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Wer stoppt die Raser auf den Straßen?

Vor wenigen Tagen ist ein Junge in Dresden mutmaßlich von einem Raser überfahren worden. In Berlin hat es wieder ein illegales Rennen gegeben - mit schlimmen Folgen.

Am Montag wurden in Berlin - vermutlich nach einem illegalen Rennen - eine 45-jährige Autofahrerin lebensgefährlich und ihre 17-jährige Tochter schwer verletzt.
Am Montag wurden in Berlin - vermutlich nach einem illegalen Rennen - eine 45-jährige Autofahrerin lebensgefährlich und ihre 17-jährige Tochter schwer verletzt. © Paul Zinken/dpa

Von Andreas Rabenstein

Berlin. Die Front des silbernen Kleinwagens wurde durch den heftigen Aufprall zerstört, die Windschutzscheibe ist zersplittert, die leeren Airbags hängen im Wageninneren: Bei einem schweren Unfall am Montagabend auf dem Berliner Kurfürstendamm vermutlich nach einem illegalen Rennen sind eine 45-jährige Autofahrerin lebensgefährlich und ihre 17-jährige Tochter schwer verletzt worden. Ihr Kleinwagen wurde von einem schweren BMW gerammt und auf die Seite gekippt. Den heftigen Zusammenstoß sollen laut Zeugenaussagen Raser verursacht haben, die sich auf der Einkaufsmeile ein illegales Rennen lieferten.

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Der Aufprall war so stark, dass auch der vordere linke Teil des BMW aufgerissen und deformiert wurde, der Wagen zur Seite schleuderte und gegen drei weitere Autos prallte. Insgesamt wurden acht Autos beschädigt. Die Insassen des BMW flüchteten zu Fuß. Zeugen hatten den Unfall beobachtet. Nach ihren Aussagen soll sich der Fahrer des BMW ein illegales Rennen mit zwei weiteren Autos geliefert haben. Auch diese beiden Fahrer flüchteten – allerdings mit ihren Autos.

Ein tödlicher Unfall am 1. Februar 2016 auf dem Berliner Kurfürstendamm beschäftigte jahrelang die höchsten deutschen Gerichte.
Ein tödlicher Unfall am 1. Februar 2016 auf dem Berliner Kurfürstendamm beschäftigte jahrelang die höchsten deutschen Gerichte. © Archivbild/Britta Pedersen/dpa

Auf dem Berliner Kurfürstendamm kommt es immer wieder zu spontanen Autorennen zwischen jungen Männern in hochmotorisierten Sportwagen. Ein tödlicher Unfall am 1. Februar 2016 beschäftigte jahrelang die höchsten deutschen Gerichte. Zwei junge Männer begannen damals ein Rennen – nur wenige Meter vom aktuellen Unfallort entfernt. Mit bis zu 160 Stundenkilometern rasten sie 1,5 Kilometer weit über rote Ampeln, bis einer von ihnen einen kleinen Jeep rammte. Der Wagen wurde 70 Meter weit geschleudert; der 69 Jahre alte Fahrer starb.

Im Februar 2017 verurteilte das Landgericht beide Männer als Mörder. Es war das erste Mordurteil gegen Autoraser in Deutschland. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob es ein Jahr später wegen Rechtsfehlern auf, der Prozess begann von vorn. Im Juni bestätigte der BGH ein erneutes Mordurteil des Landgerichts gegen den Unfallfahrer.

In Dresden war am 22. August ein sechs Jahre alter Junge von einem Auto angefahren worden, als er eine Straße überquerte. Das Kind wurde gegen eine Bushaltestelle geschleudert. Es kam mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus und starb dort wenig später. Beschuldigt wird ein 31-jähriger Autofahrer sowie ein weiterer an dem mutmaßlichen Rennen beteiligter 23-Jähriger. Sowohl die mutmaßlichen Raser als auch das Unfallopfer sind Syrer, die nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler nicht miteinander in verwandtschaftlicher Beziehung stehen.

In Dresden war am 22. August ein sechs Jahre alte Junge von einem Auto angefahren worden, als er eine Straße überquerte. Das Kind starb.
In Dresden war am 22. August ein sechs Jahre alte Junge von einem Auto angefahren worden, als er eine Straße überquerte. Das Kind starb. © Roland Halkasch

Im Oktober 2017 wurden illegale Autorennen von einer Ordnungswidrigkeit zur Straftat hochgestuft und können seither mit härteren Strafen geahndet werden. Der Gesetzgeber habe richtig reagiert, so Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU). Die Polizei werde „auf das Schärfste“ durchgreifen, sagt er. So habe etwa der Landespolizeipräsident verstärkte Kontrollen auf den Straßen angekündigt.

Im vergangenen Jahr hat die sächsische Polizei 92 Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit illegalen Autorennen geführt. Im Jahr davor seien es 21 gewesen, teilte das Innenministerium mit. Allerdings lässt sich aus den beiden Zahlen keine richtige Entwicklung ablesen. Erst Mitte 2018 sei das elektronische Auskunftssystem so angepasst worden, dass Fälle von Raserei im Straßenverkehr zuverlässig erfasst werden, hieß es.

Raser: männlich, zwischen 20 und 30 Jahre alt

Für Beteiligung an Autorennen drohen bis zu zwei Jahre Gefängnis – und bis zu zehn Jahre, wenn jemand schwer verletzt oder getötet wird. Dabei muss es sich nicht zwingend um ein Rennen zwischen zwei Autos handeln. Nach dem Gesetz kann auch ein Fahrer bestraft werden, der allein „grob verkehrswidrig und rücksichtslos“ rast, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen.

Nach einer Umfrage vom Sommer zählte die Polizei in neun Bundesländern im vergangenen Jahr rund 1.900 Fälle von Rennen und Rasern. Oft waren es auch Verfolgungsjagden, bei denen Verdächtige mit Autos vor der Polizei flüchteten.

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Polizei und Staatsanwälte in Berlin stellen immer wieder fest: Die Raser sind meist männlich und zwischen 20 und 30 Jahre alt. Und sie lieben ihre schnellen Autos. Am meisten zeigen sie sich schockiert, wenn die Polizei Führerschein und Auto beschlagnahmt, wie ein Staatsanwalt berichtet. Wobei viele der Täter und Verdächtigen gern in geleasten oder gemieteten Autos mit hohen PS-Zahlen unterwegs sind.

Die Berliner Polizei fahndet nun nach dem Unfallfahrer und den anderen Beteiligten. Sie sucht dringend weitere Zeugen des mutmaßlichen Rennens, die sich eine Automarke oder ein Nummernschild gemerkt haben oder Insassen der Fahrzeuge kennen. (dpa)

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