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Wer tötete Sophia? Jetzt beginnt der Prozess

Ein Lkw-Fahrer hat gestanden, die Studentin getötet zu haben. Der Fall war von Rechtsradikalen instrumentalisiert worden.

Neben einer Landstraße war die Leiche von Sophia Lösche entdeckt worden.
Neben einer Landstraße war die Leiche von Sophia Lösche entdeckt worden. © Jesus Andrade/El Correo/dpa (Archiv)

Die Suche nach der Leipziger Studentin hatte 2018 das ganze Land bewegt und ihr gewaltsamer Tod Entsetzen ausgelöst. Ab Dienstag muss sich dafür nun ein 41-jähriger Lkw-Fahrer aus Marokko verantworten. Der Fahrer soll die 28-jährige Sophia Lösche auf einem Autobahnparkplatz in Oberfranken nahe des Ortes Plech getötet haben. Die Leiche wurde später in Spanien gefunden. Ein Urteil soll nach zwölf Hauptverhandlungstagen bis 18. September gefällt werden. Der Prozess findet vor dem Landgericht Bayreuth statt, teilt Gerichtssprecher Clemens Haseloff mit.

Sophia Lösche war der Anklage zufolge am Abend des 14. Juni in einen Lkw gestiegen, um zu ihren Eltern nach Amberg in Bayern zu fahren. Der Fahrer hatte die Tankstelle in Schkeuditz offenbar angefahren, um seinen Lastwagen zu betanken. Arglos stieg die junge Frau ein, doch sie kam nie bei ihren Eltern an. Eine groß angelegte Suchaktion durch rund 100 Familienangehörige und Freunde von Sophia Lösche führte schließlich auf die Spur des Lastwagens eines marokkanischen Unternehmens. Familienangehörige warfen der Leipziger Polizei massive Ermittlungspannen und die Verzögerung der Suche nach der Studentin vor. Demnach hätten sich die Polizeidienststellen in Leipzig und Amberg zunächst nicht auf Zuständigkeiten einigen können.

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Der Wagen war zwei Tage nach dem letzten Kontakt zu Sophia Lösche auf Bildern einer Überwachungskamera der Schkeuditzer Tankstelle identifiziert worden, blieb aber zunächst verschwunden, bis Polizisten den Lkw auf einer Autobahn in der südspanischen Provinz Andalusien entdeckten. Der Fahrer hatte wohl versucht, den Laster anzuzünden und war deshalb Polizisten der Guardia Civil aufgefallen. Ermittler vermuteten, dass er so Beweise und Spuren vernichten wollte, die auf Sophia Lösches Anwesenheit an Bord des Lkws hingedeutet haben können.

Der Staatsanwaltschaft zufolge soll der Lkw-Fahrer die Studentin angegriffen, in seine Gewalt gebracht und sie dann getötet haben, „um zuvor begangene Straftaten zu verdecken“, so der Gerichtssprecher. Die Leiche von Sophia L. wurde eine Woche nach ihrem Verschwinden im Norden Spaniens gefunden – bei einer Autobahntankstelle nahe der Gemeinde Asparrena kurz hinter der französisch-spanischen Grenze. Der Marokkaner soll den spanischen Ermittlern den Fundort genannt haben, bestreitet aber den von Ermittlern rekonstruierten Tathergang, behauptet stattdessen, die Frau bei einer Auseinandersetzung getötet zu haben.

Sophias Familie hat die SZ gebeten, die Verstorbene unverpixelt zu zeigen, um ihr Andenken zu ehren.
Sophias Familie hat die SZ gebeten, die Verstorbene unverpixelt zu zeigen, um ihr Andenken zu ehren. © privat

Der Tod der Studentin hatte im vergangenen Jahr auch einen politischen Konflikt hervorgerufen. AfD-Anhänger hatten nach Ansicht von Sophias Familie das Andenken der Verstorbenen missbraucht, als sie ein großes Porträt beim sogenannten Trauermarsch der Partei in Chemnitz öffentlich zeigten. Demonstranten hatten dort Großplakate mit den Konterfeis von Menschen gezeigt, die angeblich von Flüchtlingen umgebracht worden sein sollen. In Sophias Fall war es ein zweifacher Familienvater, der im Transitverkehr zwischen Marroko und Europa Lkw fuhr.

Sophia Lösches Familie hatte die Demo-Veranstalter daraufhin angezeigt, darunter auch den Thüringer Landtagsabgeordneten und Rechtsaußen der Partei, Björn Höcke, der als Gesicht des rechtsradikalen „Flügels“ der AfD gilt. Kurz vor Weihnachten 2018 hatte der Justizausschuss des Thüringer Landtags auf Antrag der Staatsanwaltschaft deshalb sogar die Immunität Höckes aufgehoben.

Sophias Bruder Andreas Lösche sagte damals: „Was Höcke gemacht hat, ist für uns, als würde er in Gedanken meine Schwester vergewaltigen, indem er mit dem Plakat aufgetreten ist.“ Sophias Eltern seien nicht gefragt worden, ob das Bild verwendet werden darf, teilte die Chemnitzer Staatsanwaltschaft zunächst mit und ermittelte wegen eines Vergehens gegen das Kunsturhebergesetz. Anders sieht es mit der Verwendung in der Presse aus. Die Familie hat etwa die Sächsische Zeitung gebeten, Bilder der Verstorbenen unverpixelt zu zeigen, um ihr Andenken zu ehren.

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Die Behörde stellte das Verfahren später ein. Höcke sei weder Anmelder noch Versammlungsleiter der Demo gewesen, führte die Staatsanwaltschaft unter anderem als Begründung für das Ende der Ermittlungen an. Nun wird eine andere Schuldfrage geklärt. Die Familie von Sophia tritt als Nebenkläger im Prozess auf.

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