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Wer unter der Altstadtfest-Absage am meisten leidet

Schausteller, Touristiker, Hoteliers und Gastronomen trifft es hart. Aber nicht nur sie.

Die Feuershow auf dem Waidhausplatz war Teil des Görlitzer Altstadtfestes 2019. Dieses Jahr brechen auch den Feuerkünstlern viele Auftritte weg.
Die Feuershow auf dem Waidhausplatz war Teil des Görlitzer Altstadtfestes 2019. Dieses Jahr brechen auch den Feuerkünstlern viele Auftritte weg. © Nikolai Schmidt

Christoph Brixner vom Touristbüro i-vent hat die Stornierungen schon fast komplett abgearbeitet. „Viele Gäste haben ihre Unterkunft bereits storniert, noch bevor das Altstadtfest offiziell abgesagt wurde“, berichtet er.

Spätestens, nachdem sich Bund und Länder am vergangenen Mittwoch darauf verständigt hatten, Großveranstaltungen bis 31. August auf Grund der Corona-Situation zu verbieten, sei allen klar gewesen, dass weder Altstadtfest noch Viathea stattfinden können. „Uns trifft das sehr hart, das sind unsere wichtigsten Wochenenden“, sagt Brixner.

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Doch die Touristiker sind nicht die einzigen. Schausteller, Musiker, Hoteliers, Gastronomen, Händler, Handwerker, sogar Sportvereine sind betroffen. „Wir haben pro Jahr meist 500 bis 600 Euro Einnahmen aus dem Pinverkauf, sagt Mario Ahnert, Sportmanager beim SV Koweg.

Hinzu komme „ein guter fünfstelliger Umsatz“ im Getränkewagen. Dieses Geld reicht, um zwei Handball-Trainingslager für Kinder und Erwachsene zu finanzieren und mehreren Abteilungen kleinere Zuschüsse zu geben. All das fällt nun weg. Andererseits sei aber unklar, ob die Trainingslager auf Grund der Corona-Situation nicht ohnehin ausfielen.

Gäste sagen schon bis Dezember ab

Für Hoteliers wie Martin Vits vom Tuchmacher ist das Altstadtfest ein Baustein unter vielen: „Wir sind zum Fest immer ausgebucht und haben zudem je einen Getränke- und Essensstand vor dem Haus“, sagt er. Allerdings sei das nicht sein einziges Problem: „Wir haben schon bis Ende Dezember hohe Stornierungszahlen, Reisegruppen sagen jetzt schon für den Christkindelmarkt ab“, sagt Vits. Er rechnet damit, dass es ein Jahr dauert, bis sich die Zahlen erholen: „Derzeit sind alle existenzbedroht.“

Die Gastronomen genauso. Er habe bisher noch nicht einmal Kurzarbeitergeld bekommen, sagt Enrico Walkstein vom Café Flair. Bei den Festen habe er auch hohe Mehrkosten für zusätzliches Personal und Sondernutzungsgebühren. Das müsse erst einmal erwirtschaftet werden, bevor sich das Altstadtfest für ihn rechne. „Wenn andere Wochenenden schönes Wetter haben, laufen die auch ganz gut“, sagt er.

Kein Geld für Kinder und Jugendliche

Tourismusverein, Lions Club und Rotary Club haben beim Altstadtfest seit vielen Jahren einen gemeinsamen Wein- und Bierstand hinter dem Waidhaus. „Das Geld sollte dieses Jahr an die Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis gehen, genauer war das aber noch nicht definiert“, sagt Jenny Thümmler, Sprecherin beim Rotary Club Görlitz. Dieses Geld steht den Kindern und Jugendlichen nun nicht zur Verfügung. „Es wäre sicher wieder ein kleinerer vierstelliger Betrag gewesen“, sagt sie.

Für die Anwohnerinitiative der Nikolaistraße, die jedes Jahr einen Lehmofen baut und eine Bühne aufstellt, ist es das zweite Jahr ohne Altstadtfest, sagt Nora Schletter. Nach den Ereignissen des 11. September habe es auch 2001 kein Altstadtfest gegeben. „Wir sind jetzt persönlich betroffen, aber nicht so sehr finanziell“, sagt Nora Schletter. Die Musiker von Bardolino, die immer in der Nikolaistraße auftreten, hätten zum Glück noch andere Jobs: „Aber für Schausteller und alle jene, die den ganzen Sommer von Fest zu Fest reisen, wird das Jahr dramatisch“, vermutet sie.

Nebenbei-Job rettet Künstlerin jetzt

Paula Jana Herold ist eine von ihnen. Als „Die Bertholdin“ ist sie seit 1999 jedes Jahr beim Altstadtfest dabei, macht historisches Theater im Mittelalter-Teil des Festes. „Bis vorigen Mittwoch war ich zuversichtlich, dass es auch 2020 stattfindet“, sagt sie. Das Fest sei für sie etwas ganz Besonderes: „Da steckt mein Herzblut mit drin.“ Insofern treffe sie die Absage sowohl materiell als auch ideell ganz heftig.

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Doch sie hat Verständnis: „Ich sehe die Maßnahmen nicht als übertrieben an, sondern bin dafür, dass jetzt alle Maßregeln eingehalten werden.“ Zum Glück sei sie nebenbei an zwei Tagen pro Woche Lehrerin: „Das rettet jetzt meine wichtigsten Fixkosten.“ Und sie habe keine Angestellten. Deshalb ist sie zuversichtlich, dass es die Bertholdin weiterhin geben wird. „Wenn ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist, geht es weiter“, sagt sie.

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