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Wer vergiftet den wilden Garten?

Anja und Matthias Munkwitz lassen es auf ihrem Grundstück wachsen. Sie nutzen und beobachten das Eigenleben der Natur. Das gefällt offenbar nicht jedem.

Anja und Matthias Munkwitz in ihrem wild wuchernden Garten in Rosenthal.
Anja und Matthias Munkwitz in ihrem wild wuchernden Garten in Rosenthal. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Dieser Garten ist ein Paradies! Für Hummeln, Wildbienen, Schmetterlinge, Blindschleichen, Igel - und vor allem auch für Anja und Matthias Munkwitz. Das Ehepaar aus dem Hirschfelder Ortsteil Rosenthal lässt es wachsen, wie es wächst, auf dem idyllischen Grundstück hoch oben über der Neiße.

"Eine tolle Art der Faulheit", schmunzelt Anja Nixdorf-Munkwitz. Aber das allein ist es nicht, was sie und ihr Mann hier tun - oder besser nicht tun, seit sie vor sieben Jahren aus Görlitz hierher gezogen sind. Die Kulturmanagerin und der Hochschul-Professor lassen der Natur auf ihrem Grundstück - wo immer es geht - ganz bewusst freien Lauf.

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"Wir lieben das hier", schwärmt Matthias Munkwitz. "Das ist unser Ausgleich. Es ist doch eine Freude, diese Natur zu beobachten, zu sehen, wie sie sich entwickelt, und was da alles lebt." Natur sei nun mal nicht ordentlich und geordnet. "Es sei denn, man legt einen französischen Garten an", sagt der 68-Jährige und lehnt sich auf der Lieblingsbank vor dem steil ansteigenden Beet genüsslich zurück.

Auf dem Beet hinter der Bank blüht - und wuchert- der wilde Oregano über und über, mischt seinen betörenden Duft mit dem der alten Rosen, kämpft mit Minze, Akelei und Frauenmantel um den meisten Platz unter einem riesigen Buchsbaum. Ein Schlaraffenland ist da hier für Hummeln und Bienen. 

Unkraut, dass wie Pfeffer schmeckt

Neben der Bank wächst kniehoch der Giersch. In anderen Gärten hat das "Unkraut" dazu meistens keine Chance und wird schon im Keime aus den Rabatten gezupft. Anja Nixdorf-Munkwitz greift nach einer Blütendolde, die aussieht wie Dill, und schüttelt die Samen in die hohle Hand.

Die Hand hält sie ihrem Mann hin: "Koste mal!" Sie hat gelesen, dass man die Samen als Pfeffer verwenden kann. "Schmeckt interessant", sagt der Mann. "Wir werden mal probieren, sie zu rösten." Aus den Blättern vom Giersch macht Anja Nixdorf-Munkwitz Chips zum Knabben und aromatischen Salat.

Es gibt für alle einen Sinn und eine Verwendung, ist sie überzeugt und hat aus der Überzeugung ein leidenschaftliches zweites Standbein gemacht. Sie kocht aus Holunderblüten Pudding, füllt Pasteten mit wilden Kräutern, frittiert Löwenzahnblätter im Bierteig. Auf ihrem Blog "Ein Korb voll Glück" verrät sie die Rezepte und auch sonst noch ganz viel - vor allem auch, wo es regionale Produkte von regionalen Produzenten gibt.

Vor dem Haus blüht nichts mehr

Der große Baldrianbusch ist zur Hälfte abgestorben - und mit ihm nahezu der gesamte grüne Streifen am Straßenrand. "Da hat jemand nachgeholfen, dem das nicht gefällt", ist Anja Nixdorf-Munkwitz sich sicher.
Der große Baldrianbusch ist zur Hälfte abgestorben - und mit ihm nahezu der gesamte grüne Streifen am Straßenrand. "Da hat jemand nachgeholfen, dem das nicht gefällt", ist Anja Nixdorf-Munkwitz sich sicher. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Aber irgend jemandem scheint das alles nicht zu gefallen. Vom schmalen Streifen entlang der engen Gasse vor dem Haus blüht nicht mehr viel. Der große Baldrianbusch ist zur Hälfte abgestorben - und mit ihm nahezu der gesamte grüne Streifen am Straßenrand. "Das war nicht alleine die Trockenheit. Da muss jemand nachgeholfen haben", ist Anja Nixdorf-Munkwitz sich sicher.

Matthias Munkwitz hat den Verdacht, dass den Pflanzen mit Glyphosat der Garaus gemacht worden ist. Oder mit Essiglösung. Wie sonst ist es zu erklären, dass auch Wegwarte und Nachtkerze ganz plötzlich eingegangen sind. "Das hat so schön geblüht", sagt Anja Nixdorf-Munkwitz traurig. "Von morgens bis mittags die blaue Wegwarte, von nachmittags bis abends die gelbe Nachtkerze." 

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Anja Nixdorf-Munkwitz schreibt einen Blog über regionale Produzenten und Produkte. Und die Hirschfelderin hat noch jede Menge anderer Ideen.

Sie hat jetzt noch einmal Ringelrosen eingesät, wo bis vor Kurzem die Wegwarte stand. "Vielleicht gefällt das denen, die das hier gemacht haben, ja jetzt besser", sagt sie. Die Grünstreifen vor den anderen Häusern links und rechts der schmalen Gasse sind ordentlich gemäht. Daran stört sich niemand.

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