Stadt ein. Die Hafermühle ist weg. Auf den Kosten will Dipps aber nicht sitzenbleiben.

Von Regine Schlesinger

Ganz genau kennt Oberbürgermeister Ralf Kerndt (Freie Wähler) die Summe noch nicht, die der Abriss eines Gebäudeteils der einstigen Hafermühle Mitte Mai gekostet hat. Um die 20 000 Euro dürften aber schon zusammengekommen sein, schätzt er. Die Verwaltung sei noch am Rechnen. Doch fest steht für den OB schon jetzt, dass diese Rechnung an Wolfgang Schmidt, den Eigentümer der Hafermühle, weitergereicht wird.

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Diesen Anblick gibt es heute nicht mehr. Das ehemalige Getreidelager der Hafermühle ist bis aufs Erdgeschoss verschwunden, allerdings nicht ganz so, wie es der Eigentümer geplant hatte. Fotos: Egbert Kamprath
Diesen Anblick gibt es heute nicht mehr. Das ehemalige Getreidelager der Hafermühle ist bis aufs Erdgeschoss verschwunden, allerdings nicht ganz so, wie es der Eigentümer geplant hatte. Fotos: Egbert Kamprath

Der wird jedoch kaum so ohne Weiteres dazu zu bewegen sein, den Betrag zu begleichen. „Wir müssen erst einmal sehen, wie das rechtlich aussieht“, sagt er. Aus seiner Sicht haben er und seine Mitarbeiter ihre Arbeit ordentlich gemacht. Für den Zwangsabriss hätte es keine Notwendigkeit gegeben. Anders wäre es gewesen, sie hätten grob fahrlässig gehandelt. „Doch wir sind uns keiner Schuld bewusst“, versichert Wolfgang Schmidt.

Das wird bei der Dippser Stadtverwaltung anders gesehen. OB Kerndt erklärte schon zu einem früheren Zeitpunkt, dass die Arbeiten nicht den Regeln der Technik entsprochen hätten und der Eigentümer mindestens eine Auflage des Landratsamtes missachtet habe. Der weist diesen Vorwurf jedoch zurück.

Die Behörde soll Wolfgang Schmidt schriftlich aufgefordert haben, vor Beginn der Abbrucharbeiten eine Fachfirma zu bestellen. Stattdessen habe er begonnen, mit eigenen Kräften das Gebäude abzureißen – mit dem Ergebnis, dass am 10. Mai ein Großaufgebot von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk an die Hafermühle ausrückte. Zu diesem Zeitpunkt standen vom früheren Getreidelager noch zwei Wände und das Dach. Weil der Wetterbericht heftige Böen angekündigt hatte, wuchs die Sorge, dass diese Gebäudeteile in Richtung B 170 stürzen und Autofahrer wie Fußgänger in große Gefahr bringen könnten.

Das wird wohl ein Gerichtsstreit

Als erste Maßnahmen wurden an der Straße vorm Gebäude entlang Container aufgestellt. Zunächst war davon die Rede, dass die Ruine weggesprengt werden sollte. Der Aufwand dafür wäre aber beträchtlich gewesen. Schließlich wurde ein Abrissbagger herbeordert. Sein Kommen verzögerte sich aber, weil das Abrissunternehmen einen zu kleinen Tieflader für den Transport des 50-Tonners bestellt hatte. Die dadurch entstandenen Mehrkosten wird man aber wohl kaum dem Hafermühlen-Besitzer in Rechnung stellen können. Der ist davon überzeugt, dass der ganze Aufwand nicht nötig gewesen wäre. Das Gebäude wäre nie von alleine zusammengebrochen, sagt er. Seine Leute haben drinnen gearbeitet, eine Hebebühne stand da, die viel Geld kostet. Hätte er damit rechnen müssen, dass es zum Einsturz kommen kann, wäre er doch nie ein solches Risiko eingegangen, betont Wolfgang Schmidt. Schließlich habe auch der Einsatz des Baggers selber gezeigt, wie sicher die Gebäudeteile noch stehen. Der schwere Koloss hätte ganz schön zu tun gehabt, sich von Etage zu Etage durchzuarbeiten. Für ihn habe der Zwangsabriss viel Mehrarbeit bedeutet. Abgerissen worden wäre der Rest des Gebäudes ohnehin in den nächsten Tagen. „So aber haben wir 14 Tage länger gebraucht, mussten alles auseinanderschneiden.“ Dafür auch noch die Zeche zahlen zu müssen, sieht er nicht ein. Wahrscheinlich wird es darauf hinauslaufen, dass ein Gericht entscheidet, wer die Kosten tragen muss.

Wolfgang Schmidt denkt indes nicht nur an den Abriss. Er will endlich auch wieder etwas aufbauen. Er sei schon dabei, das nötige Material wie Fenster und anderes zu besorgen, sagte er gestern. Dort, wo früher Hafer verarbeitet wurde, will er eine Gaststätte einrichten.