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Wer täuscht wen?

Da sprechen beide Verhandlungsführer vom selben Dokument und sind doch weit entfernt, den gleichen Inhalt zu erkennen. Der Tarifkonflikt bei der Bahn ist mal wieder an einem toten Punkt. Was Personalchef...

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Da sprechen beide Verhandlungsführer vom selben Dokument und sind doch weit entfernt, den gleichen Inhalt zu erkennen. Der Tarifkonflikt bei der Bahn ist mal wieder an einem toten Punkt. Was Personalchef Ulrich Weber als Zwischenergebnis bezeichnet, hält die Lokführergewerkschaft GDL für unannehmbar. „Du denkst, du sitzt im falschen Film“, entrüstet sich der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky. Weber wiederum zeigt sich verwundert, dass Weselsky aus der Diskussion ausgestiegen ist – „einen Meter vor der Ziellinie.“

Ulrich Weber, Bahn-Personalvorstand
Ulrich Weber, Bahn-Personalvorstand © Robert Michael

Noch kurioser: Die Bahn beklagt sich, die GDL habe sich auf Fragen der Tarifstruktur beschränkt. Zuvor hatte die GDL der Bahn vorgeworfen, sie verzögere, weil sie immer nur über Strukturen reden wolle, nicht aber über Geld und Arbeitszeit.

In den Tarifrunden ging es erst um die Integration von Zugbegleitern und Bordgastronomen in ein künftiges GDL-Tarifwerk. Zuletzt verhakte man sich an der Berufsgruppe der Lokrangierführer. Sie werden nach einem anderen System als die Lokführer bezahlt – einem System, das mit der konkurrierenden und Mitglieder stärkeren Gewerkschaft EVG vereinbart wurde. Der GDL-Vorwurf an die Bahn: Sie wolle die Lokrangierführer zum „billigen Jakob“ machen. Dem widerspricht der Konzern.

Die EVG mutmaßt, die GDL suche einen Grund, um vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Tarifeinheitsgesetz zu klagen. Einige sie sich mit der DB auf Regeln, die auch die EVG unterschreibt, hätte sie keine Handhabe mehr. Die GDL unterstellt, die Bahn wolle Zeit gewinnen, bis das Tarifeinheitsgesetz im Sommer in Kraft ist. Man fragt sich: Wer täuscht hier wen? (dpa)